Olá ihr Lieben!

Auf diesem Blog könnt ihr meinen Auslandsaufenthalt in Brasilien hautnah miterleben. Ich bin am 21.07.2010 in Fortaleza angekommen und habe ab August ein Semester an der Universidade Federal do Ceará studiert. Das ist nun seit dem 2. Dezember abgeschlossen.
Nachdem ich im Dezember 3 Wochen lang eine Pause von Brasilien in New York genommen habe, habe ich mich entschieden nach Rio de Janeiro zu gehen. Hier mach ich nun seit Mitte Januar ein Praktikum und lebe und arbeite an der Copacabana. Ich werde versuchen wenigstens wöchentlich ein Lebenszeichen von mir zu
senden, freue mich aber auch ab und an mal etwas von euch zu hören.
Viel Spaß beim Lesen und Kommentare posten!
Té mais,
Cindy!


Sonntag, 12. Dezember 2010

Die vorerst letzten Tage in Fortaleza

...bestanden eigentlich nur noch aus Essen und Essen und Essen und Feiern. Oh, und ein bisschen Kultur war auch endlich mal dabei. Guilherme hat mich einen Abend vor 2 Wochen mit zu so einer Innenarchitektur-Ausstellung genommen. Das war echt super, es ist einfach wahnsinn was man mit seiner Wohnung so alles anstellen kann. Eigentlich fand ich rote Küchen immer toll, aber jetzt bin ich für gelb! :-) Danach hab ich mich dann noch mit unseren deutschen Freunden zum Essen getroffen. Am nächsten Tag waren Vani und ich Sushi essen, danach haben wir uns wieder bei den deutschen getroffen und Wraps gemacht...wie gesagt essen und essen und essen. Danach waren wir allerdings auch noch bei einer Uni-Party und in einer Bar, also wir haben gleich alles ein bisschen abgezappelt. An dem Samstag waren Vani und ich noch ein letztes Mal am Praia do Futuro und abends mit Sina mexikanisch ESSEN.
Die erste Dezemberwoche war sogleich die letzte Uniwoche. Pünktlich an meinem Geburtstag haben wir die letzte Klausur geschrieben. Vielen Dank übrigens für die vielen Anrufe und Karten, die haben mir wirklich den Tag versüßt und ich hab mich sehr gefreut. An dem Tag waren wir mittags mal wieder zum Sushi-Rodizio. Dann mit Guilherme unterwegs und mit ihm und seinem Bruder Eis essen, dann kurz zu Hause zum frisch machen und abends waren wir in einer netten Bar am Strand und alle lieben Menschen sind auch vorbei gekommen. Alles in allem also ein wirklich schöner Tag.
Freitagabend waren, mal wieder, Vani und ich im Mucuripe. Das war auch echt witzig. Am Tag vorher in der Bar haben wir Freunde von Guilherme kennengelernt, die deutsches Bier namens "Schönheit" in Fortaleza brauen und das irgendwie bald auf den Markt bringen wollen. Die waren dann auch im Mucuripe und haben mich da in den VIP-Bereich geschleust. In diesem Land muss man echt nur blond sein und alle Türen stehen offen...hihi.
Samstagmorgen sollten wir eigentlich um 9 abgeholt werden um zu Italo's Strandhaus zu fahren, dass es am Ende doch erst nach 11 wird, hätten wir natürlich schon vorher ahnen können und das, das Strandhaus kein Haus sondern eine Wohnung ist wahrscheinlich auch. Die Wohnung war am Praia do Presidio und den ersten Tag haben wir eigentlich nur am Pool gegammelt, zum Sonnenuntergang sind wir zum Strand gegangen und abends haben wir ein bisschen was getrunken und Looping Louis (!) und Twister gespielt. Ich glaub wir waren über 20 Leute, die irgendwie in dieser kleinen 2 Zimmer Wohnung geschlafen haben. Wie? Keine Ahnung...ich war eine der Glücklichen, die ein Bett abbekommen hat. Am nächsten Morgen sind wir wieder zum Strand gegangen und um 4 wollten wir eigentlich zurück fahren, aber daraus wurde dann halb 6... An sich ja kein Problem, aber Sina hat sozusagen schon mit ihrem kompletten Sack und Pack auf uns gewartet, weil sie in der gleichen Nacht wieder nach Deutschland geflogen ist. Gegen 10 sind wir dann ein letztes Mal ins Órbita gegangen. Guilherme und sein Bruder waren schon da und Mara, Cindy, Peter, Bernd und Manuel haben wir noch getroffen. Ein echt witziger letzter Abend. Sina ist schon eher wieder zu uns gegangen und Vani und ich haben uns dann gegen 3 auf den Weg gemacht um Sina pünktlich halb 4 wecken zu können. Sie hat dann noch in Ruhe ihren Kaffee getrunken, wir haben sie zum Taxi gebracht und uns schweren Herzens verabschiedet.
Der nächste Tag war ganz im Sinne von ordnen, ausmüllen und packen. Vani und ich haben nochmal unseren Abendspaziergang am Strand entlang gemacht und dann ist Vani auch schon zum Flughafen gefahren um ihren Freund abzuholen. Der hatte mehrere Stunden Verspätung, also hieß es für Cathleen und mich warten, weil er auch Sachen für uns mitgebracht hat.
Am nächsten Morgen haben wir alle schön und lecker zusammen gefrühstückt, ich hab meine letzten Sachen zusammengepackt und gegen 12 hat mich Guilherme abgeholt und zum Flughafen gebracht. Dort gab es dann noch Mittag und Eis und als es Zeit zum boarden war, hat er sich auf den Weg gemacht...bye bye Fortaleza...für die nächsten 3 Wochen.
Jetzt bin ich in New York und alles ist SUPER! Ich hab endlich mal wieder mein eigenes Zimmer, auch wenn mich teilen nie wirklich gestört hat, ich muss mir keine Gedanken um Essen machen, der riesige Kühlschrank ist immer voll, ich darf auch im Dunkeln das Haus verlassen, ich komme mal wieder in den Genuss einer Waschmaschine und eines Wasserkochers, ich kann mich auf die Leute verlassen und die sind auch noch alle super lieb. Was will man mehr? :-)
Also, ganz liebe Grüße aus New York!!!

Sonntag, 21. November 2010

Fazit - 4 Monate Brasilien

Eigentlich müsste ich gerade ganz fleißig an meiner Präsentation für morgen arbeiten, aber Zeit für ein paar Zeilen an so einem wichtigen Datum wie heute muss einfach sein. :-)
4 Monate sind wir jetzt schon hier und der Kulturschock ist endlich überwunden. Eigentlich habe ich ja nie viel von diesem Ausdruck gehalten, aber da muss ich jetzt einfach mal mein Wissen aus dem Studium anwenden. :-) Ein Kulturschock hat nämlich 4 Phasen. Am Anfang ist die sogenannte "Honeymoon Phase" wo alles toll ist. Ich würde vielleicht nicht unbedingt sagen, dass am Anfang alles toll war, aber zumindest aufregend und neu. Danach kam die "Krise", die bei mir zum größten Teil aufgrund purer Langeweile und sprachlichen Barrieren entstand. Ok und daraus, dass man hier so abhängig von anderen ist, dass man hier so eingesperrt ist (tagsüber ist es zu heiß und im Dunkeln soll man nicht raus), dass man sich auf viele einfach nicht verlassen kann, dass man generell immer angestarrt wird, etc. Und danach kommen die Phasen der "Erholung" und der "Anpassung". Ich zitiere Wikipedia "Die Person hat sich in die neue Kultur integriert, sie versteht die Kultur und übernimmt teilweise sogar Verhaltensmerkmale der Fremdkultur." Mittlerweile ist es wirklich so, dass ich nichts mehr an Fortaleza und dem Leben hier zu kritisieren habe. Natürlich bestehen immernoch alle erwähnten Probleme, aber es ist einfach so, dass ich mich daran gewöhnt habe und sie mich nicht mehr stören. Ich bin sogar schon ein wenig traurig, wenn ich für das Praktikum (was ich immernoch nicht habe) in den Süden ziehen und alle lieben Leute hier verlassen werde. Ja, ich könnte auch hier bleiben, aber ich möchte mich einfach der Herausforderung stellen und irgendwo nochmal allein anfangen. Ich bin mir fast sicher, dass sich der "Kulturschock" dann wiederholt... :-)
Nach 4 Monaten wird man übrigens auch schon im Bus erkannt. Cathleen ist einmal allein nach Hause gefahren und da hat der Kassierer sie tatsächlich gefragt wo ihre beiden Freundinnen denn sind. Und an einem anderen Tag ist dasgleiche Vani und mir passiert. Da hat er Cathleen vermisst... sehr süß.
Nach 4 Monaten hat man auch mal wieder Lust auf richtig gutes, heimatliches deutsches Essen. Also sind wir am Freitagabend ins Hofbräuhaus (Foto) gegangen. Die Vorfreude war riesig, da die Speisekarte sich wirklich gut lesen ließ, aber die Enttäuschung danach war mindestens genauso groß. Vani und ich hatten eine gemischte Fleischplatte mit Kartoffelbrei und Sauerkraut, aber das einzige was ein bisschen nach zu Hause geschmeckt hat, war leider nur das Sauerkraut. Auf ein leckeres Radler hatten wir uns auch schon gefreut, aber das hatten sie nicht... Wir sollten wahrscheinlich doch lieber warten, bis wir wieder in Deutschland sind und jetzt einfach die brasilianischen Köstlichkeiten genießen.
Oh und den Weihnachtsschock hatten wir während dem letzten Monat auch. Vani und ich wollten noch letzte Reisebesorgungen für den Amazonas im Shopping Center an der Uni machen, als wir von der überwältigenden Weihnachtsdeko dort total überrumpelt wurden. Das passt einfach nicht, wenn da riesengroße Weihnachtsmänner und geschmückte Tannenbäume stehen und in den Schaufenstern Bikinis hängen. Was Weihnachtsbeleuchtung in den Straßen angeht sind die Brasilianer auch echt verrückt. Damit hätte ich irgendwie nicht gerechnet... Trotzdem bleibt die Weihnachtsstimmung bisher noch aus, was wohl auch daran liegen könnte, dass noch über einen Monat Zeit ist.
Bin ich froh, dass ich diesen ganzen Geschenkestress dieses Jahr nicht habe, aber euch wünsch ich viel Erfolg :-)

Mittwoch, 17. November 2010

Canoa Quebrada

Am Montag war schon wieder Feiertag - Ausrufung der Republik - das heißt, wir haben das lange Wochenende genutzt und sind mal wieder ein wenig verreist.

Ziel: Canoa Quebrada - circa 160km südlich von Fortaleza
Mitreisende: Sina, Vani, Bernd, Christoph, Moritz & Freundin und Mirko & Freundin

Freitagabend waren Sina, Vani und ich noch mit ein paar Brasilianern in einer Bar und danach im Mucuripe. Das Mucuripe ist angeblich die größte Großraumdisco in Brasilien, aber sooo groß kam es mir auch wieder nicht vor. Bisher war uns der Eintritt immer zu teuer, aber am Freitag war es sooo gut, dass wir sicher bald wieder gehen. Ich würde ja gern am Samstag gehen, da ist Abba-Show, aber bei knapp 30€ Eintritt muss ich mir das dann doch nochmal überlegen. Freitagabend war da auf jeden Fall auch ein Konzert, "Netinho" aus Bahia war da. Vani und Sina fanden es am Anfang nicht so gut, denn sein Musikstil "Axé" hat den beiden nicht gefallen, aber dann hab ich sie auf einen anderen "Floor" geschleift und dann war die Nacht auch erst gegen halb 6 vorbei. :-)
Blöderweise mussten wir aber um 7 schon wieder aufstehen, weil der Bus nach Canoa Quebrada gegen 8 gefahren ist, aber alles kein Problem. In Canoa waren wir dann gegen 1 und hatten erstmal Probleme unsere Pousada zu finden. Dort angekommen mussten wir dann auch noch feststellen, dass etwas mit der Reservierung schief gelaufen ist. Unsere Reservierung war erst für das nächste Wochenende und Zimmer waren auch nicht mehr frei...na juhu. Also sind wir dann noch eine Weile umhergeirrt und haben aber doch noch etwas Gutes und Günstiges für uns alle gefunden. Den Nachmittag haben wir dann am Strand verbracht. Erst haben wir in einer Barracke (so heißen die Strandbars) etwas getrunken und gegessen und dann hat sich jeder zu seinem Schläfchen in den Sand zurückgezogen. Leider wurde es nur sehr schnell frisch und viel Schlaf konnte nicht aufgeholt werden. Abends waren wir schick essen. Ich hab in dem Restaurant doch tatsächlich einen Crepe mit meinem Namen gefunden und dann fiel die Entscheidung auch nicht schwer. :-) Danach sind wir noch ein bisschen auf der Hauptstraße, dem "Broadway" (nennen die tatsächlich so), umher gelaufen und haben hier und da etwas getrunken, bis wir dann gegen 12 endlich zur "Freedom Bar" gehen konnten. Die Bar ist eher ein offener Club direkt am Strand, in dem die ganze Nacht Reggae gespielt wird und wo es Lagerfeuer gibt...Hippie-Style. Eigentlich ist das ja nicht so mein Ding, aber es war echt gut und total "chillig". Aber länger als bis halb 3 haben wir es dann auch nicht mehr ausgehalten...
Samstagmorgen stand mal wieder eine Buggy-Tour auf dem Plan. Die hat auch wieder Spaß gemacht, aber war leider nicht ganz so gut wie die Erste in Morro Branco. Wir haben unter anderem mitten in den Dünen gehalten und konnten dann mit so einer Art Sessel-Lift (nur eben nach unten) ins Wasser rutschen (Foto rechts). Nach der Tour hat Sina uns schon wieder verlassen und der restliche Tag sah ziemlich genauso aus wie der Erste. Nur das wir es uns mit ein paar Getränken in der Pousada gemütlich gemacht haben und dann erst zur Freedom Bar gegangen sind.
Vani, Bernd und ich waren Montag noch lecker frühstücken und haben 12:40Uhr den Bus zurück genommen. Am Rodoviaria (Busbahnhof) kam der Bus, den wir brauchten um nach Hause zu kommen, mal wieder nicht und wir haben ewig gewartet. Bis dann jemand kam und gesagt hat, dass der an Feiertagen woanders fährt...mein geliebtes Brasilien. :-)
Jetzt sind es noch 2 Wochen und dann ist die Uni auch schon vorbei. 2 Präsentationen müssen noch gehalten und 2 Klausuren geschrieben werden... das heißt, in nächster Zeit werden wir uns wohl mal ein wenig um die Pflicht kümmern müssen! :-)
Oh, da fällt mir gerade noch etwas ein. Letzte Woche war von Dienstag-Donnerstag immer abends so ein Event von der Uni. Das war auch echt interessant. Es gab immer lecker Essen (sehr wichtig!) und Vorträge. Am ersten Abend hat mir mein Recursos Humanos Dozent, den deutschen Austauschdozenten Hans-Peter Benedikt von der Uni in Eberswalde vorgestellt. Vani und ich haben so lange nach den Vorträgen noch mit ihm geredet und gegessen, dass dann irgendwie alle schon weg waren und er uns nach Hause gebracht hat. Sehr nett! Am nächsten Tag hat er dann auch ein Referat über deutsch-brasilianische Kulturunterschiede gehalten und das war einfach nur peinlich. Man stelle sich vor: ein Saal voller Menschen, es wird die Frage gestellt wie man sich wohl in Deutschland begrüßt, mein Recursos Humanos Dozent ruft rein "Cindy weiß das sicher" (hahahaha) und alle Köpfe drehen sich um und starren mich an! Dummerweise hab ich auch gerade mit meinem Nachbarn geredet und wusste noch nicht einmal worum es ging, aber Hans-Peter hat mich gerettet und gemeint, dass das zu leicht wäre. :-) Später kam dann noch so ein Komiker, Luiz Neto oder so, als Unterhaltungsprogramm und der hat auch wieder irgendeinen Witz gemacht und alle haben gestarrt...schrecklich. :-)

So, das war's jetzt aber!

Beijos pra vocês!

Donnerstag, 11. November 2010

Amazonas - Teil 2

So, und weiter geht's.

Am dritten Tag haben wir uns nach dem Frühstück auf eine kleine Trekking-Tour durch den Dschungel begeben. Ceciliano hat uns alle möglichen Bäume gezeigt und Heilpflanzen erklärt und uns Krönchen und Armbänder gebastelt. :-) Ich glaub insgesamt sind wir 3 Stunden durch den Wald gelaufen und meine (normalerweise richtig gute) Orientierung war sehr schnell verloren. Wir sind auch keine Wege oder so lang gelaufen, sondern einfach querfeldein und wenn uns etwas in den Weg kam, dann hat Cecliano das mit seinem mega Messer einfach klein gemacht. Auf dem Rückweg hat er sich dann an der Sonne orientiert und uns heil wieder zum Mittagessen gebracht. Nachmittags waren wir einfach nur mehrere Stunden mit dem Boot auf dem Wasser und haben Tiere beobachtet und Brüllaffen belauscht. Gesehen haben wir hauptsächlich irgendwelche Vögel und Tukans aber auch mehrere Affenfamilien und Delfine im Sonnenuntergang...sehr romantisch. :-)
Zum Essen waren wir wieder "zu Hause" und gegen 9 sind wir noch zu einer richtigen Amazonasparty gegangen. Das war fast schon ein kleiner Kulturschock. Den ganzen Tag lief unsere Familie dort in den ältesten Klamotten rum und dann kamen auf einmal die schicken Abendkleider und High Heels aus der Holzhütte. Da kamen wir uns dann doch etwas blöd vor in unseren Shorts und wahrscheinlich stickenden T-Shirts. :-) Die Party war der 15. Geburtstag von einem Mädchen und es waren sicher mehr als 100 Menschen da, auch wenn ich immernoch nicht weiß wo die alle herkamen. Der 15. Geburtstag von Mädchen wird hier wohl immer so groß gefeiert, warum konnte mir keiner so richtig beantworten, aber meine Vermutung, dass sie danach auf den Heiratsmarkt kommen, wurde so mehr oder weniger durch unseren Fahrer in Manaus bestätigt. Wir waren natürlich wieder die Aliens auf der Party, aber es hat trotzdem echt Spaß gemacht und es gab sooo leckeren Kuchen. :-)
Am nächsten Tag sind wir dann zum Kautschuk machen gefahren und haben zum ersten Mal andere Touris getroffen. Nachdem wir uns kurz ausgetauscht haben, haben sich unsere Wege aber auch schon wieder getrennt und wir sind weiter zum Dorf gefahren. Das "Dorf" besteht aus einer Schule, einem Arzt, einer Kirche und 2 Tante Emma Läden, in denen aber auch die größten Flatscreens standen - Brasilien, das Land der Gegensätze. Unser Guide war dann eben kurz in der Schule die neue Präsidentin wählen und wir haben die Zeit genutzt einen Blick in die Unterrichtsräume zu werfen. Es waren übrigens gerade Ferien, weil in dem Gebiet gerade die größte Trockenzeit seit 130 Jahren herrscht.
An dem Tag hatten wir auch eine längere Mittagspause und sind erst gegen halb 4 zum nächsten Abenteuer aufgebrochen. Die letzten Nacht haben wir nämlich mitten im Dschungel in einer Hängematte verbracht. Wir sind sicher 2 Stunden mit dem Boot gefahren bis wir endlich da waren und waren dann völlig überrascht, dass da sogar schon ein kleines Lager - mit "Tisch, Bänken" und Lagerfeuer - aufgebaut war. Zum Abendessen gab es dann leckeres Hühnchen vom Grill mit mitgebrachtem Reis und Salat und Tee, den wir mit der Rinde von irgendeinem Baum gemacht haben, sehr lecker. Dann war es allerdings auch dunkel und erst gegen 7 und wir hatten keine Ahnung was wir noch machen sollten. Also haben wir eine Weile der Stille gelauscht und Ceciliano hat uns mit der Taschenlampe so eklige Tiere, die aussahen wie überdimensionale Ratten, gezeigt. Als ich die gesehen hab, hatte ich irgendwie keine Lust mehr mich in die Hängematte zu legen... Wir haben dann noch ein bisschen Karten gespielt und gegen 9 geschlafen. Das Schreckliche war auch eigentlich, dass man nachts wirklich nichts sieht. Ich bin mehrmals aufgewacht und hab neben mich in die Dunkelheit gestarrt und einfach gehofft, dass alle Tiere, die da wohnen, auch schlafen. :-)
Am nächsten Tag war Vanis Geburtstag, den wir mit einem leckeren Dschungelfrühstück begonnen haben. Danach sind wir noch zu einer Ananasplantage gefahren und haben Mango frisch von den Bäumen gegessen. Zum Mittag gab es noch einen leckeren Geburtstagskuchen, den Vani und ich zur Hälfte aufgegessen haben...wir konnten ihn ja leider nicht mitnehmen. Und danach hieß es leider auch schon wieder Abschied nehmen und auf den langen Rückweg nach Manaus machen - eine Stunde Boot, eine Stunde VW-Bus und wieder Boot. Auf dem letzten Boot haben wir 2 Engländer getroffen, die wir schon am Anfang kennengelernt haben, und mit den beiden haben wir dann auch den restlichen Tag verbracht. Unser Rückflug war morgens um 1 und der andere um 2. Also waren wir noch in Manaus im wohl nobelsten Restaurant, was uns aber auch erst bewusst wurde als wir drin saßen. Ich hab meinen Rucksack auf einen Stuhl neben mich gestellt und dann kam der Kellner und hat ihn mit einer Tischdecke abgedeckt... Und als wir Caipirinha bestellt haben, kam direkt ein Cocktailwagen angefahren und alles wurde vor unserer Nase zubereitet. :-)

Diese 4 Tage abgeschottet von allem, waren wirklich eine tolle Erfahrung. Die Natur ist traumhaft und es ist erstaunlich mit wie wenig materiellen Dingen man doch tatsächlich auskommen kann. Wir in Deutschland können uns wirklich glücklich schätzen, dass wir so ein gutes Leben führen. Dem sollte man sich einfach hin und wieder bewusst werden... :-)

Sonntag, 7. November 2010

Amazonas - Teil 1

Juhuuu, wir wurden weder von Piranhas gefressen noch sind wir bei den Affen geblieben! Vani und ich sind (natürlich schon am letzten Dienstag) heil wieder in Fortaleza angekommen und haben das Dschungelabenteuer erfolgreich beendet. :-)
Am Donnerstagmorgen im Flugzeug haben wir schon die erste Überraschung erlebt, als ein Werbespot der TAM-Airline gezeigt wurde und da jemand deutsch gesprochen hat. Als ich aufgeschaut habe, dachte ich "hm irgendwie kennst du den Schauspieler" und dann hab ich Vani angeschaut und mir ist es wie Schuppen von den Augen gefallen. Das war Jonas, einer der mit uns studiert, aber schon ein Jahr weiter ist. Das war echt witzig. Die Welt ist einfach ein Dorf. Nachdem wir in Belém zwischengelandet sind hatten wir auch die Chance den Spot nochmal zu sehen und mitzufilmen.
Vom Flughafen in Manaus haben wir dann den Bus ins Zentrum genommen und das war mal wieder typisch brasilianisch. Wir wussten natürlich nicht wo wir aussteigen müssen, also haben wir gefragt und als wir dann im Zentrum angekommen sind, hat sozusagen der ganze Bus diskutiert wo es denn jetzt am besten wäre auszusteigen. Im Hotel angekommen gab es auch erstmal ein Problem, weil Expedia das Geld noch nicht überwiesen hatte, aber nach einer 20-minütigen Wartezeit, war das auch gelöst.
Nachdem wir uns kurz frisch gemacht haben, haben wir uns auch schon wieder auf den Weg gemacht, weil wir nicht mehr viel Zeit hatten bis es dunkel wurde und wir aber noch ein bisschen Manaus erkunden wollten. Die Stadt an sich ist auch echt schön, aber sehr viel zu sehen gab es am Ende doch nicht. Wir haben unsere Tour am Theater begonnen und sind einmal durch die Stadt bis zum Hafen am Rio Negro gegangen und das war es dann auch irgendwie schon. Wir waren so schnell wieder zurück, dass noch Zeit für ein Schläfchen war, bis wir uns später nochmal auf den Weg zum Essen gemacht haben und wieder am Theater vorbei gegangen sind. Dort war es dann so schön, mit Beleuchtung und Live Musik, dass wir uns da auch nochmal kurz hingesetzt haben und den Abend haben ausklingen lassen.
Freitagmorgen wurden wir nach einem super Frühstück pünktlich um 8 am Hotel abgeholt und zum Hafen gebracht, wo unser Guide Ceciliano und seine Frau schon auf uns gewartet haben. Als erstes sind wir dann mit dem Speedboot zum "Encontro das Aguas" gefahren. Das ist die Stelle wo der Rio Negro (schwarz) und der Rio Solimoes (weiß) aufeinander treffen und den Amazonas bilden. Das Spannende ist, dass die beiden Flüsse sich aufgrund ihrer verschiedenen Wassertemperaturen und -dichten nicht mischen und eine zeitlang "schwarz & weiß" nebeneinander herfließen. Auf der anderen Seite des Rio Negro angekommen wurden noch die letzten Einkäufe getätigt und dann ging es mit dem VW-Bus auf der Transamazonica (eine Straße, die ursprünglich Manaus und die Küste verbinden sollte, aber nie fertiggestellt wurde) tiefer in den Regenwald hinein. Nach einer ca. 1-stündigen Fahrt sind wir dann wieder in ein Boot umgestiegen um damit nochmal ca. eine Stunde zu fahren.
Nach einer gefühlten Ewigkeit sind wir dann also auch angekommen und das Haus von unserem Guide ist tatsächlich nur mit Boot erreichbar. Während der folgenden Tage haben wir auch bei Ceciliano und seiner Familie gelebt und konnten dadurch das volle Regenwaldleben kennenlernen. Nach dem Mittag sind wir zu einem kleinen, aber feinen Strand zum Baden gefahren und danach zum Piranhas fischen. Angeln kann man das nicht nennen, denn wir hatten nur eine Schnur mit einem Haken dran und damit mussten wir irgendwie zurecht kommen. Das war echt ein Spaß und am Anfang gar nicht so einfach, aber am Ende hatte ich doch 5 an meiner Schnur und später auf meinem Teller und sie waren echt lecker. Eine Überraschung gab es aber noch. Als wir noch am fischen waren, fing es auf einmal an zu regnen. Ist ja bekanntlich nicht ungewöhnlich, aber wir sind natürlich unser regenfreies Fortaleza-Wetter gewöhnt und hatten unsere Regenjacken nicht dabei. Also saßen wir da erstmal im Boot und dachten Pech gehabt, aber dann wurde es richtig ungemütlich und der Guide hat seine Jacke mit uns geteilt. Da es aber auch ewig nicht aufgehört hat, sind wir dann noch zu einem schwimmendem Haus gefahren und haben uns da untergestellt.
Nach dem Abendessen hieß es dann nochmal ab ins Boot, denn wir wollten Krokodile beobachten. Aber das war erstmal weniger spannend, denn der klare Sternenhimmel war viel schöner. Ich glaube ich lüge nicht, wenn ich sage, dass ich noch nie soooo viele Sterne gesehen hab. Krokodile gab es allerdings auch viele. Ceciliano hat immer mit einer Taschenlampe die Ufer abgesucht und die Augen der Kroks haben immer richtig geleuchtet. Irgendwann hat er es auch geschafft ein kleines zu fangen und wir "durften" es auch mal halten. Da war sogar gerade noch ein kleiner Fisch im Mund.
So, das war der erste Teil und bevor wieder Beschwerden kommen, dass es zu viel ist, folgt der 2. Teil in ein paar Tagen! :-)

Achso und ich hab ganz viele neue Fotos hochgeladen, viel Spaß beim Stöbern!

Dienstag, 26. Oktober 2010

Esthers Besuch und Morro Branco

Wie schon angekündigt hatten wir von Donnerstag bis Sonntag Besuch, Esther war da. :-)
Donnerstagmorgen ist sie gegen 8 bei uns angekommen und dann gab es erst mal lecker Frühstück. Den Rest des Vormittags haben wir eigentlich nur noch gegammelt und Energien für die City Tour, die später auf dem Programm stand, gesammelt. Um 1 wollten wir uns dann mit Sina am Dragão do Mar - Fortalezas kulturellem Zentrum – auf einen Kaffee treffen, aber weder um 1 hat mit
Sina geklappt noch der Kaffee. Das Café hatte zu und Sina kam gegen halb 2. Aber das war alles nicht weiter schlimm und wir haben gleich den Stadtrundgang gemacht. Mercado Central, wo es allen möglichen Kram gibt, Kathedrale, Touri-Zentrum, Bahnhof mit Pó de Guaraná Pause (so ein komischer aber leckerer Trunk aus Nüssen, Milch, Wasser, Eis und Sirup), Theater, Chaos-Zentrum und wieder Kathedrale und gegen 5 dann endlich in das Café. Die Mädels hatten alle eine kleine Stärkung und ich meinen neuen Lieblingssaft Ananas mit Minze. Danach sind wir nach Hause gefahren, haben leckeren Salat gemacht und die anderen 3 sind nochmal zum Beira Mar Markt gegangen, aber darauf hatte ich mal wieder keine Lust. Einmal in der Woche reicht der mir dann auch. :-)
Freitag haben wir ausgeschlafen, wieder lecker gefrühstückt und dann wussten wir erst mal nicht mehr, was wir mit dem Rest des Tages anfangen sollen. Eigentlich bietet sich Strand ja immer ganz gut an, aber da Esther schon einen Sonnenbrand von dem Stadtrundgang hatte, empfanden wir das als keine so gute Idee. Sehenswürdigkeiten hatten wir ihr alle schon gezeigt, also blieb nichts mehr. Fortaleza ist echt schön, aber wenn man nicht zum Strand möchte/kann, dann ist irgendwie auch nicht viel mehr los. Wir haben uns dann entschieden sie zu „50 Sabores“ zu entführen. Dort gibt es 50 verschiedene Eissorten (u.a. Bier und Caipirinha), die man alle probieren kann bevor man sich entscheidet. Danach sind wir noch 10 Kilometer am Strand langspaziert um die ganzen Kalorien wieder loszuwerden. :-) Erst zum Fischmarkt, wo man sich zum Beispiel Shrimps frisch kaufen und gleich kochen lassen kann, und danach zum Aussichtssteg um den Sonnenuntergang zu beobachten. Nur leider war es bewölkt und wir konnten nicht viel sehen. Abends sind wir wieder zum Dragão do Mar gegangen um etwas zu essen und uns mit Italo, Barbara, Andre und Sina zu treffen.
Samstagmorgen ging es dann mal wieder auf große Reise. Wir haben uns spontan entschlossen zu dem 80km entfernten Strand „Morro Branco“ zu fahren. Wir dachten eigentlich, dass der Bus halb 8 fährt, aber dann ist er doch erst eine Stunde später gefahren und wir hatten noch Zeit zum frühstücken. Also haben wir uns in so einen kleinen Imbiss gesetzt und gegessen. Da war so ein komischer Typ, der uns erst irgendeinen Zettel auf den Tisch gelegt hat, den Sina versucht hat zu entziffern. Nachdem sie jedes 3. Wort nicht lesen konnte hat sie einfach beschlossen „Der will bestimmt, dass wir für ihn anschaffen gehen.“ Und so kam es uns dann auch immer mehr vor. Wir haben ihn natürlich ignoriert, aber er ist immer an unserem Tisch vorbei gegangen und hat uns sinnlose Sprüche zugerufen und einmal hat er uns sogar Geld drauf geworfen…sinnlos.
In Morro Branco angekommen haben wir uns erst mal in der Pousada erkundigt, was man so machen kann und wo was los ist. Morro Branco ist allerdings sehr klein und viel gibt es dort nicht. Also sind wir zum „Mercado Artesanato“ (Handwerker-Markt) gegangen, haben uns dort kurz umgeschaut und dann weiter zum Strand und dort gab es Mitt
ag. Für halb 2 war dann eine Buggy-Tour angesetzt und die war richtig cool. Wir sind fast die ganze Zeit durch Dünen gefahren, haben an einer Höhle, Lagune und an so Felsen gehalten. Das hat alles auch einen Namen, aber dummerweise habe ich mir keinen davon gemerkt. An der Lagune haben wir eine längere Bade- und Schwimmpause gemacht und bei den Felsen eine richtige Tour. Dort gibt es 12 verschiedene Sandfarben (eine kleine Auswahl ist auf dem Foto), das war echt interessant, sah aber auch ein bisschen so aus als ob da jeden Morgen jemand den farbigen Sand auffüllt. :-) Aber Buggy fahren hat echt total viel Spaß gemacht.
Danach gab es eine Pool- oder Hängematten Pause –ich persönlich hab mich für letzteres entschieden – bevor es dann Essen im Restaurant nebenan gab und wir den Abend mal wieder mit lustigen Kartenspielen verbracht haben. Da wir uns ein Zimmer zu fünft geteilt haben, musste auch jemand in der Hängematte schlafen und ich hab mich dann einfach mal geopfert. Ich muss sagen, ich konnte besser darin schlafen, als ich dachte. Man wird natürlich bei jeder Bewegung wach, aber sonst war es okay. :-)
Sonntagmorgen haben wir erst mal ausgiebig gefrühstückt, unsere Sachen gepackt und wieder Karten gespielt. Dann noch ein paar Stunden am Pool entspannt (Strand hat man ja immer) und gegen 3 kam der Bus, der uns wieder in die große, stressige Stadt gebracht hat. Und Sonntagabend hat Esther uns dann auch schon wieder verlassen. Das war mal wieder ein sehr schönes Wochenende, aber auf das nächste freue ich mich auch schon wieder, denn am Donnerstag gehen Vani und ich wieder auf große Reisen… Lasst euch überraschen! Ach, und wenn wir Dienstag nicht wieder zurück sind, dann wurden wir wahrscheinlich von Piranhas gefressen oder haben uns entschieden bei den Affen zu bleiben. ;-)

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Fazit - Drei Monate Brasilien

Und schon wieder ist ein Monat vergangen... Langsam fällt mir auch nicht mehr viel ein, was das Fazit angeht, aber ein paar Zeilen werd ich jetzt wohl trotzdem schreiben, einfach der Gewohnheit wegen. :-)
Nach 3 Monaten hat man auch endlich die ersten Ergebnisse in der Uni bekommen, die mehr oder weniger gut ausgefallen sind. Das Notensystem an der Uni ist hier ein bisschen anders, also es geht nicht von 1,0 bis 4/5,0 sondern von 10 Punkten bis 0, wobei 10 natürlich die höchstmögliche, erreichbare Punktzahl ist. Womit man bestanden hat wissen wir leider immernoch nicht so genau. Da scheiden sich irgendwie die Geister. An sich wäre 5 ja logisch, aber die Tendenz geht eher zu 7. Na ja, egal. Die Marketing Klausur ist auf jeden Fall nicht sooo gut ausgefallen. Da gab es eine 8,1 und das war wohl schon über dem Schnitt. Wir Deutschen haben sogar ein Lob bekommen und die Brasilianer sollen doch besser für die nächste Klausur mit uns lernen. HaHaHa, echt lustig die Dozentin. Und dann hab ich noch auf äußerst peinliche Weise mein Human Resource Ergebnis bekommen. Ich kam so schon zu spät zum Unterricht und dann sagt der Dozent auf einmal irgendwas mit Cindy und 9 und alle gucken mich an und ich hab einfach mal verdutzt getan. :-) Wir haben die Klausur noch nicht bekommen, aber ich hab wohl eine 9,5. Damit kann ich mich ganz gut anfreunden.
Im Moment haben wir überhaupt mal wieder nie Uni. Diese Woche ist schon wieder zur Hälfte frei, weil kulturelle Tage sind. Da waren wir dann gestern Abend auch mal und das war auch echt nett, mit mehreren Konzerten und mal wieder ganz vielen bekannten Gesichtern.
Am Sonntagabend war ich mit Vani und Andre im Kino, obwohl Montag Klausur war -die so oder so sinnlos war, wir durften mit einem Brasilianer zusammen schreiben und Unterlagen benutzen und die Aufgaben waren trotzdem unlösbar für uns, aber wir ruhen uns jetzt einfach mal auf dem Ausländerbonus aus, die denken wahrscheinlich sowieso alle, dass wir dumm sind. Wir haben "Eat, Pray, Love" geschaut und der Film hat mich irgendwie zum Nachdenken gebracht. Jetzt bin ich schon seit 3 Monaten hier, das heißt der erste Teil des ganzen Auslandsaufenthaltes ist fast vorbei und langsam bekomm ich Panik, dass ich hier nicht mehr alles schaffe, was ich noch machen wollte oder nicht mehr alles sehe, was ich noch sehen wollte. Das Semester ist Anfang Dezember zu Ende und dann ist eigentlich auch schon die Zeit hier in Fortaleza um und das ist mittlerweile doch sehr schade. Aber das ist natürlich kein Grund zum Trübsal blasen, sondern eher zum Zeit intensiver nutzen und alles mitnehmen was kommt! Das hab ich auch gleich versucht in die Tat umzusetzen. Heute waren die Leute aus Ubajara bei uns zum großen Pfannkuchen-Essen und danach wollten sie auf den Beira Mar Markt, den ich ja mittlerweile nicht mehr sehen kann, aber ich bin einfach trotzdem mitgegangen und es war total witzig.
Oh, mir fällt gerade noch etwas über Brasilien ein, was ich noch nicht erwähnt habe. Wenn es hier zu Streiks kommt, dann kann das gut und gerne auch mal mehrere Wochen dauern. Diesen Monat haben zum Beispiel die Banken über 2 Wochen gestreikt. Da hingen einfach Schilder mit "Estamos em Greve" (Wir sind im Streik) an den Fenstern und man konnte nur die Geldautomaten benutzen und selbst die nur zu bestimmten Zeiten. Ich mein mir ist das egal, außer das ich zweimal für umsonst hingelaufen bin, aber wenn man wirklich mal was hat und über 2 Wochen warten muss, dann finde ich, ist das schon eine lange Zeit.
So viel von mir, dieses Mal ohne Bilder. In 5 Stunden bis Sonntag kommt uns Esther besuchen und dann kommt nächste Woche auch wieder ein bisschen mehr! ;-)

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Aktiv-Urlaub in Ubajara

So, hier nun endlich der Wochenendbericht.
Nachdem Cathleen uns letzte Woche gesagt hat, dass sie an ihrem Geburtstag nicht in Fortaleza sein wird, haben Vani und ich auch ganz spontan entschlossen wegzufahren. Das war anfänglich sogar so spontan, dass wir fast keine Unterkunft mehr bekommen hätten. Wir mussten dann in einer Pousada (Hostel) anrufen und 6 Minuten haben mein komplettes Guthaben leer gemacht, 6 Euro einfach so weg. Aber es hat sich ja gelohnt.
Also stand unserem Trip nach Ubajara nichts mehr im Weg. Samstagmorgen halb 7 haben wir uns auch schon mit Manuel, Peter, Cindy 2 und Mara am Busbahnhof getroffen und uns auf den Weg ins Landesinnere, in die Berge gemacht. Ich find es ja immer wieder schade, dass ich generell immer in Fahrzeugen schlafen muss, hier kann man irgendwie immer so viel sehen, wenn man wach bleibt, aber leider schaffe ich das nie lange. Es ist aber echt erstaunlich wie die Menschen hier so im Hinterland leben, so abgeschottet und völlig für sich, das ist einfach so unvorstellbar für uns Europäer. Nach der fast 8-stündigen Fahrt sind wir irgendwo im nirgendwo angekommen. Am Busbahnhof in Ubajara gab es wirklich nichts außer 2 Taxis, die uns schon sehnsüchtig erwartet haben. Vani und ich sind dann auf gut Glück mit zur Pousada der anderen gefahren, in der Hoffnung, dass wir vielleicht auch dort unterkommen können und das hat auch geklappt. Im „Sitio do Alemão“ wurden wir von dem deutschen Besitzer Herbert begrüßt und es gab absolut keine Probleme. Vani und ich haben uns einfach eine Hütte mit Manuel geteilt und das hat gepasst. Die Pousada war mitten im Wald und total abgeschottet, also mussten wir erst mal fast 2 Kilometer laufen um ein Restaurant zu finden. Als wir dann wieder bei Herbert waren, war es erst um 6 und wir wussten nichts mehr so recht mit uns anzufangen. Also haben wir uns eine Taschenlampe geliehen und eine Nachtwanderung gemacht. Das war echt so witzig, wie auf Klassenfahrt in der 4. Klasse. :-) Der Weg hat sich allerdings gelohnt, denn wir sind an einem echt schönen Aussichtspunkt rausgekommen und hatten einen Blick über das komplette Tal. Den Rest des Abends haben wir dann ganz old school mit Karten spielen verbracht.
Sonntagmorgen sind wir recht früh aufgestanden um uns nach einem super leckerem Frühstück (mit selbstgemachtem Brot) auf den Weg zum Parque Nacional de Ubajara zu machen. Dort haben wir dann eine 5-stündige Wanderung durch den Wald gemacht. Auf und ab, an Aussichtspunkten vorbei, Wasserfälle gesehen und zum ersten Mal Affen in freier Natur beobachtet. Das letzte Stück ging dann nur noch steil bergauf, aber dafür wurden wir mit einer tollen Höhle belohnt. Eine Seilbahn hat uns dann wieder ganz nach oben gebracht und dann haben wir endlich unsere hochverdiente Eispause gemacht. Das hat aber nicht gereicht und wir haben beschlossen gleich noch richtig essen zu gehen. Gegen halb 5 waren wir dann im Restaurant und dort saßen wir auch ewig, denn was anderes gab es ja nicht zu tun. Der Rückweg war auch wieder lustig, denn es war stockdunkel und nur die Sterne haben uns den Weg geleuchtet. :-) Beendet wurde der Tag dann mit einer Frosch-Dusche, es waren einfach so viele Frösche in der Dusche, dass es keinen Sinn gemacht hätte alle zu verjagen.
Montagmorgen haben wir uns dann mit Herbert und 2 Brasilianern getroffen, denn Herbert wollte uns mit auf einen Ausflug zu einem anderen Wasserfall „Cachoeira do Frade“ nehmen. Wir haben erst kurz bei einem Staudamm gehalten, der hieß auch wieder „O Alemão“ und danach haben wir unsere nächste Wanderung begonnen. Wir hatten alle keine Ahnung was uns erwartet, aber Herbert hat gesagt, dass wir ungefähr einen Kilometer gehen müssen. Dass daraus viel mehr und sogar eine richtige Klettertour wird konnten wir ja nicht ahnen. Das erste Stück war auch noch relativ angenehm, aber irgendwann sind wir auf so engen Pfaden lang gelaufen, dass die ganzen Beine zerkratzt wurden. Dann mussten wir auch noch durch Wasser und schon waren die Schuhe nass. Nachdem wir dann ein bisschen geklettert sind haben wir die erste Badepause im Wasserfall gemacht. Das war einfach echt traumhaft, denn dort waren absolut keine Menschen, weit und breit. Am Tag zu vor waren wir in einer großen Touri-Truppe, aber da war wirklich die ganze Zeit niemand außer uns und das war super. Nach der ersten Pause wurde die Klettertour aber auch immer extremer. Irgendwann mussten wir uns an Lianen eine Felswand herunter hangeln und dann kurz vor Schluss war auch ich am Ende meiner Kräfte und hab schon Stoßgebete zum Himmel geschickt. Das letzte Stück ging einfach 90° abwärts und Herbert hat uns vorher auch noch so eine schöne Geschichte erzählt, dass da vor 2 Wochen jemand abgestürzt ist, sich ein Bein und einen Arm gebrochen und eine Gehirnerschütterung zugezogen hat. Es hat einen ganzen Tag gedauert bis Hilfe dorthin kam und dann kam auch noch die Feuerwehr und der Verletzte wurde irgendwie mit einer Trage da wieder hochgehievt, ich hab keinen Schimmer wie, aber es hat wohl geklappt. Also haben wir Mädels alle protestiert, aber dann hab ich mir einen Ruck gegeben und bis auf die 2 Brasilianer, die aufgegeben haben, haben wir alle das letzte Stück gemeistert. Und wir sollten belohnt werden. Wir sind dann noch hinter den Wasserfall geklettert und haben einfach den Frieden auf Erden gefunden. :-) So wirklich entspannen konnte ich mich aber leider nicht, denn der Rückweg hat mir noch immer Sorgen gemacht. Aber der war dann nur halb so schlimm und obwohl es die ganze Zeit nur bergauf ging, ging es ganz schnell und das aufregende Abenteuer war schon wieder vorbei. Das Ganze hat auch wieder 4 oder 5 Stunden gedauert und wir brauchten auf jeden Fall direkt wieder eine Stärkung in unserem Stammrestaurant „Maria Bonita“. Der letzte Abend wurde auch wieder mit diversen Kartenspielen verbracht und am Dienstagmorgen mussten wir uns halb 8 leider schon wieder verabschieden.
Alles in allem war das aber echt ein super Trip, den ich jederzeit jedem empfehlen würde. Es war einfach mal wieder schön etwas anderes als Strand zu sehen und sich ein wenig zu bewegen. Der Muskelkater und die völlig durchnässten, stinkenden, neuen Schuhe waren auf jeden Fall alles wert. Und morgens und abends war es dort sogar so „kalt“, dass man lange Sachen brauchte, endlich mal wieder. Also, eine super angenehme Abwechslung und die Generalprobe für den Amazonas mit Bravour gemeistert!

Freitag, 8. Oktober 2010

Einmal Krankenhaus brasilianisch

So, nach langer Pause heißt es dieses Mal wohl eher was habe ich verpasst als was habe ich erlebt. Vor fast 2 Wochen hab ich mir irgendwas eingefangen und so richtig los bin ich es immernoch nicht. Montag vor einer Woche hatte ich abends auf einmal Schüttelfrost und Gliederschmerzen. Ich sag euch, Schüttelfrost macht hier so gar keinen Sinn und es ist vor allem auch nicht einfach sich zu wärmen, wenn man noch nicht einmal eine richtige Bettdecke hat. Da hab ich mir zum ersten Mal gewünscht, ich hätte mir eine lange Schlafhose mitgenommen. :-) Naja, Essen konnte ich ab da auch nicht mehr behalten und das hielt dann irgendwie bis Freitag an und nachdem ich dann fast eine Woche im Bett lag, bin ich verzweifelt und hab mich entschieden doch endlich zum Arzt zu fahren. Guilherme hat mich dann gleich ins Krankenhaus gebracht und ich hatte echt Angst dort bleiben zu müssen, aber das musste ich zum Glück nicht. Schon der Geruch dort ist total anders als bei uns. Dann sind wir zur Notaufnahme gegangen und durften erstmal ewig warten. Der Arzt hat Blutdruck gemessen, einmal in die Augen und auf die Zunge geschaut und ein wenig auf dem Bauch rumgedrückt und das wars. Ergebnis: viel Gatorade trinken und Antibiotika nehmen. Und das hat mich 75€ gekostet. Das Antibiotikum sollte 100€ kosten, aber da hab ich mich dann doch lieber für die günstigere Variante entschieden. Samstag ging es mir dann auch endlich besser und Sonntagabend hab ich nach fast einer Woche endlich mal wieder das Haus verlassen.
Wir hatten nämlich auch Besuch aus Salvador, Michelli war von Donnerstag bis Dienstag bei uns und ich konnte leider fast die ganze Zeit nichts mit ihr machen. Sonntagabend war ich dann aber mit ihr bei uns auf dem Markt. Das war echt ein Akt. Ich weiß nicht wie lange genau, aber für mich zu lange, sind wir da rumgelaufen und sie hat ihr Geld auf den Kopf gehauen. Meine Energie hat dafür noch nicht ganz gereicht, also hab ich mich am Ende eigentlich nur noch von Bank zu Bank bewegt.
Im Moment ist hier auch die erste Klausurenphase und Montag haben wir Marketing geschrieben, d.h. dafür musste Sonntag auch noch ein bisschen was getan werden. Es kamen unter anderem Richtig-oder-Falsch-Aufgaben dran, was in einer anderen Sprache irgendwie nicht sooo leicht ist. Dafür sollte man ja schon jedes Wort genau verstehen. Naja, mal schauen welches Ergebnis dabei am Ende rauskommt. Nach der Uni wollten Vani und ich dann noch mit Michelli an den Praia do Futuro und dafür wollten wir uns mit ihr an einer zentralen Bushaltestelle treffen. Mit 2 Stunden Verspätung ist sie dann auch endlich eingetroffen... Am Strand an sich hatten wir dann nicht mehr so viel Zeit, aber schön war es trotzdem. Am Wochenende ist es dort ja immer übertrieben voll, aber dafür ist in der Woche gar nichts los, sehr angenehm. Als wir wieder zurückfahren wollten, haben wir anscheinend an einer "Fake-Haltestelle" gewartet, denn 2 Busse sind einfach an uns vorbei gefahren und ich hab schon wieder nur geflucht. Aber als wir dann am Straßenrand weiter gelaufen sind, kam ein dritter Bus und der hat uns sogar angehupt und dann mitgenommen. Alle Flüche also wieder aufgehoben! :-) Ja, das war dann aber leider auch alles was ich mit Michelli machen konnte.
Ansonsten gibt es auch nicht wirklich viel zu erzählen. Am Donnerstag musste ich noch eine Klausur nachschreiben, das war auch der Lacher, denn nebenher wurde normaler Unterricht gemacht. Also ich versteh ja sowieso nicht, was die da reden, aber als Brasilianer hätte mich das schon irgendwie genervt.
Vor 2 Wochen waren wir auf einer Bootparty. Das war eigentlich auch ganz cool, wenn auch alles mal wieder typisch brasilianisch. Um 9 sollten wir da sein, weil das Boot um 10 losfahren sollte. Selbst als wir halb 10 dort angekommen sind, war noch fast niemand da. Die Organisatorin kam dann irgendwann gegen 11, sodass wir halb 12 auch endlich alle auf dem Boot waren. Wir konnten aber auch nicht direkt auf das Boot gehen, sondern mussten erstmal auf so eine Art kleines Floß...total witzig. Auf dem Boot und der Party an sich war es dann auch echt gut, auch wenn man durch die Wellen nicht wirklich tanzen konnte, aber dafür hatte man einen super Blick auf die Stadt.
So, dieses Wochenende ist mal wieder ein langes und es ist auch schon etwas geplant, aber mehr dazu dann wahrscheinlich nächste Woche!
Heute gehen ganz besonders liebe Grüße an das fast-Geburtstagskind! Ich denk an dich, Mama! :-)

Dienstag, 21. September 2010

Fazit - Zwei Monate Brasilien

Kaum zu glauben, aber wahr. Nun bin ich schon 2 Monate weg und es fühlt sich absolut nicht so lange an. Ich muss sagen der zweite Monat verging für mich noch viel schneller als der sowieso schon rasende berühmte erste Monate. Eigentlich gibt es auch nicht viel Neues zu berichten. Alle Eigenheiten der Brasilianer wurden im ersten Monat entdeckt und haben sich nicht weiterentwickelt, die Sonne scheint immer noch und auch nach 2 Monaten hat es noch nicht ein einziges Mal geregnet. Ich will mich ja gar nicht über das traumhafte Wetter beschweren, aber auf einen Regentanz hätte ich mittlerweile auch mal wieder Lust. Hihi
Das Gefühl des Dauerurlaubs ist mittlerweile auch verschwunden. Obwohl wir nicht wirklich viel zu tun haben, hat sich doch ein bisschen der Alltag eingeschlichen. Wir stehen jeden Morgen 20 vor 7 auf, werden (zum Glück immer noch) gegen halb 8 von Guilherme abgeholt und fahren zur Uni. Gegen 12 sind wir meistens wieder zu Hause und bis auf Dienstag und Donnerstag, wo ich abends nochmal zur Uni muss, wird der Rest des Tages meist irgendwie rumgegammelt. Freitags hören wir uns dann mal langsam um, was am Wochenende so passiert, denn geplant wird ja nichts, das haben wir mittlerweile gelernt.
Die erste Klausur haben wir heute auch geschrieben, wenn man es überhaupt Klausur nennen darf. Wir durften auf Deutsch schreiben und hatten eigentlich die komplette Zeit die Möglichkeit aus unseren Unterlagen abzuschreiben. Der Professor hat uns vorher schon versprochen, dass wir uns keine Sorgen machen müssen und einfach irgendwas aufschreiben sollen, also sind wir mal gespannt was dabei rauskommt.
So viel zum Fazit, und jetzt noch ein paar Worte zu den letzen Wochen, in denen ich mal wieder ein bisschen schreibfaul war. Wobei ich sagen muss, dass vorletztes Wochenende auch nicht wirklich viel passiert ist. Donnerstag waren wir mal wieder im Orbitá und Sonntag wollte ich zum Fußball und mir FC Santos anschauen, aber da wurde mal wieder eine Stunde vorher abgesagt.
Letzte Woche hab ich einen ganzen Tag, bis zu meiner Abendvorlesung, einfach nur mit Sina in der Uni geschnackt. Mittwoch waren wir dann im Kino und haben „Amor a Distancia“ geschaut. Das war auch schon wieder so ein mittleres Abenteuer. Nach der Uni hat uns zum Glück Luiz (war auch in Bremen) mit zum Iguatemi-Shoppingcenter genommen, aber dadurch wussten wir natürlich gar nicht welchen Bus wir nach Hause nehmen müssen. Vani und ich sind dann einfach auf gut Glück in einen gestiegen wo wir auf jeden Fall wussten, dass er zu uns fährt. Dummerweise war das nur die falsche Richtung. Also sind wir in den auf der gegenüberliegenden Seite gestiegen und der hat uns auf gruseligen Umwegen tatsächlich nach Hause gebracht. Die Stadtteile, durch die wir gefahren sind, wurden immer skurriler. Ganz schlimm war es als auf einmal total viele Menschen auf den Straßen waren, man die Favela auf dem Berg gesehen hat und es links neben uns einfach so gebrannt hat. Das klingt jetzt vielleicht schlimmer als es wirklich war, aber in dem Moment hatten wir ausnahmsweise auch mal ein bisschen Respekt.
Donnerstagabend nach meiner Vorlesung, hab ich mich an der Uni mit den Jungs, die mit uns in Jericoacoara waren getroffen und wir sind dann zusammen in unser Viertel gefahren, haben Vanessa und Cathleen im Restaurant getroffen und uns mal wieder ein ordentliches Rodizio gegönnt. Danach wollten wir den Jungs noch unseren Markt zeigen, da haben sie nur leider schon abgebaut, also sind wir noch auf einen Caipi in eine Strandbar gegangen. Der erste Donnerstag seit langem ohne Orbitá, aber mindestens genauso gut. Freitagabend wollten wir eigentlich irgendwas mit dem lieben Bruno (hallo! ^^) machen, aber er war leider krank. Zum Glück sind Brasilianer aber so spontan: Nachmittag hat Guilherme angerufen und uns zu einer Party bei sich zu Hause eingeladen. Dort bin ich dann auch mit Vani hingegangen und es war echt super. Es waren total viele Leute da, die wir auch kannten und es gab lecker Käseplatten, Salami und Brot. All so Sachen, die ich das letzte Mal wohl in Deutschland gegessen habe. Irgendwann gegen 4 hat Guilherme seine Gitarre rausgeholt und wir haben noch alle möglichen Lieder geträllert. Das war echt witzig, aber irgendwann wollten Vani und ich dann doch langsam nach Hause. Als wir das angekündigt haben, wurde uns sogar noch die Fahrt nach Hause angeboten. Super!
Samstagmorgen, nach nur sehr wenig Schlaf, hat es dann mal wieder an der Tür geklingelt und von unten kamen auf einmal „Cindy-Rufe“. Es war Sina, weil wir zum Strand wollten. Seit langem hieß es mal wieder „Praia do Futuro“, an Tischen sitzen, reden und trinken. 2 von den Jeri Jungs waren auch wieder mit dabei und es war ein sehr entspannter Tag. Abends kamen noch Fabio und seine Freundin vorbei. Wir dachten eigentlich, dass wir zusammen kochen, aber die beiden haben alles schon fertig mitgebracht…sollte uns recht sein. Danach haben wir noch einen brasilianischen Film (Linha de Passe) geschaut und die beiden sind wieder gegangen.
Sonntag hieß es dann ausnahmsweise mal den ganzen Tag: UNI und nun ist schon wieder die Hälfte unserer Uni-Woche um, das heißt fast wieder Wochenende und fast wieder Zeit für einen neuen
Bericht! :-)

Dienstag, 7. September 2010

Jericoacoara - Erlebnis & Entspannung

Am Freitag war es endlich so weit: Vani und ich haben das erste lange Wochenende genutzt und sind auf unsere erste Reise hier in Brasilien gegangen. Ziel: das circa 350 Kilometer entfernte Jericoacoara, laut Washington Post einer der zehn schönsten Strände der Welt.
Freitagmorgen gegen 9 haben wir uns auf den Weg zum Rodoviaria gemacht. Ein Rodoviaria ist ein Busbahnhof, den es in jeder größeren Stadt gibt und von wo aus man auch eigentlich überall hingelangt. Dort angekommen wurden wir schon von den anderen erwartet. Zu den anderen gehören Peter (München), Bernd, Christoph, Cindy, Manuel, Mareike, Mirko und Moritz (Köln) und Daniel aus Fortaleza. Wir waren also eine große, deutschsprachige Tourigruppe ^^. Wir mussten dann noch ein bisschen auf den Bus warten, aber als er endlich kam, war ich wirklich begeistert. Ich habe mit dem Schlimmsten gerechnet, denn warum sollten Reisebusse viel besser sein als normale, und am Ende war es der bequemste Bus, mit dem ich jemals gereist bin. Nach einer circa 5 stündigen Fahrt durch das Hinterland von Ceará (Bundesstaat) sind wir in Jijoca angekommen und dort mussten wir in einen kleineren Bus mit Allradantrieb umsteigen, da keine geteerten Straßen nach Jericoacoara führen, sondern nur Sandwege. Also sind wir schon fast bei Sonnenuntergang am Strand entlang und durch die Dünenlandschaft gefahren - traumhaft. Schon da wusste ich, dass was auch immer uns erwartet, es einfach toll sein muss. In Jericoacoara angekommen, war es fast schon dunkel, aber der Ort schien schon auf den ersten Blick total gemütlich zu sein. Es gibt dort keine geteerten Straßen, überall ist richtig feiner Sand, sogar in manchen Geschäften, wie in einem großen Sandkasten. Wir sind dann allerdings erstmal alle zu unseren Hostels gegangen (Cindy, Peter, Manuel, Mareike und Daniel waren in einem anderen als die Jungs und wir). Das Hostel war auch total super, das Zimmer vielleicht ein bisschen zu klein, aber wir waren ja auch nur zum Schlafen dort und dafür gab es beim Frühstück (was auch super lecker war) einen schönen Blick zum Meer und zur Düne.
Ein bisschen später haben wir uns dann alle wieder getroffen und sind ein wenig durch den Ort gelaufen. Gegessen haben wir bei einem Italiener und danach sind wir noch zum Strand gegangen. Dort waren jeden Abend ganz viele kleine Cocktail-Stände aufgebaut. Die Cocktails waren richtig lecker, wurden immer mit frischen Früchten bereitet und waren super günstig. An dem Abend zum Beispiel haben wir 9 Caipi für R$ 20, also circa für 8,50 Euro bekommen. Mit unseren Getränken ausgestattet haben wir uns dann in den Sand gesetzt und die Sterne beobachtet. Die waren wirklich so nah, als hätte man sie anfassen können und ich hab sogar 2 Sternschnuppen gesehen. Danach wollten wir eigentlich noch zu einer „Aftersun Party“, aber da waren kaum Leute und dann war uns das irgendwie doch nichts.
Samstagmorgen haben Vani und ich erstmal ausgiebig mit den Jungs gefrühstückt und danach haben wir uns mit den anderen am Strand getroffen. Ich muss ehrlich zugeben, ich war anfangs ein bisschen enttäuscht von dem Strand, wenn es einer der tollsten sein sollte, aber Vani und ich sind dann noch ein wenig spazieren gegangen und wurden belohnt mit menschenleeren und kilometerlangen Traumstränden, da wir aber noch zu einem Fels – Pedra Furada – wollten, den man vorher auf jedem Foto gesehen hat, sind wir relativ schnell wieder zurück gegangen. Gegen 2 sind wir also alle zusammen aufgebrochen um den Fels zu suchen. Nachdem wir ca. 20 Minuten mit extremem Gegenwind den Strand weiter entlang gelaufen sind, standen wir vor einem recht steilen Berg, der zu erklimmen war. Hier haben Cindy und Mareike sich dann schon verabschiedet und sind umgedreht. Es war auch wirklich kein Zuckerschlecken dort hoch zu kommen. Der ganze Weg war feiner und heißer Sand, das heißt Flipflops mussten an bleiben, sind aber immer im Sand stecken geblieben. Hier hab ich dann zum ersten Mal gemerkt, dass ich eindeutig die falschen Schuhe anhabe, es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich das festgestellt habe… Oben angekommen wurden wir allerdings mit einer traumhaften Aussicht belohnt: weit und breit nur Sanddünen, das Meer und Felsen…toll. Allerdings noch keine Spur von dem Fels mit Loch. Also sind wir weiter gelaufen, nach einer Weile auf und ab, haben uns dann auch Moritz und Mirko verlassen und sind umgedreht. Als wir in einem Kakteenwald angekommen sind, haben wir Peter und Manuel verloren, weil sie zu viele Fotos gemacht haben. Also blieben nur noch Vani, Bernd, Christoph, Daniel und ich. Wir hatten keinen Schluck Wasser mehr und der Weg schien kein Ende zu nehmen. Es ging weiter auf und ab, über Stock und Stein, und nach jeder Düne stieg die Hoffnung, dass dahinter der Fels auf uns wartet…leider nicht. Irgendwann wollten wir dann auch umdrehen, aber wir haben mitten im Nirgendwo einen Kitesurfer getroffen, der uns gesagt hat, dass wir gleich da sind. Na ok! Das letzte Stück wollten wir dann direkt am Strand lang laufen, aber da waren natürlich auch Felsen, es wurde immer abenteuerlicher, als wir da dann auch noch irgendwie mit unseren Flipflops langgeklettert sind, aber wir sollten belohnt werden. Nach einer ca. 2 stündigen Wanderung hatten wir den Fels endlich erreicht. Und wer war auch da? Peter und Manuel…sie haben wohl eine Abkürzung gefunden…na toll! Nachdem die üblichen Beweisfotos geschossen wurden und wir die Aussicht noch ein wenig genossen hatten, haben wir uns auf den Rückweg gemacht, aber die Abkürzung! Die Abkürzung führte tatsächlich innerhalb von 20 Minuten, direkt und ohne Auf und Ab nach Jeri zurück! Und wir haben uns schon gewundert, warum wir auf der anderen Strecke keine Menschenseele getroffen haben… Die Wanderung hat sich aber definitiv gelohnt, die Ausblicke waren einfach super schön.
Im Dorf angekommen sind wir wieder zum Strand gegangen um den berühmten Sonnenuntergang von der Pôr-de-Sol Düne zu schauen. Dort waren tatsächlich so viele Menschen, als wär das halbe Dorf versammelt und als die Sonne weg war, haben alle geklatscht…interessant! Danach gab es noch eine Capoeira Vorführung, die wir uns auch angeschaut haben. Capoeira ist ein sehr beliebter brasilianischer Kampftanz, den man teilweise auch in Deutschland lernen kann. Das war auch cool und hat so richtig das Urlaubsfeeling rüber geweckt. Abends haben wir bei einem Pizza Rodizio gegessen, was so schlecht war, wie noch nie, aber naja. Wir waren dann wieder bei den Cocktail Ständen und haben uns an ein Lagerfeuer am Strand gesetzt und die Kühle der Nacht genossen.
Am nächsten Morgen haben die Jungs uns verlassen, weil sie auf einem Geburtstag eingeladen waren. Die anderen haben Vani und ich nicht gefunden, also sind wir allein an den Strand gegangen und haben uns die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Gegen 4 sind wir dann ein bisschen schlenkern gegangen und haben uns im Café Brasil einen Sandwich gegönnt. Der war sooo lecker, da hat Lonely Planet wirklich eine gute Empfehlung abgegeben. Zum Sonnenuntergang sind wir mit ein paar süßen Leckereien wieder zum Strand gegangen und Capoeira haben wir uns auch wieder angeschaut. Dort haben wir dann auch die anderen getroffen, mit denen wir uns für später zum Essen verabredet haben. Nachdem wir ein bisschen geschaut haben, wo wir essen könnten, haben wir uns für Fisch entschieden. In dem Restaurant musste man sich zuerst den Fisch aussuchen, den man wollte und dann wurde er frisch gegrillt, es war lecker, aber ich hab schon besseres gegessen…vor allem an den Shrimps hat so ein bisschen Knoblauch gefehlt ^^.
Am letzten Tag, Montag, haben wir uns zusammen mit den anderen für eine Tour angemeldet. Los ging es morgens um 10 mit einem Pick Up. Wir Mädels durften zum Glück drin sitzen und die Jungs saßen auf der Ladefläche. Bevor wir aber überhaupt richtig los konnten, mussten wir erst mal tanken. Natürlich gibt es in Jeri keine Tankstelle, also sind wir von einem Haus zum anderen gefahren und haben dort nach Diesel gefragt…schon mal sehr interessant. Dann hat der Fahrer Diesel auftreiben können und als wir weiter fahren wollten, ist das Auto nicht mehr angesprungen. Also alle raus und die Jungs durften schieben und alle wieder rein. Das war echt der Lacher. War ja ganz witzig, dass es da nicht angesprungen ist, aber was machen wir bitte wenn es irgendwann später nicht mehr anspringt? Naja, erst mal egal und los. Es ging die ganze Zeit durch Dünen und am Strand entlang, ich hab keine Ahnung, wie der Fahrer den Weg gefunden hat, aber es hat funktioniert.
Der erste Stopp war an einem kleinen Tümpel, dort hätten wir für R$ 10 Boot fahren und Seepferdchen beobachten können, wollten wir aber nicht. Also sind wir weiter gefahren zu einer großen Düne und dort konnten wir dann Sandboarden – also so wie Snowboarden nur im Sand. Da hatte ich auch wirklich Lust zu, aber der Wind war so doll und hat mir die ganze Zeit Sand in die Augen geweht, dass ich verzichten musste. Die Jungs haben es alle probiert, aber keiner hat es geschafft. ^^ Nachdem wir eine weitere halbe Stunde gefahren sind, kam das nächste Highlight: eine Autofähre. Auf dem Foto könnte ihr so ein Ding sehen, um drauf zu kommen, wurden 2 Holzbretter als Rampe genutzt und dann nichts wie los. Das war echt ein Abenteuer. Auf der anderen Seite haben wir dann beobachtet wie ein Auto stecken geblieben ist und ein anderes krampfhaft versucht hat, es herauszuziehen... bis das Seil gerissen ist! Als nächstes hat es uns durch eine Art Wald geführt, wo die Wurzeln der Bäume vom Wasser schon komplett frei gespült wurden. Das war auch wieder so eng und sandig, dass man eigentlich die ganze Zeit mit der Angst leben musste selbst stecken zu bleiben. Als überraschend Gegenverkehr vor uns aufgetaucht ist, wusste unser Fahrer allerdings auch nicht so recht weiter, also mussten wir warten bis der andere zurück gefahren ist… Aber am Ende hat sich die ganze Fahrt wirklich gelohnt, denn wir sind an der Lagoa Torta, einer total schönen Lagune, raus gekommen. Eigentlich war die total verlassen, aber da waren so viele Menschen, das war fast schon wieder schade. Man konnte dort frischen Fisch essen und im Wasser in der Hängematte entspannen…sooo schön. Gegen 2 mussten wir uns dann leider wieder vom Paradies auf Erden verabschieden und zurück fahren, weil die Wellen stärker worden. Zum Glück ist der Motor beim ersten Mal angesprungen, schon mal eine Sorge weniger. Die Wellen waren wirklich schon höher und die Angst irgendwo stecken zu bleiben stieg. Wieder an der Autofähre angekommen, mussten wir richtig lange warten bis wir dran waren, das heißt uns blieb mehr Zeit alle anderen zu beobachten. Die Wellen waren stark und die Männer hatten echt zu kämpfen, die Autos wieder rüber zu kriegen. Naja irgendwann waren wir dann auch dran und auch fast am Ziel, aber dann wollte unser Fahrer dort nicht raus gelassen werden, weil andere Autos stecken geblieben sind. Also mussten die armen Fährmänner noch härter arbeiten und uns gegen die Strömung an eine andere Stelle bringen. Dort angekommen, wollten wir gerade von der Fähre runter fahren, als der Motor ausgegangen ist… Oh nein! Uns war glaub ich allen der Schock ins Gesicht geschrieben und der Fahrer ist ausgerastet, hat geschrien und auf das Lenkrad geschlagen. Er hat versucht das Auto wieder anzumachen, das erste Mal: ging nicht, das zweite Mal: ging! Oh man, das war vielleicht eine Schrecksekunde. Er ist dann auch nur noch von der Fähre runtergefahren und losgedüst. Dabei ist er wohl auch nicht ganz auf den Holzbrettern gefahren und hat den Hinterreifen irgendwie platt gekriegt. Es gab dann noch mehrere Momente wo wir uns nicht sicher waren, ob das Wasser jetzt schon zu tief oder der Weg zu schlammig war, aber am Ende sind wir gut wieder zu Hause angekommen. So ein Abenteuer…
Wieder im Dorf angekommen, haben uns die Jungs auch schon erwartet. Wir waren dann mal wieder Tapioka essen und am Strand zum letzten Mal den Sonnenuntergang beobachten und beim Capoeira zuschauen. Zum Essen gab es ein letztes Mal ein super leckeres Pizza Rodizio mit Langusten Pizza und Schokoladen Pizza mit Erdbeeren und so leckeren Sachen, später zum letzten Mal Cocktails, Strand und Lagerfeuer.
Heute Morgen hätten wir dann fast verschlafen, aber die Jungs haben uns zum Glück geweckt, also konnten wir ein letztes Mal lecker frühstücken und um 8 mussten wir Jeri schon wieder verlassen. Die Fahrt war ziemlich entspannt, ich hab 3 Stunden komplett durchgeschlafen und noch nicht einmal bemerkt, dass im Bus sogar „Keinohrhasen“ auf Portugiesisch gezeigt wurde.
Also alles in allem war das ein perfekter Kurztrip und wenn ich die Zeit finde, werde ich auf jeden Fall nochmal hin fahren. Jericoacoara ist der friedlichste Ort, an dem ich bisher war.
Heute ist hier auch Nationalfeiertag, aber bis auf ein paar wenige, kleine Feuerwerke und viel zu viele Menschen auf unserer Jogging-Strecke merkt man davon nicht viel.
Die allerliebsten
Grüße! xxx

Montag, 30. August 2010

Erstes Mal... abends weg, Fußball & Kino

Und schon wieder ist über eine Woche vergangen und viele Sachen sind passiert. Wir waren endlich zum ersten Mal feiern, zum ersten Mal beim Fußball und werden mehr und mehr an die brasilianische Lebensweise herangeführt, kurz: langsam aber sicher tritt der Alltag ein.
Donnerstag vor einer Woche waren wir zu Barbaras Geburtstagsparty im Orbitá eingeladen. Das Orbitá ist die wohl beliebteste Disco hier in der Stadt, wo meistens Live Musik gespielt wird. Dort trifft man wirklich jeden, selbst wir konnten an jeder Ecke ein bekanntes Gesicht begrüßen. Was besonders witzig ist, ist das System wie man seine Getränke bekommt. Man stellt sich erst in einer Schlange an um die Sachen zu bestellen und zu bezahlen, die man haben möchte, und danach geht man zur Bar und gibt dem Barkeeper den Bon. Ich bin mir nicht sicher ob das wirklich effektiver ist als bei uns. Die Bars sind zwar dadurch echt immer leer, aber solange man sich nicht ganz am Anfang überlegt was man über den Abend verteilt so trinken möchte, muss man sich eben in der anderen Schlange anstellen. Das Orbitá hat uns auf jeden Fall echt gut gefallen, sodass wir diese Woche gleich wieder hingegangen sind. Die Schwester von Italo hat mich dann auch einem Barkeeper vorgestellt (auf seinen Wunsch hin…) und dann gab es auch irgendwelche Sachen für nix. Vielleicht ist es manchmal, doch nicht so schlecht aufzufallen ^^.
Letzten Samstag waren wir dann eigentlich zu Douglas‘ Abschiedsparty eingeladen und wollten zum Fußball gehen. Am Abend davor hat er uns dann mal gesagt, dass es um 11 mittags losgeht und er noch wen finden muss, der uns abholen kann. Samstagmorgen sind Vani und ich also extra früh aufgestanden um noch Schoki als Abschiedsgeschenk kaufen zu gehen. 10:30 Uhr ist er dann kurz bei Skype online gekommen um zu schreiben, dass er niemanden gefunden hat, der uns abholen kann und, dass wir uns bestimmt wann anders nochmal sehen. Zum Fußball wollten wir eigentlich auch mit ihm gehen, aber er hat sich dann tatsächlich gar nicht mehr gemeldet. Weiß der Geier warum. Jetzt ist er in Deutschland und ruft uns dauernd bei Skype an… Na ja, wir waren echt sauer und der Samstag war gelaufen. Abends waren wir essen (weil wir ja einmonatiges hatten) und dann noch in der Nähe der Uni in einer Bar mit allen Deutschen. Das war aber irgendwie nicht so spannend also haben wir beschlossen noch zu Guilherme zu gehen. Ihn haben wir bei Marketing kennengelernt und er wohnt ganz bei uns in der Nähe, unternimmt jetzt immer recht viel mit uns und holt uns morgen immer ab, d.h. wir müssen nicht mehr mit dem Bus fahren. Mal schauen wie lange er da noch Lust zu hat. Wir wollten eigentlich den letzten Bus nehmen und zu ihm fahren, aber wie die Brasilianer eben so sind, ist das ja „viel zu gefährlich“ und er hat uns abgeholt. Bei ihm war es echt nett, die haben dort tatsächlich nachts halb 2 angefangen Käse Fondue zu machen… immer diese Kulturunterschiede hihi.
Als wir dann morgens nach Hause gekommen sind, hab ich noch mit Kolja geskypt und dann hat es hier endlich nach einem Monat zum ersten Mal geregnet. Das war so aufregend, dass ich eigentlich ein Foto machen wollte, aber als ich die Kamera geholt habe, war es leider schon wieder vorbei. Dann ging der Strom auf einmal aus und von draußen kam es laut. Das bisschen Regen hat also tatsächlich einen Stromausfall ausgelöst und der Krach war der Notstromaggregator vom Haus gegenüber, zum Glück wurde es aber schon hell, also stand ich nicht ganz im Dunkeln.
Sonntagabend hatten wir ausgemacht mit Guilherme ins Kino zu gehen. Eine Stunde vorher hat er abgesagt… Blöde Brasilianer. Dabei hatten wir uns noch über die Sache von Samstag bei ihm beschwert. Der Abend schien also auch schon wieder gelaufen, bis er angerufen hat und meinte, dass er in 20 Minuten da ist. Wie gut, dass wir alle noch nicht geduscht hatten und noch in unseren Gammelklamotten waren… Im Kino sind wir dann zu spät angekommen und was ist passiert? Es gab keine Tickets mehr…oh Mann. Diese Lebensweise muss einem echt angeboren sein ^^. Ersatzweise sind wir dann einfach Eis essen gefahren.
Die Woche verlief soweit ganz normal. Mittwoch hatten wir kein Marketing und sind also nur für eine Vorlesung zur Uni gefahren und was ist passiert? Die ist natürlich auch ausgefallen. Wir waren schon wieder kurz davor uns aufzuregen, aber da wir zum Glück mit Guilherme und nicht eine Stunde sinnlos mit dem Bus gefahren sind, haben wir es einfach so hingenommen. Donnerstag sollten wir unserem komischen Dozenten aus wieder mit dem Studiengangsleiter von Economia reden, weil er ja deutsch spricht. Alles was er uns dann gesagt hat war, dass wir die „besten“ Schülerinnen sind und uns wirklich keine Gedanken machen müssen. Ich muss wahrscheinlich dazu sagen, dass das mit Abstand das dümmste Fach ist und wir einfach immer nur da sitzen und lächeln, aber gut zu wissen, dass wir schon mal eine Prüfung auf jeden Fall bestehen werden. Danach hat er uns witzigerweise noch auf den Geburtstag von einem Kollegen eingeladen. Also standen wir dann da im „Lehrerzimmer“ u.a. sogar mit dem Dekan und haben Kuchen gegessen und Cola getrunken. Ich glaube so etwas würde es in Deutschland wohl nie geben, aber da kam dann eben auch mal wieder der Ausländervorteil durch.
Freitag haben wir eigentlich nichts weiter gemacht, außer das wir abends essen waren. Wir waren beim Sushi all you can eat mit Fabio. Oh mann das war so richtig lecker. Ich glaub ich hab 30 Sushi Stücken gegessen und Nudeln und Nachtisch und lecker, lecker, lecker! :-)
Samstagmorgen hat es zum allerersten Mal bei uns an der Tür geklingelt. Vanessa ist an die Sprechanlage gegangen und hat irgendwie nicht mehr verstanden als das es für mich ist. Na prima, morgens halb 10, ich bin gerade aus dem Bett gekrochen, wer soll das denn bitte sein!?! Es war Augusto, Lucas Mitbewohner. Er war gerade in der Gegend und wollte einfach mal Hallo sagen. Das fand ich ja wirklich nett...
Später an diesem Samstag waren wir dann auch endlich und wirklich beim Fußball: erste Liga, Ceará gegen Grêmio Prudente zusammen mit Guilherme und seinem Bruder. Es war super endlich mal wieder im Stadion zu sein, aber von dem Besuch gibt es eigentlich nur negative Erkenntnisse. Es existieren keine Parkplätze (eher Felder), es gibt keinen Stadionsprecher, es gibt keine Leinwände (demnach auch keine Zeitanzeige), es gibt keine Absperrungen zwischen den Blöcken und es gibt keine Brezeln! Hihi! Die Sitze sind größtenteils kaputt und die noch ganz sind, sind total verdreckt. Also bis zur WM gibt es hier wirklich noch einiges zu tun. Vom brasilianischen Fußballzauber war während dem Spiel irgendwie auch nicht viel zu sehen, das Stadion war halbleer, aber die Stimmung war phasenweise echt super. Was es auch nicht gibt sind Frauentoiletten, ich hab zumindest nur immer Männer-Schilder gesehen. Aber was sie haben, ist so eine Art Golf-Auto, was immer auf das Feld fährt und die Verletzten einsammelt und was gefühlte 20mal zum Einsatz gekommen ist. Echt witzig.
Danach waren wir noch etwas essen und später waren nur Vani und ich mit den Jungs in einer Bar am Strand.
Gestern haben wir es dann nochmal mit Kino versucht. Beziehungsweise dachten wir erst wieder, dass es doch nichts wird, weil Guilherme sich nicht gemeldet hat, doch dann nach 7 kam endlich der Anruf. Er meinte, dass der Film um 9 losgeht und er uns viertel nach 8 abholt. Als er uns abgeholt hat, hat er auf einmal gemerkt, dass der Film schon halb 9 anfängt…ohne Kommentar. Wir sind dann zu einem anderen Kino gefahren und haben Karten für die erste Reihe bekommen… „The Origin“ Ein echt guter Film, und was hier im Kino auch toll ist, ist das die Filme auf Englisch sind mit portugiesischen Untertiteln. Dummerweise saßen wir zu weit vorn um die Untertitel lesen zu können ^^.
So viel erstmal wieder von mir…also warme Grüße ins kalte Deutschland!

Freitag, 20. August 2010

Fazit - Ein Monat Brasilien

So, der erste Monat ist geschafft und es ist Zeit für eine kleine Zusammenfassung der ersten Eindrücke und Beobachtungen.
Im Moment fühle ich mich immer noch wie im Dauerurlaub und wenn die restlichen Monate auch so schnell vergehen, dann bin ich ja fast übermorgen schon wieder am Flughafen in Leipzig, hihi. Mal im Ernst, der erste Monat war geprägt von einigen ups and downs - vom ganzen Organisationsstress am Anfang zur „großen“ Langeweile bevor die Uni losging und nun von Tagen, die viel zu kurz sind und eigentlich 36 und mehr Stunden haben müssten – aber ich glaube so hat sich alles ganz gut eingependelt. Jetzt muss es nur noch mit dem Portugiesisch besser werden und alles ist perfekt. Natürlich wär es perfekter, wenn noch ein paar wichtige Menschen hier wären, aber mit Vani und Cathleeni kann man es auch ganz gut aushalten. :-)
Ich werde jetzt einfach mal wirr und ohne Zusammenhang ein paar Sachen schreiben, die mir hier so an Land und Leuten aufgefallen sind. Angefangen beim großen Abenteuer Bus fahren. Also man sucht sich eine Bushaltestelle, die gern auch mal nur aus einem kleinen, leicht übersehbaren Schildchen besteht und dann wird gewartet. Gewartet wird deswegen, weil es einfach keinen Busplan, so wie wir ihn von zu Hause gewöhnt sind, gibt. Also starrt man die ganze Zeit in die Richtung, aus der der Bus dann irgendwann mal kommen müsste. Sich mit anderen Sachen, wie lesen, zu beschäftigen wäre äußerst verheerend, denn dann fährt der Bus mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Haltestelle vorbei. Gehalten wird nämlich nur, wenn jemand aussteigen will oder wenn man seinen Arm in die Luft streckt und wedelt. Dann springt man nicht vorn sondern hinten auf und sollte sich sofort ordentlich festhalten, denn es wird keine Rücksicht auf Verluste genommen und sobald der letzte Fuß im Bus ist, geht es los, egal ob die Tür noch offen ist oder nicht. Dann bezahlt man seine R$ 1,80 beim Kassierer und darf das Drehkreuz passieren. Nun muss man sich nur noch zu einem freien Sitz hangeln und man hat den ersten Teil überstanden, allerdings ist es sehr empfehlenswert sich trotzdem bei jeder Kurve gut festzuhalten, denn auch bei Kurven geht man hier nicht vom Gas. Die rasen wirklich durch die Straßen als geht es um Leben und Tod. Witzig ist nur ein Schild, was über dem Fahrer hängt „Seu filho tambem anda na rua“ (Dein Kind spielt auch auf der Straße), also sehr zu mögen scheinen die ihre Kinder nicht. Wenn man dann weiß, wo und wann man aussteigen möchte, sollte man sich frühestmöglich bereit machen, d.h. wieder von Stange zu Stange in Richtung Tür hangeln. Rote Knöpfen zum Halten gibt es eher selten, meist hängt einfach eine Schnur an der Decke, die dann eben auch nur die großen erreichen können. Haltestellen werden mit Höchstgeschwindigkeit angefahren, die Türen noch während der Fahrt aufgemacht und dann schnell abspringen… Ein sehr stressiges Verfahren.
In anderen Lebensbereichen, wo es vielleicht angebracht wäre schnell zu sein, sind Brasilianer allerdings eher langsam, zum Beispiel an Kassen in Supermärkten. Das ist mit Deutschland wirklich gar nicht vergleichbar, die sind sooo langsam. In Deutschland wird man total unter Druck gesetzt, wenn man nicht schnell genug seine Sachen einpackt und hier nimmt man sich die Zeit der Welt, man wird ja nun auch nicht mehr bezahlt, wenn man sich beeilt.
Das Brasilianer nicht wirklich pünktlich sind, ist ja nichts Neues, aber sogar in der Uni gibt es „Zeitfenster“. Generell geht eine Vorlesung immer 2 Zeitstunden, da ist die Verspätung allerdings schon einberechnet. Also es kann auch passieren, dass ein Dozent dann eben mal eine Stunde später kommt, aber dann ist das halt so. Ist nur ein bisschen doof, weil man dann schon müde ist bevor der Unterricht überhaupt losgeht.
Eine total eklige Angewohnheit von Brasilianern ist, dass sie fast nie ihre Nase putzen, sondern immer mit den ekligsten Geräuschen hochziehen. Und wenn das jemand neben dir die ganze Zeit macht, dann kann das schon mal unangenehm werden. Es wird als unhöflich empfunden sich am Tisch die Nase zu putzen, hochziehen ist besser…na wenn sie meinen.
Hier ist es auch normal, dass Kinder so lange bei ihren Eltern wohnen, bis sie heiraten. Für uns irgendwie ein kaum vorstellbares Phänomen. Allerdings führt das dazu, dass Brasilianer recht früh heiraten. In meinem einen Abendkurs sitzen total viele mit Ring am Finger (entweder links oder rechts) da fühlt man sich schon fast als Außenseiter, wenn man weder an der einen noch an der anderen Hand keinen hat. Generell reden Brasilianer auch recht offen über ihre Beziehungen, zum Beispiel gibt es von meinem Abendkurs auch eine Online-Lernplattform und da kann (eigentlich soll, aber ich finds blöd) man sich ein Profil erstellen und Sachen über sich schreiben. Da findet man dann tatsächlich Sachen wie „die Hochzeit ist geplant“ oder „ich liebe es Zeit mit meiner Frau zu verbringen…“. Das würde doch zu Hause niemandem einfallen bei Aulis (unserer Lernplattform) so etwas zu schreiben, aber okay. Es ist auch nicht üblich, dass wenn man einen Partner hat, aber noch zu Hause wohnt, man bei dem Partner übernachtet oder andersrum. Wenn man sich dann näher kommen möchte fährt man ins Motel. Und das hab ich mir nicht eben ausgedacht, das ist wirklich so, denn gestern haben das 2 von denen, die wir hier kennengelernt haben gemacht. Also hier macht der Spruch „Nehmt euch ein Zimmer“ sogar Sinn. Und da Brasilianer generell in jedem Zustand, egal ob mit 0 oder 3 Promille Auto fahren, ist das dann auch kein Problem noch nach einer Party in ein Motel zu fahren. Sehr extrem diese ganze Angelegenheit, wie ich finde.
Und welche Eigenschaft wir diese Woche noch entdeckt haben: Brasilianer sind paranoid. Wir sind abends vom Markt nach Hause gelaufen und vor uns ist eine Frau gelaufen, die dann Cathleen „cuidado!“ (Achtung) zugeflüstert und die Straßenseite gewechselt hat, weil da ein vielleicht etwas verdächtiger Typ rumstand. Oder als Cathleeni und ich mit Douglas und Thiago noch Eis essen waren, da war es dann auch schon dunkel und wir sind noch ein bisschen am Beira Mar rumspaziert. Cathleeni und ich wollten dann eigentlich nach Hause laufen, weil es wirklich nicht mehr weit war, stattdessen haben die Jungs darauf bestanden noch 10 Minuten durch die Stadt zu fahren, Sprit zu verschwenden und uns nach Hause zu bringen. Ich mein klar muss man aufpassen, aber ich glaub manchmal übertreiben sie was das angeht doch ein bisschen.
Und das Letzte, was mir noch aufgefallen ist, ist das Brasilianer generell alles in der Gruppe machen und dieses Gemeinschaftsgefühl lieben. Seien es Strandausflüge oder Restaurantbesuche, es können nie genug Menschen dabei sein. Was ja auch ganz nett ist, aber wenn ich mir es recht überlege, ist das in Deutschland einfach nicht so extrem üblich. Da trifft man sich eher mal zu zweit und ansonsten nur zu Abendaktivitäten mit mehreren.
Ok, bevor es wieder zu viel wird, hör ich jetzt auf. Mal schauen welche Überraschungen die nächsten Monate noch bereithalten!