Olá ihr Lieben!

Auf diesem Blog könnt ihr meinen Auslandsaufenthalt in Brasilien hautnah miterleben. Ich bin am 21.07.2010 in Fortaleza angekommen und habe ab August ein Semester an der Universidade Federal do Ceará studiert. Das ist nun seit dem 2. Dezember abgeschlossen.
Nachdem ich im Dezember 3 Wochen lang eine Pause von Brasilien in New York genommen habe, habe ich mich entschieden nach Rio de Janeiro zu gehen. Hier mach ich nun seit Mitte Januar ein Praktikum und lebe und arbeite an der Copacabana. Ich werde versuchen wenigstens wöchentlich ein Lebenszeichen von mir zu
senden, freue mich aber auch ab und an mal etwas von euch zu hören.
Viel Spaß beim Lesen und Kommentare posten!
Té mais,
Cindy!


Montag, 30. August 2010

Erstes Mal... abends weg, Fußball & Kino

Und schon wieder ist über eine Woche vergangen und viele Sachen sind passiert. Wir waren endlich zum ersten Mal feiern, zum ersten Mal beim Fußball und werden mehr und mehr an die brasilianische Lebensweise herangeführt, kurz: langsam aber sicher tritt der Alltag ein.
Donnerstag vor einer Woche waren wir zu Barbaras Geburtstagsparty im Orbitá eingeladen. Das Orbitá ist die wohl beliebteste Disco hier in der Stadt, wo meistens Live Musik gespielt wird. Dort trifft man wirklich jeden, selbst wir konnten an jeder Ecke ein bekanntes Gesicht begrüßen. Was besonders witzig ist, ist das System wie man seine Getränke bekommt. Man stellt sich erst in einer Schlange an um die Sachen zu bestellen und zu bezahlen, die man haben möchte, und danach geht man zur Bar und gibt dem Barkeeper den Bon. Ich bin mir nicht sicher ob das wirklich effektiver ist als bei uns. Die Bars sind zwar dadurch echt immer leer, aber solange man sich nicht ganz am Anfang überlegt was man über den Abend verteilt so trinken möchte, muss man sich eben in der anderen Schlange anstellen. Das Orbitá hat uns auf jeden Fall echt gut gefallen, sodass wir diese Woche gleich wieder hingegangen sind. Die Schwester von Italo hat mich dann auch einem Barkeeper vorgestellt (auf seinen Wunsch hin…) und dann gab es auch irgendwelche Sachen für nix. Vielleicht ist es manchmal, doch nicht so schlecht aufzufallen ^^.
Letzten Samstag waren wir dann eigentlich zu Douglas‘ Abschiedsparty eingeladen und wollten zum Fußball gehen. Am Abend davor hat er uns dann mal gesagt, dass es um 11 mittags losgeht und er noch wen finden muss, der uns abholen kann. Samstagmorgen sind Vani und ich also extra früh aufgestanden um noch Schoki als Abschiedsgeschenk kaufen zu gehen. 10:30 Uhr ist er dann kurz bei Skype online gekommen um zu schreiben, dass er niemanden gefunden hat, der uns abholen kann und, dass wir uns bestimmt wann anders nochmal sehen. Zum Fußball wollten wir eigentlich auch mit ihm gehen, aber er hat sich dann tatsächlich gar nicht mehr gemeldet. Weiß der Geier warum. Jetzt ist er in Deutschland und ruft uns dauernd bei Skype an… Na ja, wir waren echt sauer und der Samstag war gelaufen. Abends waren wir essen (weil wir ja einmonatiges hatten) und dann noch in der Nähe der Uni in einer Bar mit allen Deutschen. Das war aber irgendwie nicht so spannend also haben wir beschlossen noch zu Guilherme zu gehen. Ihn haben wir bei Marketing kennengelernt und er wohnt ganz bei uns in der Nähe, unternimmt jetzt immer recht viel mit uns und holt uns morgen immer ab, d.h. wir müssen nicht mehr mit dem Bus fahren. Mal schauen wie lange er da noch Lust zu hat. Wir wollten eigentlich den letzten Bus nehmen und zu ihm fahren, aber wie die Brasilianer eben so sind, ist das ja „viel zu gefährlich“ und er hat uns abgeholt. Bei ihm war es echt nett, die haben dort tatsächlich nachts halb 2 angefangen Käse Fondue zu machen… immer diese Kulturunterschiede hihi.
Als wir dann morgens nach Hause gekommen sind, hab ich noch mit Kolja geskypt und dann hat es hier endlich nach einem Monat zum ersten Mal geregnet. Das war so aufregend, dass ich eigentlich ein Foto machen wollte, aber als ich die Kamera geholt habe, war es leider schon wieder vorbei. Dann ging der Strom auf einmal aus und von draußen kam es laut. Das bisschen Regen hat also tatsächlich einen Stromausfall ausgelöst und der Krach war der Notstromaggregator vom Haus gegenüber, zum Glück wurde es aber schon hell, also stand ich nicht ganz im Dunkeln.
Sonntagabend hatten wir ausgemacht mit Guilherme ins Kino zu gehen. Eine Stunde vorher hat er abgesagt… Blöde Brasilianer. Dabei hatten wir uns noch über die Sache von Samstag bei ihm beschwert. Der Abend schien also auch schon wieder gelaufen, bis er angerufen hat und meinte, dass er in 20 Minuten da ist. Wie gut, dass wir alle noch nicht geduscht hatten und noch in unseren Gammelklamotten waren… Im Kino sind wir dann zu spät angekommen und was ist passiert? Es gab keine Tickets mehr…oh Mann. Diese Lebensweise muss einem echt angeboren sein ^^. Ersatzweise sind wir dann einfach Eis essen gefahren.
Die Woche verlief soweit ganz normal. Mittwoch hatten wir kein Marketing und sind also nur für eine Vorlesung zur Uni gefahren und was ist passiert? Die ist natürlich auch ausgefallen. Wir waren schon wieder kurz davor uns aufzuregen, aber da wir zum Glück mit Guilherme und nicht eine Stunde sinnlos mit dem Bus gefahren sind, haben wir es einfach so hingenommen. Donnerstag sollten wir unserem komischen Dozenten aus wieder mit dem Studiengangsleiter von Economia reden, weil er ja deutsch spricht. Alles was er uns dann gesagt hat war, dass wir die „besten“ Schülerinnen sind und uns wirklich keine Gedanken machen müssen. Ich muss wahrscheinlich dazu sagen, dass das mit Abstand das dümmste Fach ist und wir einfach immer nur da sitzen und lächeln, aber gut zu wissen, dass wir schon mal eine Prüfung auf jeden Fall bestehen werden. Danach hat er uns witzigerweise noch auf den Geburtstag von einem Kollegen eingeladen. Also standen wir dann da im „Lehrerzimmer“ u.a. sogar mit dem Dekan und haben Kuchen gegessen und Cola getrunken. Ich glaube so etwas würde es in Deutschland wohl nie geben, aber da kam dann eben auch mal wieder der Ausländervorteil durch.
Freitag haben wir eigentlich nichts weiter gemacht, außer das wir abends essen waren. Wir waren beim Sushi all you can eat mit Fabio. Oh mann das war so richtig lecker. Ich glaub ich hab 30 Sushi Stücken gegessen und Nudeln und Nachtisch und lecker, lecker, lecker! :-)
Samstagmorgen hat es zum allerersten Mal bei uns an der Tür geklingelt. Vanessa ist an die Sprechanlage gegangen und hat irgendwie nicht mehr verstanden als das es für mich ist. Na prima, morgens halb 10, ich bin gerade aus dem Bett gekrochen, wer soll das denn bitte sein!?! Es war Augusto, Lucas Mitbewohner. Er war gerade in der Gegend und wollte einfach mal Hallo sagen. Das fand ich ja wirklich nett...
Später an diesem Samstag waren wir dann auch endlich und wirklich beim Fußball: erste Liga, Ceará gegen Grêmio Prudente zusammen mit Guilherme und seinem Bruder. Es war super endlich mal wieder im Stadion zu sein, aber von dem Besuch gibt es eigentlich nur negative Erkenntnisse. Es existieren keine Parkplätze (eher Felder), es gibt keinen Stadionsprecher, es gibt keine Leinwände (demnach auch keine Zeitanzeige), es gibt keine Absperrungen zwischen den Blöcken und es gibt keine Brezeln! Hihi! Die Sitze sind größtenteils kaputt und die noch ganz sind, sind total verdreckt. Also bis zur WM gibt es hier wirklich noch einiges zu tun. Vom brasilianischen Fußballzauber war während dem Spiel irgendwie auch nicht viel zu sehen, das Stadion war halbleer, aber die Stimmung war phasenweise echt super. Was es auch nicht gibt sind Frauentoiletten, ich hab zumindest nur immer Männer-Schilder gesehen. Aber was sie haben, ist so eine Art Golf-Auto, was immer auf das Feld fährt und die Verletzten einsammelt und was gefühlte 20mal zum Einsatz gekommen ist. Echt witzig.
Danach waren wir noch etwas essen und später waren nur Vani und ich mit den Jungs in einer Bar am Strand.
Gestern haben wir es dann nochmal mit Kino versucht. Beziehungsweise dachten wir erst wieder, dass es doch nichts wird, weil Guilherme sich nicht gemeldet hat, doch dann nach 7 kam endlich der Anruf. Er meinte, dass der Film um 9 losgeht und er uns viertel nach 8 abholt. Als er uns abgeholt hat, hat er auf einmal gemerkt, dass der Film schon halb 9 anfängt…ohne Kommentar. Wir sind dann zu einem anderen Kino gefahren und haben Karten für die erste Reihe bekommen… „The Origin“ Ein echt guter Film, und was hier im Kino auch toll ist, ist das die Filme auf Englisch sind mit portugiesischen Untertiteln. Dummerweise saßen wir zu weit vorn um die Untertitel lesen zu können ^^.
So viel erstmal wieder von mir…also warme Grüße ins kalte Deutschland!

Freitag, 20. August 2010

Fazit - Ein Monat Brasilien

So, der erste Monat ist geschafft und es ist Zeit für eine kleine Zusammenfassung der ersten Eindrücke und Beobachtungen.
Im Moment fühle ich mich immer noch wie im Dauerurlaub und wenn die restlichen Monate auch so schnell vergehen, dann bin ich ja fast übermorgen schon wieder am Flughafen in Leipzig, hihi. Mal im Ernst, der erste Monat war geprägt von einigen ups and downs - vom ganzen Organisationsstress am Anfang zur „großen“ Langeweile bevor die Uni losging und nun von Tagen, die viel zu kurz sind und eigentlich 36 und mehr Stunden haben müssten – aber ich glaube so hat sich alles ganz gut eingependelt. Jetzt muss es nur noch mit dem Portugiesisch besser werden und alles ist perfekt. Natürlich wär es perfekter, wenn noch ein paar wichtige Menschen hier wären, aber mit Vani und Cathleeni kann man es auch ganz gut aushalten. :-)
Ich werde jetzt einfach mal wirr und ohne Zusammenhang ein paar Sachen schreiben, die mir hier so an Land und Leuten aufgefallen sind. Angefangen beim großen Abenteuer Bus fahren. Also man sucht sich eine Bushaltestelle, die gern auch mal nur aus einem kleinen, leicht übersehbaren Schildchen besteht und dann wird gewartet. Gewartet wird deswegen, weil es einfach keinen Busplan, so wie wir ihn von zu Hause gewöhnt sind, gibt. Also starrt man die ganze Zeit in die Richtung, aus der der Bus dann irgendwann mal kommen müsste. Sich mit anderen Sachen, wie lesen, zu beschäftigen wäre äußerst verheerend, denn dann fährt der Bus mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Haltestelle vorbei. Gehalten wird nämlich nur, wenn jemand aussteigen will oder wenn man seinen Arm in die Luft streckt und wedelt. Dann springt man nicht vorn sondern hinten auf und sollte sich sofort ordentlich festhalten, denn es wird keine Rücksicht auf Verluste genommen und sobald der letzte Fuß im Bus ist, geht es los, egal ob die Tür noch offen ist oder nicht. Dann bezahlt man seine R$ 1,80 beim Kassierer und darf das Drehkreuz passieren. Nun muss man sich nur noch zu einem freien Sitz hangeln und man hat den ersten Teil überstanden, allerdings ist es sehr empfehlenswert sich trotzdem bei jeder Kurve gut festzuhalten, denn auch bei Kurven geht man hier nicht vom Gas. Die rasen wirklich durch die Straßen als geht es um Leben und Tod. Witzig ist nur ein Schild, was über dem Fahrer hängt „Seu filho tambem anda na rua“ (Dein Kind spielt auch auf der Straße), also sehr zu mögen scheinen die ihre Kinder nicht. Wenn man dann weiß, wo und wann man aussteigen möchte, sollte man sich frühestmöglich bereit machen, d.h. wieder von Stange zu Stange in Richtung Tür hangeln. Rote Knöpfen zum Halten gibt es eher selten, meist hängt einfach eine Schnur an der Decke, die dann eben auch nur die großen erreichen können. Haltestellen werden mit Höchstgeschwindigkeit angefahren, die Türen noch während der Fahrt aufgemacht und dann schnell abspringen… Ein sehr stressiges Verfahren.
In anderen Lebensbereichen, wo es vielleicht angebracht wäre schnell zu sein, sind Brasilianer allerdings eher langsam, zum Beispiel an Kassen in Supermärkten. Das ist mit Deutschland wirklich gar nicht vergleichbar, die sind sooo langsam. In Deutschland wird man total unter Druck gesetzt, wenn man nicht schnell genug seine Sachen einpackt und hier nimmt man sich die Zeit der Welt, man wird ja nun auch nicht mehr bezahlt, wenn man sich beeilt.
Das Brasilianer nicht wirklich pünktlich sind, ist ja nichts Neues, aber sogar in der Uni gibt es „Zeitfenster“. Generell geht eine Vorlesung immer 2 Zeitstunden, da ist die Verspätung allerdings schon einberechnet. Also es kann auch passieren, dass ein Dozent dann eben mal eine Stunde später kommt, aber dann ist das halt so. Ist nur ein bisschen doof, weil man dann schon müde ist bevor der Unterricht überhaupt losgeht.
Eine total eklige Angewohnheit von Brasilianern ist, dass sie fast nie ihre Nase putzen, sondern immer mit den ekligsten Geräuschen hochziehen. Und wenn das jemand neben dir die ganze Zeit macht, dann kann das schon mal unangenehm werden. Es wird als unhöflich empfunden sich am Tisch die Nase zu putzen, hochziehen ist besser…na wenn sie meinen.
Hier ist es auch normal, dass Kinder so lange bei ihren Eltern wohnen, bis sie heiraten. Für uns irgendwie ein kaum vorstellbares Phänomen. Allerdings führt das dazu, dass Brasilianer recht früh heiraten. In meinem einen Abendkurs sitzen total viele mit Ring am Finger (entweder links oder rechts) da fühlt man sich schon fast als Außenseiter, wenn man weder an der einen noch an der anderen Hand keinen hat. Generell reden Brasilianer auch recht offen über ihre Beziehungen, zum Beispiel gibt es von meinem Abendkurs auch eine Online-Lernplattform und da kann (eigentlich soll, aber ich finds blöd) man sich ein Profil erstellen und Sachen über sich schreiben. Da findet man dann tatsächlich Sachen wie „die Hochzeit ist geplant“ oder „ich liebe es Zeit mit meiner Frau zu verbringen…“. Das würde doch zu Hause niemandem einfallen bei Aulis (unserer Lernplattform) so etwas zu schreiben, aber okay. Es ist auch nicht üblich, dass wenn man einen Partner hat, aber noch zu Hause wohnt, man bei dem Partner übernachtet oder andersrum. Wenn man sich dann näher kommen möchte fährt man ins Motel. Und das hab ich mir nicht eben ausgedacht, das ist wirklich so, denn gestern haben das 2 von denen, die wir hier kennengelernt haben gemacht. Also hier macht der Spruch „Nehmt euch ein Zimmer“ sogar Sinn. Und da Brasilianer generell in jedem Zustand, egal ob mit 0 oder 3 Promille Auto fahren, ist das dann auch kein Problem noch nach einer Party in ein Motel zu fahren. Sehr extrem diese ganze Angelegenheit, wie ich finde.
Und welche Eigenschaft wir diese Woche noch entdeckt haben: Brasilianer sind paranoid. Wir sind abends vom Markt nach Hause gelaufen und vor uns ist eine Frau gelaufen, die dann Cathleen „cuidado!“ (Achtung) zugeflüstert und die Straßenseite gewechselt hat, weil da ein vielleicht etwas verdächtiger Typ rumstand. Oder als Cathleeni und ich mit Douglas und Thiago noch Eis essen waren, da war es dann auch schon dunkel und wir sind noch ein bisschen am Beira Mar rumspaziert. Cathleeni und ich wollten dann eigentlich nach Hause laufen, weil es wirklich nicht mehr weit war, stattdessen haben die Jungs darauf bestanden noch 10 Minuten durch die Stadt zu fahren, Sprit zu verschwenden und uns nach Hause zu bringen. Ich mein klar muss man aufpassen, aber ich glaub manchmal übertreiben sie was das angeht doch ein bisschen.
Und das Letzte, was mir noch aufgefallen ist, ist das Brasilianer generell alles in der Gruppe machen und dieses Gemeinschaftsgefühl lieben. Seien es Strandausflüge oder Restaurantbesuche, es können nie genug Menschen dabei sein. Was ja auch ganz nett ist, aber wenn ich mir es recht überlege, ist das in Deutschland einfach nicht so extrem üblich. Da trifft man sich eher mal zu zweit und ansonsten nur zu Abendaktivitäten mit mehreren.
Ok, bevor es wieder zu viel wird, hör ich jetzt auf. Mal schauen welche Überraschungen die nächsten Monate noch bereithalten!

Donnerstag, 19. August 2010

So dies und das...

Und wieder ist eine halbe Ewigkeit vergangen. Also eigentlich ja nur eine Woche, aber dafür eine Woche voller Erlebnisse. Ich glaub ich muss mich jetzt schon für die Länge des Eintrags bei all denen entschuldigen, die immer nach der Hälfte aufhören zu lesen. Ich versuch mich kurz zu halten, aber es lohnt sich auch dran zu bleiben. :-)
Aaalso, dann mal los.

Letzten Dienstag waren wir abends mal wieder bei einem Rodizio (All you can eat). Eigentlich hatten wir Mädels geplant mit Italo (Foto unten) zu einem Pizza Rodizio zu gehen, aber Pläne machen halt hier bekanntlich nur wenig Sinn. Am Ende waren wir bei einem Alles-Mögliche-Rodizio und mit noch 7 anderen. Es war mal wieder total lecker, wobei man bei diesem System doch ein wenig gestresst wird. Aller 2 Minuten kommt ein Kellner mit irgendwelchen Leckereien an und will sie dir andrehen. Ich bin dann natürlich auch immer so, dass ich nix verpassen will, also sag ich meistens ja und schon ist der Teller voll, man will ja aber auch das Nächste nicht verpassen, also schnell essen. Süße Pizza gab es auch wieder…ein Traum schlechthin! Der eine Thiago (von dem ich schon mal irgendwann geschrieben hab) war auch wieder mit dabei und der hat seinen Freund Douglas mitgebracht und mit ihm und seinen Freunden haben wir dann irgendwie die ganzen nächsten Tage verbracht. Zum Beispiel Mittwoch…

Mittwoch war „Dia do Estudante“ (Tag der Studenten) und mal wieder frei. Douglas und Thiago haben uns abgeholt und wir sind zusammen noch Cumbuco (ca. 40km entfernt von hier) gefahren. Dort waren Italo und die anderen am letzten Wochenende, also wollten wir da natürlich auch mal hin. Cumbuco ist bekannt für seine endlos weiten Sanddünen und die wollten wir natürlich auch sehen. Wir haben dann noch Peter und Strauss (Freund von Douglas und Thiago, so heißt er wirklich) abgeholt und sind zum Strand gefahren. Da ging es wie immer in eine Strandbar und wir haben etwas getrunken. Vani und ich sind dann ein wenig am Strand langspaziert, während die anderen im Wasser waren und dann urplötzlich wollten die Brasilianer aufbrechen. Wir Deutschen haben das nicht so ganz verstanden, weil wir die Dünen gar nicht gesehen haben, aber Strauss hat da ganz in der Nähe ein Strandhaus und da wollten die Jungs dann hin. Na gut… Das Haus war echt riesig und, ganz wichtig, mit Pool. Am Anfang wusste wieder mal keiner so richtig, was genau jetzt der Plan ist (->Brasilianer sind gaaanz schlecht im Ansagen machen), aber nachdem die anderen dann essen holen wollten und nur mit Bier wiederkamen, haben auch wir gepeilt, dass wir wohl den restlichen Tag im Pool verbringen werden.

Donnerstag war dann wieder Uni und Douglas hat gefragt ob wir mit ihm und einem Freund abends Krebs essen gehen wollen, ganz in der Nähe der Uni. Ich hatte abends Unterricht, von daher hat sich das ganz gut angeboten, aber Lust hatte ich dann irgendwie doch nicht und hab ihm eigentlich abgesagt, aber dann stand er doch irgendwie mit der einen Französin Hélène vor der Uni und hat mich abgeholt. Naja, was solls. Am Ende waren da wieder total viele, von wegen er wollte mit einem (!) Freund essen gehen. Ich weiß nicht ob da einfach so große Kommunikationsschwierigkeiten bestehen oder ob das einfach brasilianische Art ist. Jetzt bin ich auf jeden Fall um eine Erfahrung reicher: Krebs essen! „Erst musste du die Beine abmachen, dann draufhämmern, auszutschen, dann irgendwann (nach einer gefühlten Ewigkeit) kannst du den Kopf essen. Da was abbrechen, hier die „Scheiße“ abkratzen und dann da wieder auszutschen, vielleicht vorher noch einmal draufhämmern und ganz am Schluss, wenn du alle Aufgaben gemeistert hast, kannst du dir eine Art Sauce in den Kopf füllen und das trinken…“ Geschätzte Dauer: 2 Stunden! Also das war wirklich lecker, aber eine riesige Sauerei und Popelei. Danach dachte ich fahren wir nach Hause, aber nein, nein, dann kam das richtige Essen, also Reis, Fleisch und so weiter. Immer wieder für eine Überraschung gut die Brasilianer. Und die ganze Zeit am Bier trinken. Soll mir mal einer erzählen, dass wir deutschen viel Bier trinken. Ich wage zu behaupten, dass Brasilianer mehr trinken! Na ja, irgendwann gegen 1 war ich dann auch zu Hause und wieder ein schöner Abend vorbei.

Freitag haben wir ja bekanntlich auch frei und da unsere Wohnung unbedingt mal geputzt werden musste, sind wir an den Strand gegangen und haben der Putzfrau mal freie Bahn gelassen. Am Strand haben wir es nur leider nicht lange ausgehalten, weil es wieder so windig war, also nach Hause, Geld holen und ab zu Mc Donalds Eis essen. Abends war „geplant“ zu einem Unifest zu gehen. Wir haben uns alle 3 eigentlich echt gefreut und als wir ankamen, waren die anderen (Italo, Peter, Hélène, Barbara…) schon da und meinten schon, dass nix los ist. Es war eigentlich nur eine total kleine Veranstaltung mit ein wenig Live Musik, aber es gab noch nicht einmal Getränke. Also haben wir uns Bier im Supermarkt geholt und sind wieder zurück gegangen, dummerweise durfte man da gar nicht trinken… Naja, Reinfall schlechthin. Wir haben dann noch eine neue brasilianische Süßigkeit „Churro“ probiert. Das ist so eine Art frittierter Teig mit Füllung (Schokolade oder so süße Milch), sehr lecker und für ca. 40ct auch erschwinglich. Danach ging es noch in eine Bar, ganz in der Nähe der Uni und was gab es da? Richtig, Bier! Ich kann es nicht mehr sehen… Die anderen sind dann noch weiter gezogen, aber da es schon halb 11 war und man eigentlich nicht so spät mit dem Bus fahren sollte, haben wir uns lieber verabschiedet. Haben aber auch festgestellt, dass es um die Zeit, zumindest in der Gegend eigentlich nicht so gefährlich scheint.

Samstag haben wir uns dann zum großen Stadtrundgang im Zentrum getroffen. Der Weg dorthin war schon sehr abenteuerlich. Erst kam unser Bus ewig nicht, dann kam er doch irgendwann und wir haben gefragt ob er da hält wo wir hin wollten – natürlich nicht - also wieder abspringen und auf den nächsten warten. Eigentlich waren wir dann eine gute halbe Stunde zu spät, aber zum Glück sind hier ja alle so, also alles bestens. Barbara hat uns (Peter, Hélène, 2 anderen deutschen und uns) dann ein bisschen rumgeführt. Sie studiert Geschichte und wusste wirklich viel, das war echt gut. Also angefangen haben wir am „Praça do Ferreira“, dem zentralen Marktplatz. Von dort aus ging es durch mehrere kleine Gassen voll mit Geschäften und Straßenständen zum „Theatro José de Alencar“, ein sehr schönes kleines Theater, wo ich unbedingt auch mal noch hin muss, aber das lohnt sich erst, wenn ich hier ein bisschen mehr verstehe. Vor dem Theater war dann auch der „Praça José de Alencar“. Eigentlich ein kleiner Park, aber auch vollgestopft mit Menschen, die irgendwie ihren letzten Gerümpel loswerden wollten. Wir sind dann an einer recht großen Menschentraube vorbei gekommen und waren natürlich neugierig…dort hat ein Mann Kokosnüsse mit der Hand aufgeschlagen. Das wir dann allerdings da standen war für die Zuschauer mindestens genauso spannend, wie der Mann… Cathleen und Peter wurden sogar von ihm mit Handschlag begrüßt. Danach haben wir am alten Bahnhof „João Felipe“ eine Pause gemacht und „Pó de Guaraná“ probiert. Was genau das allerdings ist, kann ich nicht so genau sagen (vielleicht hat Esther ja wieder eine Erklärung). Die packen da irgendwelches Pulver und Nüsse und Eis in den Mixer und das Ergebnis ist einfach nur lecker. Nach der Stärkung ging es dann weiter zum „Passeio Publico“, einem weiteren Park, zur Kathedrale (Foto), die glaub ich einfach nur „Kathedrale“ heißt und zum „Mercado Central“, einem großen, mehrstöckigen und überdachten Markt. Den Sonnenuntergang haben wir uns dann an dem Steg angeschaut, wo ich auch schon mit Vani war, nur leider war das Licht nicht sooo schön. Den Tag haben wir dann im „Dragão do Mar“, dem Kneipenviertel, ausklingen lassen. Die anderen sind wieder noch weiter gezogen, aber in der Nähe der Uni und da das für uns ein sinnloser Umweg gewesen wär, haben wir uns nach Hause bringen lassen. Ganz spontan hat dann Douglas angerufen und er, seine Freundin, Emanuel, Strauss und Klaus sind dann noch mit Cachaça bei uns vorbei gekommen und wir haben zusammen in Klaus‘ Geburtstag reingefeiert. Eine sehr lustige spontane Aktion.

Sonntag war dann Klaus‘ Party bei Strauss im Strandhaus. Wir wurden um 10 abgeholt und waren ca. gegen 12 da. Insgesamt waren dort so ca. 25 Leute, mal wieder ein witziger Haufen. Wir wollten eigentlich einen Kuchen kaufen und den mitbringen, aber dann wurden wir eines besseren belehrt, dass man das hier wohl nicht macht, na gut. Es gab Caipirinhas, Würstchen und Fleisch zur Begrüßung, danach eine kleine Pool Pause und dann wollt ich eigentlich mit Vani Fußi spielen, aber wir sind natürlich nicht lang allein geblieben. Am Ende haben waren wir zu 14. und haben Deutschland gegen Brasilien gespielt mit Cathleeni im Tor, mir im offensiven Mittelfeld und Vani in der rechten Abwehr! Sehr, sehr witzig! Nach der zweiten Pool Pause, gab es wieder Essen und danach waren wir eigentlich nur noch müde und hätten wir gekonnt, wären wir nach Hause gegangen, aber das ging eben nicht. Wir haben dann noch ewig rumgelungert, vor lauter Langeweile haben wir uns sogar „Forro“ beibringen lassen. Das ist eine typische Musikrichtung von hier zu der man meistens zu zweit tanzt. Irgendwann war es dann schon so weit, dass alle weg waren, außer uns. Wir waren tatsächlich die letzten und sind mit welchen mitgefahren, die uns noch nicht mal wirklich vorgestellt wurden. Irgendwo sind wir dann auf ein Grundstück eingebogen und wussten natürlich wieder gar nicht was los ist (wie gesagt mit Ansagen haben die es hier nicht so): Autowechsel stand an, dann sind wir losgefahren und haben hinter dem Tor wieder angehalten: es ist noch einer zugestiegen… Na ja, am Ende waren wir um 10 zu Hause und hatten doch einen tollen Sonntag.

Montagabend war ich mit Vani wieder einmal auf dem Markt, bei uns um die Ecke, am Strand. Dienstagabend hatte ich Uni. Und gestern waren Cathleen und ich (Vani hatte Uni) mit Douglas und Thiago wieder beim „Mercado Central“. Douglas wollte noch ein paar Mitbringsel kaufen, da die beiden ja nächste Woche nach Gießen fliegen und da ein Semester studieren, und brauchte deutsche Unterstützung. Dieser Markt ist echt der Wahnsinn, allerdings gibt es dort in fast jedem Laden das gleiche, also wie die davon leben können, weiß ich auch nicht. Danach sind wir noch zu so einer Eisladen-Kette am Strand gegangen, der Name ist mir leider gerade entfallen. Dort gibt es auf jeden Fall 50 Sorten Eis, zum Beispiel Bier, Caipirinha oder „irgendwas“, und jede davon kann man probieren bevor man sich entscheidet. Ich hatte coconut chocolate chip und „irgendwas“, danach kann man sich selbst noch so viel Soße draufmachen, wie man mag…sehr lecker.

Diese Woche war dann also die erste Woche, die wir komplett Uni hatten und so langsam merken wir, dass wir mal was tun sollten, aber jetzt kommt erst mal wieder das Wochenende und da haben wir definitiv keine Zeit…
Das nächste Mal wird’s nicht sooo viel! =)

Montag, 9. August 2010

Von neuen Mitbewohnern und Strandausflügen

... so hier mal wieder ein Lebenszeichen von mir. Was besonderes ist eigentlich in den letzten Tagen nicht passiert, aber ich werd einfach mal wirr drauf los schreiben. :-)
Letzten Donnerstag hatten wir unser Dankeschön-Dinner für alle die uns bisher so lieb geholfen haben. Wir haben ganz viel Kartoffelsalat, Nudelsalat, Frikadellen und Würstchen gemacht, uns mit Bier abgeschleppt und am Ende einen sehr netten Abend verbracht. Es war von allem viel zu viel und wir mussten Sachen wegwerfen, aber naja. Vorher ist überhaupt noch etwas total witziges passiert. Italo und Fabio haben schon ewig einen Freund - Peter aus München - erwartet. Peter musste aber erst über Südafrika fliegen, weil sein Flug überbucht war und dann hat er den Flug auch noch verpasst, sodass er insgesamt mehrere Tage unterwegs war. Na ja, als ich dann am Donnerstag zum ersten Mal allein mit dem Bus zur Abenduni gefahren bin, saß 2 Reihen vor mir so ein großer, blonder... Ich konnte mir eigentlich die ganze Zeit denken, dass er das ist, aber ich war mir nicht sicher. Eigentlich wollte ich ihn ansprechen, bevor ich aussteige, aber dann ist der Bus auf einmal woanders lang gefahren und Italo hat mich angerufen und es war dunkel und ich wusste gar nicht mehr was los ist. Also bin ich nur schnell raus gesprungen, als ich etwas Bekanntes gesehen habe. Auf dem Weg zur Uni habe ich dann Italo getroffen und er meinte, er trifft sich gleich mit Peter...wie witzig...wir haben ihn dann auf dem Weg noch getroffen und ich hab ihn auch gleich zum deutschen Dinner eingeladen. Nach meiner Vorlesung hat Italo mich abgeholt und dann sind wir ein Stück gelaufen und da haben Fabio, seine Freundin und Peter gewartet und wir sind mit dem Auto zu uns gefahren...was für ein Luxus. Langsam lerne ich Auto fahren wirklich zu schätzen. Der Abend war dann echt nett und Fabios Freundin hat sogar Brigadeiros (typisch brasilianische Schokoladenbällchen) gemacht...sooo lecker!
Am Wochenende waren wir eigentlich hauptsächlich am Strand. Am Freitag gleich hier bei uns, aber dafür am Samstag am Praia do Futuro. Der angeblich schönere Strand hier in Fortaleza. Also ich find den Strand bei uns schon traumhaft, aber die Brasilianer mögen den aus irgendwelchen Gründen nicht so und deswegen fahren sie am Wochenende immer zum Praia do Futuro. Also haben wir uns auch auf den Weg gemacht zu einem großen Busbahnhof um uns dort mit Italo, Peter, Barbara und einer Französin deren Name mir leider gerade entfallen ist, zu treffen. Natürlich waren wir zu früh und demnach standen wir drei deutschen erst einmal total verloren dort rum und hatten keine Ahnung wo hin mit uns, da ein Strand nicht wirklich in der Nähe vermutbar war. Aber nach 10 Minuten sind auch die anderen angekommen und wir mussten noch einen anderen Bus nehmen. Am Strand angekommen war alles ganz anders als ich es mir vorgestellt habe. Ich habe eigentlich breite, leere Strände erwartet, aber dort waren hauptsächlich "barracas" - ganz viele Strandbars. Wir sind also zur besten von Fortaleza "Vira Verao" gegangen und ich hatte mein Buch wieder für umsonst mit, denn dort sitzt man die ganze Zeit an Tischen und unterhält sich. Also kein sonnen und auch kein Buch lesen. Es war aber trotzdem gut. Die Wellen waren so riesig, dass mir die ganze Zeit die Bikinihose herunter gerissen wurde... Nach einem Agua de Coco gab es auch schon Essen. Wir haben verschiedene Pasteis bestellt. Pasteis sind so was ähnliches wie gefüllte Teigtaschen zum Beispiel mit Fleisch, Käse oder Krabben. Und als leckeren Abschluss noch eine Runde Caipirinha für alle. Ich hätte es nicht gedacht, aber auch mit Essen und Trinken kann ein Tag am Strand sehr schnell vergehen!
Sonntag waren Vani und ich dann wieder bei uns am Strand, aber leider war es nicht aushaltbar. Ich bin direkt ins Wasser gegangen und als ich mich auf mein Handtuch legen wollte, war das komplett mit Sand überdeckt...hallo Wind! Eine viertel Stunde haben wir es vielleicht ausgehalten, aber dann war es das auch schon. Also sind wir wieder nach Hause gegangen, haben geduscht und uns überlegt einen Strandspaziergang zu machen. Wir haben uns ausnahmsweise mal getraut unbekanntes Territorium zu erkunden und das war es auf jeden Fall wert. Wir sind sicher an zwiespältigen Gegenden vorbei gekommen, aber dann haben wir endlich den "Ponte dos Ingleses" gefunden. Einen Steg, der eben ein wenig ins Meer hinein geht und von dem man wohl sehr gut Sonnenuntergänge beobachten kann. Dafür war es uns dann aber doch ein wenig zu komisch. Dort waren wirklich nur Brasilianer und wir wurden die ganze Zeit wieder nur angestarrt. Also sind wir nach einer kurzen Eispause wieder zurück gelaufen und haben den Sonnenuntergang bei uns in der sicheren Gegend beobachtet, das war auch sehr schön.
Heute war dann auch mal wieder Uni und unsere Marketing Dozentin hat uns "ein paar" Daten gegeben...sie hat uns heute schon gesagt, dass die Vorlesung 9mal ausfällt. Ich will mich ja gar nicht beschweren, aber ich dachte ich wär zum studieren hier... :-)
Achso und dann hätte ich ja fast vergessen unsere neuen Mitbewohner, die Pauls, zu erwähnen. Irgendwann letzte Woche hatten wir einen komischen schnellen Käfer im Bad, der sich immer wieder versteckt hat. Wir haben dann gesehen, dass am Türrahmen Löcher sind und er dadurch immer abhaut, also haben wir die provisorisch mit Küchenrolle und Tesa zugemacht. Ein paar Tage später saß genau der gleiche blöde Käfer vor unserer Tür und ich wär fast drauf getreten. Er lag zum Glück auf dem Rücken, sodass wir ihn ganz schnell (siehe Foto) fangen konnten. Nach näherem Betrachten mussten wir dann auch leider der Wahrheit ins Gesicht blicken und feststellen, dass es eine Kakerlake war. Am nächsten Abend hatte Cathleen eine kleine in ihrem Zimmer, die wir zum Glück schnell fangen konnten und als ich mir Sachen aus dem Schrank holen wollte saß so ein blödes Tier in Vani und meinem Zimmer. Typisch Frau haben wir es erstmal versucht mit Haarspray zu kriegen, aber das hat leider nicht geklappt. Paul ist hinter den Schrank geflüchtet. Das war mir egal, ich hab es mir davor gemütlich gemacht und gewartet bis er wieder hervor kam, eine halbe Stunde hat er sich Zeit gelassen, aber dann hatten wir ihn. Als ich dann am nächsten Tag in der Dusche bedroht wurde, war Schluss mit lustig. Wir haben Gift gekauft und wenn wir dann noch eine Kakerlake gesehen haben, wurde sie nur noch freundlich und ohne hysterisches Geschrei mit "hallo Paul" begrüßt, Gift drauf und das war's. Jetzt hab ich schon länger keinen Paul begrüßen dürfen, hoffen wir mal, dass das so bleibt.

Mittwoch, 4. August 2010

Semesterbeginn... Oder?!

Am Montagmorgen um 8 hat es also angeblich angefangen, das 5. Semester. Vielleicht zu allererst etwas zu den Zeiten. Ich habe jeden Tag von 8-12 Unterricht und Dienstag und Donnerstag extra von von 18:30-20. Freitags ist frei, also alles bestens.
Montagmorgen hat uns dann also um 7 Fabio abgeholt und wir sind zur Uni gefahren. Wir wohnen zwar nah am Strand, aber dafür eben weit weg von der Uni, sodass man schon eine Stunde Wegzeit einplanen sollte…und die brauchten wir dann auch fast. An der Uni haben wir Italo getroffen, wieder ein netter, hilfsbereiter Brasilianer, der vor einer Woche erst aus München zurück gekommen ist. Er hat uns dann unseren Campus gezeigt und uns zu den ersten Vorlesungen begleitet. Der Campus für Wirtschaft ist recht klein, aber das ist gut so, umso schneller finden wir uns zurecht. Das Hauptgebäude hat so einen Innenhof mit Bänken und Palmen, sehr gut vergleichbar mit einem Schulhof, und direkt von da gehen dann auch die einzelnen Vorlesungsräume, die auch eher amerikanischen Klassenzimmern ähneln, ab. Neben der Tür hängt immer ein Plan, welcher Kurs gerade in dem Zimmer stattfindet. So etwas wäre an der Hochschule auch manchmal ganz hilfreich. In den Türen sind noch kleine Fenster wo man dann nochmal gucken kann, ob man auch wirklich richtig ist. Die Zimmer sind sehr klein, hallen (das macht das Verständnis nicht gerade leichter) und haben eine Klimaanlage, die auf gefühlte 10 Grad gestellt ist. Also als ich meine Tasche ausgepackt habe, dachte ich, das alles sinnlos ist, was länger als T-Shirt ist, aber da musste ich mir tatsächlich schon was überziehen.
Montag hatten wir dann also um 8 Marketing (natürlich sind alle Vorlesungen auf Portugiesisch) und waren auch pünktlich da, aber keine Spur von der Dozentin. Die ist dann irgendwie 15 Minuten später fröhlich ins Zimmer getanzt. Sie hat sich und den Kurs kurz vorgestellt und dann mussten wir uns alle vorstellen. Klar, dass die 3 deutschen Meninas (Mädchen) da natürlich im Mittelpunkt waren. Nach circa einer halben Stunde war es das dann auch schon mit Marketing und wir wurden „entlassen“. Wir haben uns dann noch kurz mit der Dozentin unterhalten und hoffen jetzt, dass sie uns am Ende irgendwie die Prüfung bestehen lässt.  Danach hatten wir noch ewig Zeit bis zur nächsten Vorlesung und haben uns auf die Bänke im Hof gesetzt. Da kamen dann gleich ein paar Mädels aus Marketing und haben uns wortwörtlich „zugetextet“, wir haben nämlich mal wieder nicht viel verstanden außer, dass wir willkommen sind… Wenn man sich in diesem Hof aufhält fühlt man sich wirklich wie im Zoo (Zitat von Vani). Alle, wirklich alle gucken und man fühlt sich unter ständiger Beobachtung. Ich hoffe die gewöhnen sich bald an uns oder wir uns an die Beobachtung. Das kann echt nervig sein.
Italo hat dann noch Thiago getroffen. Thiago fliegt Ende August nach Deutschland um dort zu studieren und hat uns dann eigentlich auch noch den restlichen Tag begleitet. Die nächste Vorlesung war dann grob übersetzt „Kultur und Veränderung in Unternehmen“, dort kam nach über einer halben Stunde warten wieder niemand…na gut, dann haben wir wohl keine Vorlesung. Es war dann zwar noch recht früh, aber wir sind trotzdem alle zusammen plus Fabio essen gegangen. Wir haben eine große Fleischplatte und ganz viele Beilagen bekommen und am Ende pro Person mit Getränk circa 4 Euro bezahlt. Das war echt gut und auch schon das Ende vom ersten Tag an der UFC.
Am Dienstagmorgen haben wir uns wieder um 7 mit Fabio getroffen, aber dieses Mal um mit ihm mit dem Bus zu fahren. Das war schon ein Abenteuer schlechthin, beansprucht aber eindeutig einen Post für sich selbst. An der Uni hat wieder Italo auf uns gewartet und uns zur ersten Vorlesung „Management von Produkten und Märkten“ begleitet. Dort haben wir wieder auf den Dozenten warten müssen. Als er endlich kam hat er sich nur kurz hingesetzt um uns zu sagen, dass wir keinen Unterricht haben und Donnerstag auch nicht und uns nächste Woche sehen…toll. Dafür sind wir also so früh aufgestanden. Na ja die freie Zeit haben wir genutzt um nochmal zum International Office zu gehen und ein Formular abzuholen. Dort hat es aber mal wieder ewig gedauert, weil Cathleeni noch einen Kurs wechseln wollte und die fanden das gar nicht so toll dort. Direkt danach konnten wir eigentlich auch schon zur nächsten Vorlesung gehen „Aktuelle brasil. Wirtschaft“. Dafür haben wir erst den Raum nicht gefunden, bis Italo rausgefunden ist, dass es in einem anderen Gebäude um die Ecke ist. Als wir dann da ankamen war es natürlich schon zu spät und wir sind extra aufgefallen. Der Dozent hat sich allerdings sehr gefreut und in der kurzen Zeit, in der er uns etwas über den Kurs erzählt hat, circa 20mal gesagt „minhas meninas da Alemanha“ (meine Mädchen aus Deutschland). Am Anfang war das ja noch okay, aber irgendwann war es nur noch zu viel. Ich will nicht extra behandelt werden, reicht schon, dass wir anders aussehen und wär ich an der Stelle der Brasilianer würde mich das wahrscheinlich auch nerven. Nach dem Unterricht hat er dann nochmal mit uns gesprochen und irgendwie ist er echt ein bisschen verrückt. In seinem Fach müssen wir ein Buch lesen „O ultimo trem para Paris“ – Der letzte Zug nach Paris. Keine Ahnung was das mit der aktuellen Wirtschaft zu tun hat, da das Buch von 1986 ist, aber okay. Er meinte wir sollen uns keine Gedanken über die Klausuren machen, aber eine Präsentation im November über Bismarck halten. Den scheint er total toll zu finden, aber wenn er das so will, dann machen wir das natürlich. Und dann hat er uns noch zu seinem Chef geschickt, bei dem wir uns unbedingt vorstellen sollten, weil der seinen Master in Deutschland gemacht hat. Aber als Erstes haben wir dieses komplette Buch kopiert und uns einen Ausweis (der einfach nur aus einem PIN besteht) für die Bibliothek geholt. Die ist zumindest bei uns echt mini und gar nicht mit denen zu Hause vergleichbar. Dann haben wir uns allerdings doch mal bei dem Chef vorgestellt und er hat uns gleich in sein Büro geschleust und in ein Gespräch verwickelt. Echt schlimm, was für einen Status man hier hat, nur weil man aus Deutschland kommt…Klatsch und Tratsch beim Chef im Büro, hat eigentlich nur noch der Kaffee gefehlt.
Danach war es auch schon wieder Zeit für das Mittag und ich wollte unbedingt mal in die Mensa, die zwar nicht so toll sein sollte, aber das war mir egal. Hier gibt es 2 Essen und eine vegetarische Variante. Am Eingang kauft man sich für 1,10 RS (ca.48 ct) eine Marke, d.h. man kommt gar nicht rein, wenn man nichts essen möchte, und dann muss man bei seinem Essen 1 oder 2 durch einen langen Gang gehen und sich die Hände waschen. Dann nimmt man sich einen Tablettteller, also an sich ein Tablett, aber direkt darauf wird das Essen gepackt. Es gab Salat, Reis mit Bohnen und Fisch. Reis und Bohnen soll es dort wohl jeden Tag geben, aber insgesamt fand ich es echt nicht schlecht. Wahrscheinlich waren meine Erwartungen durch all die Vorwarnungen einfach sehr niedrig. Aber für ca. 50 ct war das echt gut und einen Saft gab es sogar auch noch dazu. Also jeden Tag habe ich sicher keine Lust auf Reis und Bohnen, aber das ist echt eine günstige Variante sich zu ernähren.
Dann sind wir noch mit den beiden Jungs in das Shopping Center gegangen, weil Vani und mein Handy irgendwie nicht funktionierten. Die Jungs haben wir dann wieder losgeschickt um alleine noch ein bisschen rumzuschauen. Vani ist relativ schnell nach Hause gefahren und Cathleeni und ich haben noch Eis gegessen und rumgegammelt, weil wir noch 6 Stunden auf unsere nächste Vorlesung gewartet haben. Das waren die längsten 6 Stunden seit langem und ich hatte das Gefühl, dass die Zeit gar nicht vergeht. Ich hab angefangen in diesem Buch zu lesen, aber ohne Wörterbuch hat das irgendwie auch nicht viel Sinn gemacht. Dann sind wir zurück zur Uni gegangen und haben uns da auf eine versteckte Bank gesetzt. Cathleeni hat da gleich mal ein Stündchen geschlafen…  Irgendwann haben wir uns noch etwas zum Essen geholt und Italo wieder getroffen und dann war es auch schon an der Zeit für Human Resource Mgmt. 2. Das hat ausnahmsweise sogar mal pünktlich angefangen und da waren auch richtig viele Studenten. Italo kannte einen davon und der spricht auch Englisch, also haben wir zum Glück wieder eine Bezugsperson. Bei dem Dozenten waren wir dann zum Glück nicht so speziell, er hat uns nur normal begrüßt und das war’s. Da werden wir auch wieder 2 Klausuren schreiben…juhuuu. Nach dem Unterricht haben wir aber auch wieder mit ihm gesprochen und er hat uns irgendwie auch erzählt, dass er erst aus Berlin zurück gekommen ist und unbedingt Deutsch lernen will. Es ist echt Wahnsinn wieviele Menschen hier doch einen Bezug zu Deutschland haben. Ich glaub aber, dass das Fach echt eine Herausforderung wird. Cathleen hat sich entschieden, das doch nicht zu machen, also werde ich mich da alleine durchbeißen…mal schauen.
Gegen halb 9 waren wir dann zu Hause und haben den 13 Stunden-Tag mehr oder weniger erfolgreich beendet. Alles in allem hat die Uni noch nicht wirklich begonnen, denn heute ist schon wieder frei…