Olá ihr Lieben!

Auf diesem Blog könnt ihr meinen Auslandsaufenthalt in Brasilien hautnah miterleben. Ich bin am 21.07.2010 in Fortaleza angekommen und habe ab August ein Semester an der Universidade Federal do Ceará studiert. Das ist nun seit dem 2. Dezember abgeschlossen.
Nachdem ich im Dezember 3 Wochen lang eine Pause von Brasilien in New York genommen habe, habe ich mich entschieden nach Rio de Janeiro zu gehen. Hier mach ich nun seit Mitte Januar ein Praktikum und lebe und arbeite an der Copacabana. Ich werde versuchen wenigstens wöchentlich ein Lebenszeichen von mir zu
senden, freue mich aber auch ab und an mal etwas von euch zu hören.
Viel Spaß beim Lesen und Kommentare posten!
Té mais,
Cindy!


Freitag, 20. August 2010

Fazit - Ein Monat Brasilien

So, der erste Monat ist geschafft und es ist Zeit für eine kleine Zusammenfassung der ersten Eindrücke und Beobachtungen.
Im Moment fühle ich mich immer noch wie im Dauerurlaub und wenn die restlichen Monate auch so schnell vergehen, dann bin ich ja fast übermorgen schon wieder am Flughafen in Leipzig, hihi. Mal im Ernst, der erste Monat war geprägt von einigen ups and downs - vom ganzen Organisationsstress am Anfang zur „großen“ Langeweile bevor die Uni losging und nun von Tagen, die viel zu kurz sind und eigentlich 36 und mehr Stunden haben müssten – aber ich glaube so hat sich alles ganz gut eingependelt. Jetzt muss es nur noch mit dem Portugiesisch besser werden und alles ist perfekt. Natürlich wär es perfekter, wenn noch ein paar wichtige Menschen hier wären, aber mit Vani und Cathleeni kann man es auch ganz gut aushalten. :-)
Ich werde jetzt einfach mal wirr und ohne Zusammenhang ein paar Sachen schreiben, die mir hier so an Land und Leuten aufgefallen sind. Angefangen beim großen Abenteuer Bus fahren. Also man sucht sich eine Bushaltestelle, die gern auch mal nur aus einem kleinen, leicht übersehbaren Schildchen besteht und dann wird gewartet. Gewartet wird deswegen, weil es einfach keinen Busplan, so wie wir ihn von zu Hause gewöhnt sind, gibt. Also starrt man die ganze Zeit in die Richtung, aus der der Bus dann irgendwann mal kommen müsste. Sich mit anderen Sachen, wie lesen, zu beschäftigen wäre äußerst verheerend, denn dann fährt der Bus mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Haltestelle vorbei. Gehalten wird nämlich nur, wenn jemand aussteigen will oder wenn man seinen Arm in die Luft streckt und wedelt. Dann springt man nicht vorn sondern hinten auf und sollte sich sofort ordentlich festhalten, denn es wird keine Rücksicht auf Verluste genommen und sobald der letzte Fuß im Bus ist, geht es los, egal ob die Tür noch offen ist oder nicht. Dann bezahlt man seine R$ 1,80 beim Kassierer und darf das Drehkreuz passieren. Nun muss man sich nur noch zu einem freien Sitz hangeln und man hat den ersten Teil überstanden, allerdings ist es sehr empfehlenswert sich trotzdem bei jeder Kurve gut festzuhalten, denn auch bei Kurven geht man hier nicht vom Gas. Die rasen wirklich durch die Straßen als geht es um Leben und Tod. Witzig ist nur ein Schild, was über dem Fahrer hängt „Seu filho tambem anda na rua“ (Dein Kind spielt auch auf der Straße), also sehr zu mögen scheinen die ihre Kinder nicht. Wenn man dann weiß, wo und wann man aussteigen möchte, sollte man sich frühestmöglich bereit machen, d.h. wieder von Stange zu Stange in Richtung Tür hangeln. Rote Knöpfen zum Halten gibt es eher selten, meist hängt einfach eine Schnur an der Decke, die dann eben auch nur die großen erreichen können. Haltestellen werden mit Höchstgeschwindigkeit angefahren, die Türen noch während der Fahrt aufgemacht und dann schnell abspringen… Ein sehr stressiges Verfahren.
In anderen Lebensbereichen, wo es vielleicht angebracht wäre schnell zu sein, sind Brasilianer allerdings eher langsam, zum Beispiel an Kassen in Supermärkten. Das ist mit Deutschland wirklich gar nicht vergleichbar, die sind sooo langsam. In Deutschland wird man total unter Druck gesetzt, wenn man nicht schnell genug seine Sachen einpackt und hier nimmt man sich die Zeit der Welt, man wird ja nun auch nicht mehr bezahlt, wenn man sich beeilt.
Das Brasilianer nicht wirklich pünktlich sind, ist ja nichts Neues, aber sogar in der Uni gibt es „Zeitfenster“. Generell geht eine Vorlesung immer 2 Zeitstunden, da ist die Verspätung allerdings schon einberechnet. Also es kann auch passieren, dass ein Dozent dann eben mal eine Stunde später kommt, aber dann ist das halt so. Ist nur ein bisschen doof, weil man dann schon müde ist bevor der Unterricht überhaupt losgeht.
Eine total eklige Angewohnheit von Brasilianern ist, dass sie fast nie ihre Nase putzen, sondern immer mit den ekligsten Geräuschen hochziehen. Und wenn das jemand neben dir die ganze Zeit macht, dann kann das schon mal unangenehm werden. Es wird als unhöflich empfunden sich am Tisch die Nase zu putzen, hochziehen ist besser…na wenn sie meinen.
Hier ist es auch normal, dass Kinder so lange bei ihren Eltern wohnen, bis sie heiraten. Für uns irgendwie ein kaum vorstellbares Phänomen. Allerdings führt das dazu, dass Brasilianer recht früh heiraten. In meinem einen Abendkurs sitzen total viele mit Ring am Finger (entweder links oder rechts) da fühlt man sich schon fast als Außenseiter, wenn man weder an der einen noch an der anderen Hand keinen hat. Generell reden Brasilianer auch recht offen über ihre Beziehungen, zum Beispiel gibt es von meinem Abendkurs auch eine Online-Lernplattform und da kann (eigentlich soll, aber ich finds blöd) man sich ein Profil erstellen und Sachen über sich schreiben. Da findet man dann tatsächlich Sachen wie „die Hochzeit ist geplant“ oder „ich liebe es Zeit mit meiner Frau zu verbringen…“. Das würde doch zu Hause niemandem einfallen bei Aulis (unserer Lernplattform) so etwas zu schreiben, aber okay. Es ist auch nicht üblich, dass wenn man einen Partner hat, aber noch zu Hause wohnt, man bei dem Partner übernachtet oder andersrum. Wenn man sich dann näher kommen möchte fährt man ins Motel. Und das hab ich mir nicht eben ausgedacht, das ist wirklich so, denn gestern haben das 2 von denen, die wir hier kennengelernt haben gemacht. Also hier macht der Spruch „Nehmt euch ein Zimmer“ sogar Sinn. Und da Brasilianer generell in jedem Zustand, egal ob mit 0 oder 3 Promille Auto fahren, ist das dann auch kein Problem noch nach einer Party in ein Motel zu fahren. Sehr extrem diese ganze Angelegenheit, wie ich finde.
Und welche Eigenschaft wir diese Woche noch entdeckt haben: Brasilianer sind paranoid. Wir sind abends vom Markt nach Hause gelaufen und vor uns ist eine Frau gelaufen, die dann Cathleen „cuidado!“ (Achtung) zugeflüstert und die Straßenseite gewechselt hat, weil da ein vielleicht etwas verdächtiger Typ rumstand. Oder als Cathleeni und ich mit Douglas und Thiago noch Eis essen waren, da war es dann auch schon dunkel und wir sind noch ein bisschen am Beira Mar rumspaziert. Cathleeni und ich wollten dann eigentlich nach Hause laufen, weil es wirklich nicht mehr weit war, stattdessen haben die Jungs darauf bestanden noch 10 Minuten durch die Stadt zu fahren, Sprit zu verschwenden und uns nach Hause zu bringen. Ich mein klar muss man aufpassen, aber ich glaub manchmal übertreiben sie was das angeht doch ein bisschen.
Und das Letzte, was mir noch aufgefallen ist, ist das Brasilianer generell alles in der Gruppe machen und dieses Gemeinschaftsgefühl lieben. Seien es Strandausflüge oder Restaurantbesuche, es können nie genug Menschen dabei sein. Was ja auch ganz nett ist, aber wenn ich mir es recht überlege, ist das in Deutschland einfach nicht so extrem üblich. Da trifft man sich eher mal zu zweit und ansonsten nur zu Abendaktivitäten mit mehreren.
Ok, bevor es wieder zu viel wird, hör ich jetzt auf. Mal schauen welche Überraschungen die nächsten Monate noch bereithalten!

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