So, und weiter geht's.
Am dritten Tag haben wir uns nach dem Frühstück auf eine kleine Trekking-Tour durch den Dschungel begeben. Ceciliano hat uns alle möglichen Bäume gezeigt un
d Heilpflanzen erklärt und uns Krönchen und Armbänder gebastelt. :-) Ich glaub insgesamt sind wir 3 Stunden durch den Wald gelaufen und meine (normalerweise richtig gute) Orientierung war sehr schnell verloren. Wir sind auch keine Wege oder so lang gelaufen, sondern einfach querfeldein und wenn uns etwas in den Weg kam, dann hat Cecliano das mit seinem mega Messer einfach klein gemacht. Auf dem Rückweg hat er sich dann an der Sonne orientiert und uns heil wieder zum Mittagessen gebracht. Nachmittags waren wir einfach nur mehrere Stunden mit dem Boot auf dem Wasser und haben Tiere beobachtet und Brüllaffen belauscht. Gesehen haben wir hauptsächlich irgendwelche Vögel und Tukans aber auch mehrere Affenfamilien und Delfine im Sonnenuntergang...sehr romantisch. :-)
Zum Essen waren wir wieder "zu Hause" und gegen 9 sind wir noch zu einer richtigen Amazonasparty gegangen. Das war fast schon ein kleiner Kulturschock. Den ganzen Tag lief unsere Familie dort in den ältesten Klamotten rum und dann kamen auf einmal die schicken Abendkleider und High Heels aus der Holzhütte. Da kamen wir uns dann doch etwas blöd vor in unseren Shorts und wahrscheinlich stickenden T-Shirts. :-) Die Party war der 15. Geburtstag von einem Mädchen und es waren sicher mehr als 100 Menschen da, auch wenn ich immernoch nicht weiß wo die alle herkamen. Der 15. Geburtstag von Mädchen wird hier wohl immer so groß gefeiert, warum konnte mir keiner so richtig beantworten, aber meine Vermutung, dass sie danach auf den Heiratsmarkt kommen, wurde so mehr oder weniger durch unseren Fahrer in Manaus bestätigt. Wir waren natürlich wieder die Aliens auf der Party, aber es hat trotzdem echt Spaß gemacht und es gab sooo leckeren Kuchen. :-)
Am nächsten Tag
sind wir dann zum Kautschuk machen gefahren und haben zum ersten Mal andere Touris getroffen. Nachdem wir uns kurz ausgetauscht haben, haben sich unsere Wege aber auch schon wieder getrennt und wir sind weiter zum Dorf gefahren. Das "Dorf" besteht aus einer Schule, einem Arzt, einer Kirche und 2 Tante Emma Läden, in denen aber auch die größten Flatscreens standen - Brasilien, das Land der Gegensätze. Unser Guide war dann eben kurz in der Schule die neue Präsidentin wählen und wir haben die Zeit genutzt einen Blick in die Unterrichtsräume zu werfen. Es waren übrigens gerade Ferien, weil in dem Gebiet gerade die größte Trockenzeit seit 130 Jahren herrscht.
An dem Tag hatten wir auch eine längere Mittagspause und sind erst gegen halb 4 zum nächsten Abenteuer aufgebrochen. Die letzten Nacht haben wir nämlich mitten im Dschungel in einer Hängematte verbracht. Wir sind sicher 2 Stunden mit dem Boot gefahren bis wir endlich da waren und waren dann völlig überrascht, dass da sogar schon ein kleines Lager - mit "Tisch, Bänken" und Lagerfeuer - aufgebaut war. Zum Abendessen gab es dann leckeres Hühnchen vom Grill mit mitgebrachtem Reis und Salat und Tee, den wir mit der Rinde von irgendeinem Baum gemacht haben, sehr lecker. Dann war es allerdings auch dunkel und erst gegen 7 und wir hatten keine Ahnung was wir noch machen sollten. Also haben wir eine Weile der Stille gelauscht und Ceciliano hat uns mit der Taschenlampe so eklige Tiere, die aussahen wie überdimensionale Ratten, gezeigt. Als ich die gesehen hab, hatte ich irgendwie keine Lust mehr mich in die Hängematte zu legen... Wir haben dann noch ein bisschen Karten gespielt und gegen 9 geschlafen. Das Schreckliche war auch eigentlich, dass man nachts wirklich nichts sieht. Ich bin mehrmals aufgewacht und hab neben mich in die Dunkelheit gestarrt und einfach gehofft, dass alle Tiere, die da wohnen, auch schlafen. :-)
Am nächsten Tag war Vanis Geburtstag, den wir mit einem leckeren Dschungelfrühstück begonnen haben. Danach sind wir noch zu einer Ananasplantage gefahren und haben Mango frisch von den Bäumen gegessen. Zum Mittag gab es noch einen leckeren Geburtstagskuchen, den Vani und ich zur Hälfte aufgegessen haben...wir konnten ihn ja leider nicht mitnehmen. Und danach hieß es leider auch schon wieder Abschied nehmen und auf den langen Rückweg nach Manaus machen - eine Stunde Boot, eine Stunde VW-Bus und wieder Boot. Auf dem letzten Boot haben wir 2 Engländer getroffen, die wir schon am Anfang kennengelernt haben, und mit den beiden haben wir dann auch den restlichen Tag verbracht. Unser Rückflug war morgens um 1 und der andere um 2. Also waren wir noch in Manaus im wohl nobelsten Restaurant, was uns aber auch erst bewusst wurde als wir drin saßen. Ich hab meinen Rucksack auf einen Stuhl neben mich gestellt und dann kam der Kellner und hat ihn mit einer Tischdecke abgedeckt... Und als wir Caipirinha bestellt haben, kam direkt ein Cocktailwagen angefahren und alles wurde vor unserer Nase zubereitet. :-)
Diese 4 Tage abgeschottet von allem, waren wirklich eine tolle Erfahrung. Die Natur ist traumhaft und es ist erstaunlich mit wie wenig materiellen Dingen man doch tatsächlich auskommen kann. Wir in Deutschland können uns wirklich glücklich schätzen, dass wir so ein gutes Leben führen. Dem sollte man sich einfach hin und wieder bewusst werden... :-)
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