Olá ihr Lieben!

Auf diesem Blog könnt ihr meinen Auslandsaufenthalt in Brasilien hautnah miterleben. Ich bin am 21.07.2010 in Fortaleza angekommen und habe ab August ein Semester an der Universidade Federal do Ceará studiert. Das ist nun seit dem 2. Dezember abgeschlossen.
Nachdem ich im Dezember 3 Wochen lang eine Pause von Brasilien in New York genommen habe, habe ich mich entschieden nach Rio de Janeiro zu gehen. Hier mach ich nun seit Mitte Januar ein Praktikum und lebe und arbeite an der Copacabana. Ich werde versuchen wenigstens wöchentlich ein Lebenszeichen von mir zu
senden, freue mich aber auch ab und an mal etwas von euch zu hören.
Viel Spaß beim Lesen und Kommentare posten!
Té mais,
Cindy!


Montag, 13. Juni 2011

Von Salvador bis Natal Teil 2

Auch wenn ich die Meisten von euch mittlerweile in meine Arme schließen konnte, werde ich jetzt vollständiger weise noch über den Rest meiner Reise schreiben. Eine letzte Auswahl von Fotos hab ich auch schon hochgeladen und den Bericht über den Ausflug zu den Iguacu Wasserfällen auch endlich mal veröffentlicht.

… Nachdem ich irgendwie noch den halben Tag auf Tulio warten musste, sind wir dann irgendwann gegen 15 Uhr endlich nach Olinda gefahren. Olinda ist Recifes Zwillingsstadt und war mal die Hauptstadt vom Bundesstaat Pernambuco. Olinda ist um einen Berg gebaut, ganz klar also, dass wir auf diesen Berg gefahren sind und uns von dort aus alles angeschaut haben. Wir waren in der Igreja da Sé und auf dem bekannten Platz vor der Kirche, wo es ganz leckere Tapiokas und Caipirinhas gab. Ganz klar, dass wir daran nicht vorbei gehen konnten. Während Tulio hauptsächlich mit dem Verkäufer geschnackt hat, hab ich mein Essen und den Sonnenuntergang über der Stadt genossen. Danach hatte er wieder Vorlesung und dieses Mal hab ich mich entschieden mitzugehen. Die Entscheidung hab ich allerdings ganz schnell bereut. Ich hab ganz vergessen, dass man abends in der Uni meistens Jeans bzw. lange Sachen trägt. Natürlich hatte ich nur Shorts und T-Shirt und war somit direkt wieder der Hingucker… Spannend war es aber trotzdem nach so langer Zeit mal wieder in einer Vorlesung zu sitzen und zumindest so zu tun als würde man sich interessieren. Danach sind wir noch ein wenig auf dem Campus rumgelaufen, ins Kino gegangen (Rabbit Hole, sehr trauriger Film) und damit war der letzte Abend in Recife auch schon wieder vorbei. Am nächsten Tag war ich nur nochmal in Boa Viagem am Strand, hab mit Tulio Mittag gegessen und dann hat er mich schon zur Metro gebracht. Am lustigsten war sein Vater, der dachte aus irgendeinem Grund, dass ich 2 Monate bleibe… nettes Angebot, aber nein danke. ^^ Am Rodoviaria hab ich dann Theda getroffen und sie hat mich über das Wochenende nach João Pessoa begleitet.

In João Pessoa angekommen mussten wir erstmal noch 40 Minuten mit dem Bus fahren bis wir im Manaira Hostel angekommen sind. Dann war es auch schon dunkel und wir sind nur noch ein wenig am Strand lang gelaufen und waren dann noch in einer Bar, aus der wir tatsächlich um 11 schon „ausgekehrt“ wurden. Also blieb uns nichts anderes übrig als ins Hostel zurückzukehren und Energien für den nächsten Tag zu tanken. Das war auch nötig, denn wir waren von früh bis spät unterwegs. Erst haben wir uns das historische Zentrum mit vielen Kirchen, dem Hotel Globo (erstes Hotel des Staates) und dem See angeschaut, bevor wir später zur Estação Ciencia und zum Ponto das Seixas (Foto) gefahren sind. Die Estação Ciencia ist ein von Oskar Niemeyer entworfenes Wissenschaftszentrum und der Ponto das Seixas ist der östlichste Punkt von ganz Amerika. Von dort konnte man fast schon Afrika sehen. ^^ Gegen 18 Uhr sind wir ganz hungrig zurück Richtung Hostel gelaufen, aber alles was wir gut fanden war irgendwie noch geschlossen. Also ist es doch wieder Açai geworden und zwar das Beste überhaupt. Ich hab ja vorher schon viel über Açai da Quadra gehört, aber das hat tatsächlich all meine Erwartungen übertroffen. Nur Thedas wahrscheinlich nicht, denn gerade als wir abends Tickets fürs Kino kaufen wollten ging es ihr nicht mehr so gut und wir mussten dringend wieder zurück zum Hostel. Schade, aber das kann ja immer mal passieren.

Am nächsten Tag haben sich unsere Wege leider schon wieder getrennt. Theda ist zurück nach Recife gefahren und ich hab mich weiter Richtung Norden begeben. Mein nächster Stop war Praia da Pipa, ein relativ kleiner paradiesischer Ort am Strand. Um dorthin zu kommen wurde ich allerdings mal wieder irgendwo im nirgendwo aus dem Bus geworfen und musste selbst schauen wie es weitergeht. Da kam dann auch schon wieder der Europäerin-Bonus zum Einsatz. Einer hat mich gleich zur Van Haltestelle geführt und ein anderer wollte meine Tasche tragen, aber nein danke…selbst ist die Frau. Nach einem kleinen Marsch durch den Ort und einer 45-minütigen Van Fahrt bin ich auch endlich angekommen. Leider hat es geregnet und ich hab schon schwarz gesehen für die nächsten 2 Tage. Aber als ich am nächsten Morgen um 8 aufgewacht bin schien die Sonne, also Badesachen an, frühstücken gehen und ab an den Strand. Beim Frühstück haben Tiago und Manuel (2 Brasilianer aus dem Süden) mich gefragt ob ich mit ihnen zum Strand will und da hab ich natürlich nicht nein gesagt. Sie waren schon länger dort und konnten mir natürlich auch gleich alles zeigen. Zuerst sind wir zur Baia dos Golfinhos gegangen. Dort kann man aufgrund der Ebbe und Flutzeiten nur morgens und dann erst spät wieder hin und dort gibt es Delfine! Das war echt total cool, man schwimmt im Meer und dann tauchen plötzlich Delfine neben dir auf. Ein typischer Mädchentraum. :) Danach sind wir am Praia do Centro (Stadtstrand) entlang spaziert und am Praia do Amor (Strand der Liebe) haben wir uns in eine Bar gesetzt und den restlichen Tag genossen. Es gab leckeres Agua de Coco, Caipi und zu guter Letzt auch noch lecker Shrimps. Während Tiago geschlafen hat bin ich mit Manuel noch ein wenig spazieren gegangen und dann mussten wir auch schon zurück, weil die Jungs am gleichen Tag noch abgereist sind. Sehr schade, denn es war ein wirklich entspannter Tag mit den beiden, aber zumindest Manuel hab ich dann 2 Tage später nochmal im nächsten Ort getroffen. Abends war ich dann ein wenig shoppen und hab noch einen Film geschaut mit den Mädels aus meinem Zimmer. Am nächsten Tag habe ich das gleiche Programm durchgezogen, aber so wie ich es wollte. An der Baia dos Golfinhos ist ein Delfin ganz nah an mir vorbei geschwommen, dann hab ich mich erstmal ein wenig gesonnt, dann bin ich zurück gelaufen hab mich in so kleine natürliche Pools gelegt und gelesen und bin am Praia do Amor in keine Strandbar gegangen sondern in den Sand und hab die Sonne in vollen Zügen genossen. Das war einfach paradiesisch, keine Menschen, lange Sandstrände, die Sonne und das Meer. Nur die Anwesenheit von Freunden hätte das noch toppen können. ^^

Am nächsten Morgen hieß es leider schon wieder Abschied nehmen und mit Sack und Pack durch den ganzen Ort zum Bus hetzen. Die Dusche am Morgen hätte ich mir sparen können und der Bus kam natürlich auch zu spät, aber naja. An der Bushaltestelle hab ich Mathieu kennengelernt. Mathieu kommt aus Frankreich und wurde meine Reisebegleitung für Natal.

Wir haben beide im Lua Cheia, einem schlossartigen Hostel in Natal, eingecheckt. Ich hab erstmal geduscht und die Dusche kaputt gemacht und dann sind wir direkt zum Strand in Ponta Negra gegangen. Danach haben wir uns noch ein wenig das Zentrum angeschaut, da es aber schon dunkel war und uns eine Frau gewarnt hat, dass dort an dem Tag schon mehrere überfallen worden hatte ich irgendwie nicht mehr so viel Lust dort umher zu laufen und konnte ihn überreden wieder zurück zu fahren. Den Abend haben wir dann wieder am Strand verbracht erst mit einem Caipi und dann noch mit Pizza. Als wir wieder ins Hostel zurück gekommen sind, sind auf einmal alle mit Kerzen umher gelaufen… coole Idee, dachte ich mir, bis ich gemerkt hab, dass Stromausfall ist. Aber das hatte auf jeden Fall was, überall im Schloss standen Kerzen. Das einzig Doofe war nur, dass im kompletten Viertel Stromausfall war und das war auch das Partyviertel. Wir haben zwar versucht noch etwas zu finden, aber leider erfolglos, also gab es nur noch einen Caipi und das war’s. Am nächsten Morgen wurde ich von so lustiger Schlossmusik geweckt und beim Frühstück habe ich total viele bekannte Gesichter gesehen. Eine aus João Pessoa, eine aus Natal und Manuel. Das war echt witzig. Mathieu wollte an dem Tag irgendeine Bootstour machen, aber darauf hatte ich keine Lust, weil das Wetter nicht sooo gut war. Also habe ich mich entschieden allein zur Burg von Natal zu fahren. Als ich an der Rezeption gefragt hab, wie ich dahin komme, hätte ich es mir fast schon wieder anders überlegt. „Du musst den Bus nehmen und dann noch ein Taxi, wenn du da allein rumläufst ist das zu gefährlich!“ Wollte ich das wirklich an meinem letzten Tag riskieren? Naja, bisher ist nix passiert also wird das schon. Ich hab erst den Bus genommen, den sie mir vorgeschlagen hat und dann noch einen anderen und den Rest bin ich gelaufen. Ok, es war vielleicht ein wenig gefährlich, aber auch nur weil da absolut niemand war und wäre jemand gekommen, hätte ich wohl ein Problem gehabt, aber naja. Von der Forte dos Reis Magos (Festung) hatte man eine super Aussicht auf die Stadt und die umliegenden Dünen. Von Natal aus kann man mit einem Buggy am Strand entlang bis nach Fortaleza fahren. Hätte ich mehr Zeit gehabt, hätte ich das wohl gemacht, aber man braucht ja auch immer einen Grund irgendwann mal zurückzukommen. Von der Festung bin ich dann ewig weit zurück gelaufen bis ich irgendwann die Bushaltestelle in die richtige Richtung gefunden hab und da war die Gegend tatsächlich nicht die Beste, aber alles was die Menschen gemacht haben ist doof geschaut, also alles gut. Im Hostel hab ich Mathieu wieder getroffen. Er hat mich und meine Tasche noch zum Bus gebracht und dann hab ich mich verabschiedet. Am Rodoviaria gab es noch eine Stärkung bevor ich mich auf die 20-stündige Rückfahrt nach Salvador begeben hab. Die war gar nicht so schlimm, wie ich sie mir vorgestellt hab. Es war irgendwie witzig an all den Orten, die ich vorher in 16 Tagen besucht habe, noch einmal vorbei zu fahren.

Gegen 13 Uhr bin ich an meinem letzten Freitag in Brasilien in Salvador angekommen. Tatjana hat mich an der Bushaltestelle abgeholt und der komplette Tag wurde eigentlich vergammelt. Irgendwann sind wir noch einkaufen gegangen, ich hab Nudelsalat gemacht und von ihr sind noch ein paar Freunde vorbei gekommen, die Musik gemacht haben. Gegen 23 Uhr ist auch Annabelle aus Rio angekommen und unser letztes gemeinsames und typisch brasilianisches Wochenende konnte beginnen. Samstagmorgen wurde mit einem Bananen-Milchshake in den Tag gestartet, danach ging es zum Nägel machen und zum Wachsen. Das war natürlich schon wieder viel zu anstrengend: Zeit für eine Pause bei Sonhos Doces (Süße Träume) und für ein riesiges Stück Torte. Danach stand Sightseeing auf dem Programm. Annabelle hat ja ihr Auslandssemester in Salvador gemacht und konnte mir somit alles zeigen: die Cidade Alta mit Pelourinho, Praço de Sé, Praça de Geronimo, Kloster, Kirchen, Palacio do Governo und den Elevador (Fahrstuhl). Der Elevador (Foto) verbindet die Cidade Alta (oben) mit der Cidade Baixa (unten) und er wird benutzt, weil es dazwischen in den Straßen zu gefährlich ist. Also anstatt diese Gegend sicher zu machen, baut man eben einen Fahrstuhl, macht irgendwie keinen Sinn für mich, aber okay. In der Cidade Baixa waren wir noch im Mercado Modelo, einem typischen Touri Markt und dann sind wir wieder zu Tatjana gefahren. An meinem letzten Abend waren wir 3 Mädels nochmal in einer ordentlichen Churascaria bei einem Fleisch All you can eat. Das war super lecker und wir 3 deutschen hatten mal wieder den Bonus und die Kellner auf unserer Seite. So viel Fleisch konnten wir gar nicht essen… Danach waren wir noch in Rio Vermelho auf dem Praça da Dinha. Das war so ein kleiner Platz mit vielen Bars und vielen Menschen. Ein gelungener letzter Abend. An meinem vorerst letzten Tag in Brasilien haben alle ausgeschlafen und ich hab die Zeit genutzt meine Tasche zu packen. Dann war ich mit Annabelle noch in Barra. Es gab ein letztes Açai und ein letztes Mal Strand am Leuchtturm von Barra, bevor wir später zusammen zum Flughafen gefahren sind und sich unsere Wege dort getrennt haben. Für Annabelle ging es zurück nach Rio und für mich zurück nach Hause. 10 Monate hab ich auf den Tag gewartet und da war er dann urplötzlich!

Mittlerweile bin ich schon wieder 3 Wochen in Deutschland und vermisse Brasilien dank der besten Freunde (& natürlich Familie) der Welt gar nicht. Es war eine wahnsinnig tolle Zeit mit vielen verschiedenen Erfahrungen, die ich auf keinen Fall missen möchte, aber zu Hause ist es eben doch am schönsten. Bis 2014, Brasilien!

Somit ist dies auch das Ende von meinem Blog. Danke an alle fleißigen Leser! Dieser Post ist nochmal extra lang, hihi. In einer Woche fliege ich für 2 Monate nach New York. Vielleicht werde ich darüber hier auch ein wenig schreiben, aber das weiß ich noch nicht.

Beijo! :-)

Sonntag, 12. Juni 2011

Foz do Iguaçu

Bevor ich mich endgültig in meinen Abschlussurlaub verabschiede kommen hier eben noch ein paar Zeilen über das letzte Wochenende.

Freitagabend haben Annabelle und ich uns zu unserer ersten gemeinsamen Flugreise am internationalen Flughafen getroffen und sind nach Iguaçu geflogen. Der Fluss Iguaçu ist circa 600km lang und stürzt in Foz in die Tiefe. Es entstehen ungefähr 275 einzelne Wasserfälle, die insgesamt breiter als die Victoria-Fälle und höher als die Niagara-Fälle sind.

Dank Ada Tours, meinem tollen Praktikum dort und den Kontakten, die ich geknüpft habe, war das Wochenende fast kostenlos für mich. Ich konnte uns beiden ein ordentliches Hotelzimmer und zumindest mir ein kostenloses Programm für Samstag organisieren. So wurden wir also am Samstagmorgen nach einem leckeren Frühstück von unserem Guide Wesley abgeholt und zum Vogelpark gefahren. Anfänglich war ich ja schon ein wenig skeptisch… Vogelpark, aber es war echt super interessant und ich habe noch nie so viele bunte und schöne Vögel gesehen. Gegen Ende konnte man (ganz touri-mäßig) auch selbst einen Papageien halten. Meiner hieß „Diva“ und hatte Spaß daran an meinem Armband zu knappern…

Danach sind wir in den Nationalpark Iguaçu gegangen um uns endlich die Wasserfälle anzuschauen. Die Tickets dafür hatte Wesley uns in der Zwischenzeit schon organisiert und vorbei gebracht. Wir konnten also direkt in einen der vielen Doppeldeckerbusse steigen und uns zu dem Trilha das Cataratas (Wasserfallweg) fahren lassen. Und uns wurde tatsächlich nicht zu viel versprochen. Die Fälle sind gigantisch und super schön. An einer Stelle kann man auf einem Steg bis in die Mitte des Flusses laufen, sodass man scheinbar ganz von der Gewalt der stürzenden Wasser umgeben ist. Alle anderen haben sich Regenjacken angezogen und wir waren mutig und haben es auch ohne relativ trocken überstanden. Danach haben wir den Panoramaaufzug genommen, uns die Fälle von oben angeschaut und eine Pause gemacht. Wie wir da so saßen ist mir dann aufgefallen, dass mein Arm voller roter Kratzer war…blöder Papagei. Nach der kurzen Cracker und Erdbeersaft – Stärkung stand die Macuco-Safari auf dem Plan. Der Trip hat mit einer Fahrt durch den Dschungel begonnen, dann gab es eine kleine „Wanderung“ (in unseren Augen eher Spaziergang) und dann kam das Highlight: Speedboot fahren. Wieder haben sich alle umgezogen und gegen Nässe geschützt. Annabelle und ich natürlich nicht. Ganz nach der Devise, dass vorher auch alles gut ging wird uns jetzt sicher auch nichts passieren. Nach dem Hinweis, dass es ganz vorn am meisten Spaß macht, haben wir uns ganz mutig dahin gesetzt und ab ging es. Anfänglich war alles noch spaßig und der Kameramann hatte auch keine Regenschutzsachen an, aber als er sich dann einen kompletten Anzug angezogen hat, wurden auch wir ein wenig stutzig. „So, packt eure Kameras weg, jetzt wird’s nass.“ Und das wurde es auch, und zwar so richtig, aber es war ein Heidenspaß. Durchnässt bis auf die Unterwäsche haben wir uns zum Ausgang begeben und Wesley hat zum Glück schon auf uns gewartet und ist erst einmal eine heiße Schokolade mit uns trinken gefahren.

Im Hotel war dann Zeit für ein kleines Spätmittagspäuschen, bevor wir am Abend für die Rafain – Dinner – Show abgeholt wurden. Das war auch so eine richtig typische Touristen – Abendunterhaltung, die wir wahrscheinlich sonst nie gemacht hätten, aber es war ja kostenlos. Also haben wir uns unzählige Male auf das Buffet gestürzt und uns die lateinamerikanische Unterhaltungsshow angeschaut. Danach wurden wir wieder abgeholt und das war es leider mit dem organisierten Programm.

Für Sonntag mussten wir uns also selbst etwas überlegen und nach langem Hin und Her haben wir uns entschieden mit dem Bus zum Itaipu Staudamm zu fahren. Dort ist das größte Wasserkraftwerk Südamerikas und es gehört zur Hälfte zu Paraguay und zur Hälfte zu Brasilien. Sozusagen haben wir mal eben einen Abstecher nach Paraguay gemacht. Mit einem Bus wurden wir durch das Gelände gefahren und haben mehrere Stops gemacht. Die ganze Anlage ist unvorstellbar groß und wird schon extrem touristisch genutzt. Es gibt verschiedene Touren und abends sogar Lichtershows… Nach unserer üblichen Cracker Pause haben wir uns wieder in den Bus gesetzt und sind zurück in die Stadt gefahren. Vom Busbahnhof mussten wir noch ein wenig laufen und uns ist aufgefallen, dass einfach nichts los war. Wahrscheinlich lag es daran, dass Nebensaison war, aber es gab einfach nichts zu machen, die Straßen waren leer und total viele Restaurants geschlossen. Da unser Rückflug am nächsten Morgen um 6 war, haben wir uns kurzerhand entschlossen schon früh schlafen zu gehen. 19 Uhr hat Annabelle gute Nacht gesagt und gegen 20 Uhr hab ich dann auch das Licht ausgemacht. ^^ So waren wir aber auch am nächsten Morgen ausgeschlafen, konnten erst ins Taxi und dann ins Flugzeug steigen und direkt von der Arbeit zum Praktikum fahren. Ein gelungener letzter Wochenend - Trip!

Mittwoch, 11. Mai 2011

Von Salvador bis Natal Teil 1

So, nun bin ich schon über eine Woche unterwegs und es ist Zeit für einen Zwischenbericht.
Meine letzten beiden Tage in Rio habe ich dazu genutzt noch einmal alle zu treffen. Montagabend gab es also ein letztes Mal Pizza Rodizio in grosser Runde und danach ging es mit Hans, Florian, Tatjana und Annabelle auf ein Abschiedsbier in eine Bar fast am Strand. Dienstag hiess es nur Sachen packen, nochmal mit allen skypen, Annabelle zum Mittag im anstrengend wuseligen Zentrum treffen und ab zum Flughafen. Die Reise konnte beginnen.
In Salvador angekommen stand ich direkt vor dem ersten Konflikt, dem Taxifahrer Konflikt. Es haben sich sozusagen zwei um mich gestritten, einer meinte er wär offiziell und ich solle nicht mit dem anderen fahren und der andere wurde immer günstiger. Da er mir aber doch ein wenig suspekt war, hab ich mich einfach für die teuere Variante entschieden. Sicher ist sicher. Die erste Nacht habe ich bei Tatjana, einer Freundin von Annabelle, verbracht. Sie war super nett und mein Zimmer war auch perfekt, aber ich war nur einige Stunden da, denn am nächsten Morgen bin ich schon aufgebrochen.
Mein erstes Ziel - Aracaju - habe ich ohne Probleme nach einer 5 stündigen Fahrt erreicht. Aracaju ist die Hauptstadt vom Bundesstaat Sergipe, relativ klein und wuselig. Nachdem ich im Grande Hotel eingecheckt hab, bin ich noch ein wenig durch die Stadt gelaufen, hab im Mercado Central Açai gegessen und mir noch 30 Minuten Internet für 40 ct gegönnt: willkommen im Nordosten.
Beim Frühstück am nächsten Morgen wurde ich von einer Frau angesprochen, die mich unbedingt dazu überreden wollte in Aracaju zu studieren...nein danke. Da es in der Stadt wirklich nichts weiter gab, hab ich nach einem kurzen Spaziergang Sachen gepackt und mich auf den Weg nach Maceió gemacht. Alles in allem war Aracaju aber echt angenehm, es gab keine Touristen und ich wurde erstaunlich wenig angesprochen. So macht das Spass. :)
In Maceió bin ich relativ spät angekommen, also habe ich mir mal wieder ein Taxi gegönnt. Leider hat mich dann mein geliebter Reisebegleiter, der Lonely Planet, zum ersten Mal im Stich gelassen. Ich wollte im Mar Amar Hostel einchecken, aber irgendwie war da niemand. Nach mehrmaligem Sturmklingeln hat dann ein Typ, der gerade noch dabei war sein Hemd zuzuknöpfen und dem kurz später eine Frau gefolgt ist, die Tür geöffnet. Das war mir doch irgendwie suspekt und ich hab mich wieder verabschiedet. Zum Glück hat der Taxifahrer auf mich gewartet und mich dann zum Algamar Hostel gebracht. Er hatte zwar schon einen neuen Gast, aber der ist netterweise wieder ausgestiegen. :)
Am nächsten Tag schien zum ersten Mal richtig die Sonne, klar das es für mich nur ein Ziel gab: Strand. Sehr lange war ich da natürlich nicht allein. Arthur hat mir irgendwann Gesellschaft geleistet, was ja an sich ganz nett ist, aber leider wollen die meist nicht nur reden und dann gehen unsere Interessen schlagartig seeeehr stark auseinander. Blöderweise hat mich dann auch noch eine Qualle angegriffen und einmal meinen Fuss umzingelt...AUTSCH. Nachdem ich genug von Arthur hatte bin ich zurück zum Hostel gegangen um dann noch einen langen Spaziergang durch Maceió zu machen. Eigentlich wollte ich auch ins Zentrum und zum Markt, aber dann wurde es schon langsam dunkel und ich hab mir lieber den Sonnenuntergang am Strand angeschaut. Abends hab ich irgendwelchen Jungs beim Beachvolleyball zugeschaut und bin noch ein wenig umher gelaufen, bis ich wieder von welchen angesprochen wurde und dann den Abend mit denen in einer Strandbar verbracht hab. Maceió ist echt eine tolle Stadt, an sich wie Fortaleza nur ein bisschen schöner. :)
Am Samstag ging es dann zum ersten wirklichen Strandort: Porto de Galinhas. Eigentlich sind die Reisebusse hier in Brasilien echt super, aber das schien ein normaler Bus gewesen zu sein und am Anfang hat mir das so gar nicht gefallen: kein Schlaf, keine Klimaanlage und viel Gewusel. Aber man gewöhnt sich ja bekanntlich an alles und dann hab ich es einfach als eher typische Erfahrung gesehen. Die Landschaft war super schön und verschieden (sonst hab ich das ja immer verschlafen) es gab Berge, Mangrovenwälder, kleine Strohhüttendörfer... In Ipojuca wurde ich dann "aus dem Bus geworfen" und war so ziemlich im Nirgendwo. Der Exotenstatus gehörte mal wieder mir... Irgendwann kam dann aber auch der Bus nach Porto und ich wurde befreit. Im Bus hat man mal wieder gar nicht verstanden warum ich da jetzt allein rumreise und mich gefragt ob ich da Familie habe...klar. :) In Porto angekommen bin ich erstmal ein wenig durch den Ort geirrt bevor ich endlich das La Rocca Hostel gefunden habe. Anfänglich war mir das Hostel ein wenig suspeekt, weil es fast nur Männer gab. Also hab ich erstmal ein wenig den Ort erkundet und war allein im Restaurant Crepes essen. Es war die Hölle, man wird einfach noch dümmer angeschaut und nie, nie wieder werde ich allein den Fuss in ein Restaurant setzen. Irgendwann hab ich mich dann allerdings doch der Situation gestellt und bin wieder ins Hostel gegangen und es war echt nett. Ich hab erstmal 2 Stunden mit dem argentinischen David geredet, mit dem ich die erste Nacht mein Zimmer geteilt hab und dann haben wir noch alle zusammen einen Film geschaut.
Da das Wetter nicht sooo gut war, wollte ich am nächsten Tag eigentlich ein wenig am Strand spazieren, aber dann hat mich der Hostel-Besitzer gefragt ob ich mit schnorcheln möchte und da hab ich natürlich nicht nein gesagt. Porto de Galinhas ist bekannt für seine piscinas naturais (Gezeitenpools) in den Korallenbänken und das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Leider stand ich dann doch vor einer kleinen Herausforderung, denn man musste erstmal zu den Pools schwimmen. Die Wellen waren hoch, das Wasser salzig und meine Augen brannten, sodass ich fast schon aufgegeben hätte, aber aufgeben gibt es ja nicht, also durchbeissen. :) Irgendwann sind wir an den Riffs angekommen und mussten noch ein wenig laufen. "Pass auf, hier gibt es so schwarze Tiere mit Stacheln." Hm, na toll, da waren überall dunkle Flecken woher sollte ich denn jetzt wissen was so ein Tier ist und was nicht, aber zum Glück ist nichts passiert. Am Ende hat sich jede Mühe gelohnt und es war echt toll. Das Riff und gaaaanz viele bunte Fischis, leider habe ich keine Fotos, aber naja. Man kann dort auch mit Booten hinfahren und seine Kamera mitnehmen, aber da hat die kleine Challenge schon mehr Spass gemacht. Nach circa 3 Stunden im Wasser war es dann auch irgendwann genug und wir sind wieder zurück geschwommen. Der Rest des Tages wurde der Hängematte gewidmet und später 3 Filmen im Wohnzimmer.
Leider wurde das Wetter auch am nächsten Tag nicht besser, sodass ich wieder in der Hängematte hing, ein Stündchen mit Annabelli telefoniert hab und fast 5 Stunden am Strand spazieren gegangen bin. Bis auf den Wind und den kontinuierlichen leichten Nieselregen - war bis auf die Palmen fast ein wenig Nordsee-Feeling - war das auch echt schön. Der Strand war echt schön und menschenleer. Als ich nach 4 km am Maracaipe Fluss angekommen bin, hab ich eine kurze Pause gemacht und einfach nur die Ruhe genossen. Auf dem Rückweg gab es so ein paar umherstreunende Hunde, das war etwas beunruhigend, aber ich bin einfach im Wasser gelaufen, denn da trauen sie sich nicht hin. ^^ Später kam sogar doch noch ein wenig die Sonne raus, also hab ich die Zeit genutzt und die Surfer im Sonnenuntergang beobachtet. Dann war ich allerdings doch wieder bereit für ein bisschen Menschen um mich und bin wieder zum Filmabend ins Hostel gegangen.
Am nächsten Tag hat David mir noch so ein lustiges, buntes Hostel gezeigt und dann hab ich mich auf den Weg nach Recife gemacht. Porto de Galinhas wurde angeblich 10mal hintereinander (die Zahlen schwanken) zum schönsten Strand Brasiliens gewählt. Ja, er ist schön, aber ich finde echt, dass es bessere gibt. Vielleicht ist das alles auch nur eine Marketing-Masche, denn dort werden immer mehr Hotels und Resorts gebaut...die müssen ja auch irgendwie gefüllt werden.
In Recife angekommen hat Tulio (ein Freund, der schon in Bremen studiert hat) mich abgeholt und wir sind erstmal zu ihm gefahren. Erster Eindruck: YEAH. Er wohnt noch bei seinen Eltern, im besten Viertel, das Gästezimmer ist mir und das Essen steht immer auf dem Tisch. :) Wir sind dann ein wenig am Strand von Boa Viagem spazieren gegangen und waren im Camarada lecker Shrimps essen und Caipi trinken. So lässt es sich leben.
Morgens hat er immer Uni, also hab ich auf ihn gewartet und in der Zwischenzeit mit seiner Schwester geredet, dann gab es Mittag mit der ganzen Familie und später sind wir ins Zentrum gefahren und haben uns Recife Antigo (das alte Recife) angeschaut. Recife wird dank seiner vielen Flüsse auch als Venedig Brasiliens bezeichnet, also mussten wir natürlich auch eine Bootfahrt machen. Ich hab ja vorher nicht so gute Sachen über die Stadt gehört, aber die Sachen, die ich bisher so gesehen habe, finde ich echt schön. Nach der Bootfahrt sind wir noch ein wenig rumgelaufen, waren etwas essen und dann hatte Tulio wieder Vorlesung und ich hab mich mit Theda (einer Freundin aus Bremen) getroffen. Wir waren in einer Bar und irgendwann kam ihr Freund noch mit Freunden dazu und Tulio auch und es wurde immer lustiger.
Jetzt warte ich gerade wieder auf Tulio und sobald er zurück kommt, fahren wir nach Olinda...

Der Countdown läuft, in 10 Tagen flieg ich los... juhuuu! :-*

Dienstag, 3. Mai 2011

Abwesenheitsbenachrichtigung

So, ich bin dann mal weg und bis zu meiner Ankunft in Deutschland nur begrenzt erreichbar.
Meine Route seht ihr hier:
Jetzt muss ich zum Flughafen, ich meld mich bei Gelegenheit!

Ich freu mich sehr auf die nächsten Wochen und umso mehr auf den 23.5.!

3.5.: A - Salvador
4.5.: B - Aracaju
5.5. & 6.5.: C - Maceió
7.5. - 9.5.: D - Porto de Galinhas
10.5. - 12.5.: E - Recife & Olinda
13.5. & 14.5.: F - João Pessoa
15.5. - 17.5.: G - Praia da Pipa
18.5.: H - Natal
19.5. Rückfahrt
20.5. - 22.5.: A - Salvador
23.5. HOME, SWEET HOME

Mittwoch, 27. April 2011

Ostern ohne Osterhase & Ostereier

Dieses Osterwochenende hatte ich satte 4 Tage frei, genau wie ihr nur schon einen Tag eher beginnend. Ab Donnerstag war also Ostern angesagt, nur davon hab ich davon eigentlich gar nichts gemerkt. Ostern ist ja in Deutschland schon keine sooo große Sache und demnach war es hier ohne Familie und ohne Schokolade eigentlich gar nichts. Aber über 4 freie Tage beschwer ich mich natürlich nie.

Am Donnerstag haben Annabelle und ich also die Zeit genutzt und den Lonely Planet Stadtspaziergang im Centro gemacht. Eigentlich sollte man den nur werktags machen, aber wenn man zur arbeitenden Bevölkerung gehört geht das nun mal leider nicht. Nach beidseitiger Verspätung haben wir uns irgendwann gefunden und unsere Tour am Praca Floriano getroffen. Dort ist auch das Theater und das Kulturzentrum der Justiz, indem wir uns die aktuellen Ausstellungen angeschaut haben. Leider war trotzdem Feiertag und so ziemlich geschlossen. So auch die Nationalbibliothek. Schade. Die hätt ich mir echt gern von innen angeschaut, aber naja. Die erste Pause haben wir in einem Jugendstilcafe gemacht, die zweite nach einem Spaziergang durch Saara (Foto oben), einem libanesischem Viertel, im Campo de Santana Park. Zum Abschluss haben wir uns noch die Metropolitana Kathedrale und ihre tollen Buntglasfenster angeschaut, bevor wir uns auf den Weg zur Bonde gemacht haben. Die Bonde fährt vom Zentrum nach Santa Teresa und ist die einzig übriggebliebene Straßenbahn in der Stadt. Nach ca. 1,5 stündiger Wartezeit konnten wir dann auch endlich losrattern. Die Fahrt an sich war echt spannend, aber in Santa Teresa gab es dann nicht sonderlich viel zu sehen. Es war ganz niedlich, aber mehr auch nicht.

Freitag wollten wir mal wieder dem Feiertagschaos in Rio entfliehen und uns früh auf den Weg nach Cabo Frio, einem kleineren Strandort, machen, nach leichten Kommunikationsschwierigkeiten und dummen Zufällen konnten wir dann allerdings doch erst um 11 losfahren. Angekommen sind wir gegen 14 Uhr und dann hatten wir noch entspannte 3,5 Stunden bis zur Rückfahrt… Als erstes waren wir im Acai-Paradies. Acai ist eine sorbetartige aus den Acai Beeren. Verdammt lecker und das gibt es im ganzen Land eigentlich an jeder Ecke. Danach sind wir ein Stündchen an den tollen, aber sehr überfüllten Strand gegangen bevor wir uns noch ein bisschen die Stadt angeschaut haben und uns wieder in den Bus gesetzt haben… Abends hieß es dann noch ein letztes Mal in Lapa feiern. Zusammen mit Cristina, Maartje und Jessica war ich in einem Funk Club. Auf jeden Fall interessant wie Brasilianer bei verdammt ordinären Texten so feiern können. Das war mal wieder eine neue Erfahrung, aber ich glaube einmal reicht auch.

Samstag hatte ich meinen letzten gemütlichen Bundesliga Vormittag. Danach bin ich mit Cristie an den Praia Vermelha, meinen Lieblingsstrand in der ganzen Stadt gegangen. Da sind viel weniger Touristen als in Copa oder Ipanema, es gibt kaum Wellen und man hat eine tolle Aussicht auf den Zuckerhut. Wenn man dann da so im Sand sitzt, brasilianische Musik der Nachbarn läuft und man so aufs Meer hinausschaut, kann es einem kaum besser gehen. Später waren wir noch im Shopping Center, aber ohne Geld macht das bekanntlich keinen Spaß. Also haben wir uns einfach einen schönen Abend zu Hause gemacht.

Sonntag hab ich mich dann wieder mit Anna getroffen und wir waren am Forte de Copacabana. Dies galt als eine der wichtigsten Verteidigungsanlagen von Rio, die man sich immer noch im Original anschauen kann und von wo aus man einen tollen Blick auf Copa und die Umgebung hat. Danach sind wir zum Strand nach Barra da Tijuca gefahren, ebenfalls um dem Gedränge zu entfliehen. Als wir angekommen sind, hat sich nur leider der Himmel immer mehr zugezogen und es hat auch nicht lange gedauert und es fing an zu regnen…. So viel zum Thema Strandtag.

Das war dann auch schon mein mehr oder weniger unspektakuläres Ostern. Am Freitag hat meine Vermieterin auch beschlossen auszuziehen, wenn wir alle weg sind, das heißt sie hat schon mal angefangen wahllos und als allererstes Geschirr wegzupacken. Ist klar…hätt ich auch als Erstes gemacht. Cristina ist nun schon am Montag ausgezogen und die Mexikanerin heute. Langsam wird es leer und einsam, allerhöchste Eisenbahn also nach Hause zu kommen. Ich freue mich auf jeden einzelnen von euch!

Donnerstag, 21. April 2011

BH & Ouro Preto

Letztes Wochenende hat uns mal wieder die Reiselust gepackt und Annabelle und ich haben uns auf den Weg nach Minas Gerais gemacht. Dies ist der Bundesstaat nördlich von Rio, der durch recht hohe Mineralvorkommen einen ausgeprägten kulturellen und architektonischen Reichtum erlangt hat. Es gibt dort zwar keine Strände, aber dafür gutes Essen.

Freitagabend gegen 22:30 Uhr haben wir uns also mal wieder in einen Bus gesetzt und sind ca. 7 Stunden durch die Nacht gefahren. Unser erstes Ziel: B(elo) H(orizonte). Die Hauptstadt von Minas Gerais, die als Brasiliens erste geplante Stadt erbaut wurde. Dort angekommen sind wir 5 Uhr morgens und eigentlich wollten wir noch in ein Hotel direkt am Busbahnhof einchecken, aber da war leider nichts mehr frei. Leider war es auch noch dunkel und so blieb uns nichts anderes als es und ein wenig im Bahnhof gemütlich zu machen. Irgendwann konnte ich auch eine halbwegs angenehme Schlafposition finden, doch als ich nach 1,5 Stunden Tiefschlaf aufgewacht bin, tat mir alles weh…der Nacken, der Rücken…alles. Naja, kurz nach 7 war dann eine angenehmere Zeit, also kurz auf ins Busbahnhofsgemeinschaftsbad, frisch machen, Rucksäcke den netten Schließfachmännern anvertrauen und BH wir kommen.

Mit leerem Magen macht Sightseeing allerdings nur halb so viel Spaß und wir hatten beide großen Appetit auf ein ordentliches Frühstücksbuffet. Was macht man in solchen Fällen? Ganz klar, man nutzt den Gringa (Weiße)- Vorteil und schleust sich mal eben im 5 Sterne Hotel ein. Paradies! Eier, Wurst, Käse, Säfte, Müsli, Früchte, Jogurt…nur die Nutella hat wie immer gefehlt. Also wie ihr merkt sind wir bei unseren Reisen recht flexibel, ob auf dem Bahnhof schlafen oder im 5 Sterne Hotel frühstücken, wir machen alles mit. ;)

Danach waren wir dann allerdings wirklich bereit uns BH ein wenig näher anzuschauen, aber irgendwie hat die Stadt nicht viel zu bieten. Unsere Hauptbeschäftigung bestand an sich daraus in irgendwelchen Parks zu sitzen und zu entspannen. So waren wir zum Beispiel auf dem Praca da Liberdade in der Nähe vom Palast der Regierung oder im Parque Municipal einem Park mit künstlichen Seen und hauptsächlich konzipiert für Familien mit Kindern. Wir waren auch im Mercado Central, einer großen Markthalle in der so ziemlich alles angeboten wird. Unter anderem auch Tiere, die dort in den engsten Käfigen gehalten werden, das war irgendwie nicht so nett anzuschauen. Um dann gen Ende noch ein wenig Zeit totzuschlagen waren wir noch im alten Bahnhof, der heute ein Museum ist (Foto links). Danach war es allerdings an der Zeit zum Busbahnhof zurückzukehren, Sachen einzusammeln und den Bus nach Ouro Preto zu nehmen.

Ouro Preto ist ca. 2 Stunden von BH entfernt und angeblich die schönste Kolonialstadt im ganzen Bundesstaat. Ouro Preto (Foto ganz unten) ist bekannt als früherer Mittelpunkt für den Goldbergbau und ist ehemalige Hauptstadt.

Das Erste was wir hier feststellen mussten war, dass die Straßen sehr gefährlich sind. Es war teilweise sehr mühsam sich durch die sehr unregelmäßig kopfsteingepflasterten Steigungen und Gefälle zu bewegen, aber zum Glück ist niemand gestürzt. So haben wir dann unser Brumas Hostel bezogen und erst mal geduscht bevor wir uns unter das Volk gemischt haben. Frisch und munter haben wir uns also ein kleines süßes Restaurant gesucht um zu testen ob das Essen in Minas Gerais tatsächlich so gut ist, wie alle behaupten. Und das war es! Lecker und an sich viel zu viel. Danach sind wir noch ein wenig durch die Stadt gelaufen und haben uns an einem Schokoladen-Laden eine Frozen Chocolate gegönnt….hmmm, das war definitiv die Beste in meinem Leben. J Als wir den Laden verlassen haben, sind wir sozusagen mitten in einen Umzug geraten. Der war allerdings irgendwie komisch, da die Kapelle mal gespielt hat und dann war wieder Totenstille… Als am zentralen Platz Jesus und das Kreutz enthüllt wurden, ist uns dann auch klar geworden, dass es eine Prozession war. Es war sehr interessant da mal dabei zu sein, aber irgendwie auch eine komische Stimmung…

Am Sonntagmorgen haben wir uns mit Flo und Christian (2 Deutsche, die wir schon am Tag vorher kennengelernt haben), auf den Weg Richtung Mariana gemacht. Wir 2 sind allerdings an der Mina da Passagem ausgestiegen und haben eine Goldmine besucht. Am Anfang war das alles ein bisschen gruselig und „Horrorfilm-Szenario“, weil da einfach keine Menschenseele war, aber dann kamen zum Glück doch noch ein paar Leute nach uns. Begonnen haben wir also mit einer abwärts führenden Fahrt unter Tage in einer klapprigen alten Kabelbahn. 124 Meter tiefer angekommen, wurden wir ein wenig rumgeführt und Methoden zum Goldabbau wurden erklärt. In der Mine gab es auch einen See, in dem man, wenn man möchte auch tauchen kann. Ich fand das Ganze echt spannend und war einfach mal wieder überrascht wie viele verschiedene Gesichter Brasilien als Land hat. Da dieser ganze Ausflug allerdings doch nicht so lange gedauert hat, wie wir dachten, haben wir uns spontan entschieden auch noch nach Mariana, einer anderen Kolonialstadt, zu fahren. Auf dem Weg zur Bushaltestelle kam mal wieder ein hupendes Auto mit winkenden Insassen an uns vorbei gefahren und ich hätte wetten können, dass sie umdrehen und zurück kommen. So war es auch… Brasilianer sind gaaar nicht durchschaubar. Spontan wie wir sind, sind wir auch einfach mal mitgefahren, so konnten wir den Bus sparen und haben schon eine kleine Tour bekommen. Am Bahnhof haben sie uns dann ohne Probleme raus gelassen und wir haben sie nie wieder gesehen. Das war mal einfach.

In Mariana haben wir uns eigentlich nur 2 Kirchen von außen (Foto oben) und eine Basilika aus der Ferne angeschaut, bevor wir wieder in einem Park saßen und die Menschen beobachtet haben. Am Nachmittag sind wir dann wieder nach Ouro Preto zurück gekehrt, denn die Stadt wollten wir uns ja auch noch bei Tag anschauen. Hauptsächlich gibt es dort auch Kirchen, den zentralen Platz Tiradentes und viele süße Straßen mit kleinen niedlichen Häusern. Als wir an der Igreja NS do Carmo auf der Mauer liegend die letzten Sonnenstrahlen genossen haben (Foto rechts), kamen auch zufällig gerade wieder die Jungs vorbei. Wir haben uns dann noch den Sonnenuntergang angeschaut und uns dann zusammen auf die Suche nach etwas Essbarem gemacht. Komischerweise waren total viele Restaurants geschlossen sodass wir wieder in dem vom Vortag gelandet sind. Als wir dann noch in eine Bar wollten, sind wir wieder direkt in die Prozession geraten und konnten weder vorwärts noch rückwärts. Also haben wir die Menschen vorbei ziehen lassen und das Spektakel beobachtet. Der Kellner meinte, dass das einen Monat lang jeden Abend ist, aber das kann ich mir eigentlich kaum vorstellen… Wer weiß. Eine Bar haben wir dann nicht gefunden, aber dafür gab es im Theater kostenlosen Live Jazz und das war auch eine nette Lösung den Abend und das Wochenende ausklingen zu lassen.

22 Uhr ist unser Bus zurück gefahren, die Jungs sind auch mitgekommen, und pünktlich um 5 waren wir wieder in Rio. Ab nach Hause, noch kurz schlafen und schon war das Wochenende vorbei und man sitzt wieder hinter dem Schreibtisch.

FROHE OSTERN FÜR EUCH ALLE! Und bis in einem Monat.

Mittwoch, 13. April 2011

Ein ganz normales Wochenende

Eingeläutet wurde das Wochenende besonders süß, denn wir haben Lorenas Geburtstag im Büro nachgefeiert. (Auf dem Foto von links: Nathalia, Diana, Jessica, Lorena, Maartje und ich!) Die Torte wurde von Ada Tours gesponsert, durfte aber auch erst nach 18 Uhr gegessen werden. Es hätte ja passieren können, dass wir zu wenig arbeiten... Geschmeckt hat sie aber trotzdem und wir konnten uns alle voll gefuttert ins Wochenende kullern. :)
Zu Hause hab ich Cristie, meine amerikanische Mitbewohnerin (auf dem Foto unten rechts neben mir), getroffen und sie hat mich mit zu einer Einweihungsparty von einer ihrer Bekanntschaften geschleppt. Gegen 10 saßen wir beide im Bus und hatten eigentlich gar keine Lust, aber dann wird es ja bekanntlich immer am besten. Die Einweihungsparty war von Alex. Alex ist Amerikaner und bei der Navy und hat die coolste Wohnung überhaupt. Er wohnt in Ipanema, im 9 Stock hat einen Balkon in jede Richtung, Blick aufs Meer, den Zuckerhut...traumhaft. Auf dem Dach hat er einen Pool mit Bar, sprich man kann im Pool sitzen, Cocktails trinken und die Aussicht genießen. Dafür bezahlt er bzw. die amerikanischen Steuerzahler dann auch nur schlappe 4400 € im Monat. Bei dem Haushaltsloch was die Vereinigten Staaten gerade vorweisen, kann man das ja mal eben machen. Die feierliche Zusammenkunft war auf jeden Fall echt gut und die Leute super nett. Irgendwann sind wir kurz auf das Dach gegangen und wollten eigentlich nur die Aussicht genießen. Da war dann allerdings auch gerade eine Party mit DJ und "Dance Floor", zu der wir dann mal eben eingeladen wurden. Echt witzig...Am Samstag war dann dementsprechend nicht sooo viel mit uns anzufangen. Wir haben uns aber trotzdem mit Annabelle und Hans getroffen und sind ausnahmsweise mal am Tag nach Lapa gefahren. Das war irgendwie total komisch und kaum wiederzuerkennen, hat aber auf jeden Fall auch seinen eigenen Charme. Zuerst haben wir uns die "Escadaria Selarón" angeschaut. Das ist eine Treppe, die mit bunten Mosaiken aus aller Welt geschmückt ist. Und ratet mal wen ich dort auch gefunden habe? Richtig, die Bremer Stadtmusikanten! :)
Danach wollten wir eigentlich noch mit der Bonde (Straßenbahn) nach Santa Teresa fahren, aber die Schlange war so lang, dass wir keine Lust hatten zu warten. Also wieder ab nach Copa, eine Kleinigkeit essen, einen Strandspaziergang in netter Begleitung machen und ab nach Hause ins Bettchen. Samstagabend hingen Cristie und ich dann auch eigentlich nur gammelnd zu Hause rum und sind früh schlafen gegangen.
Sonntag hab ich mich wieder mit Annabelli getroffen und wir sind am Strand entlang nach Ipanema spaziert. Sonntags wird dort immer die eine Fahrspur der Avenida Atlantica gesperrt d.h., dass alle ihre Fahrräder, Inliner und Skateboards rausholen und sich dort ein wenig austoben. Wir waren einfach nur zu Fuß, also echt schon langweilig. In Ipanema haben wir uns ein paar Stündchen im Strand niedergelassen und die Sonne genossen. Das war schon wieder so anstrengend, dass wir fast vor Hunger gestorben sind. Und wo geht man hin, wenn man in Ipanema ist? Genau, ins KebabHouse. Es gab zwar keine Kebabs, sondern nur Wraps aber die waren auch super lecker.
Annabelli hat danach direkt den Bus nach Hause genommen und ich bin noch ein wenig über den Ipanema Hippie Markt geschlendert und dann wieder die 4km nach Hause gelaufen.
Und nun wisst ihr auch wie ein ganz normales Wochenende in Rio aussieht... :)
Und dann gibt es heute noch einen kleinen Kinotipp, wenn ihr demnächst Langeweile habt und das Wetter schlecht ist, dann schaut euch "Rio" an. Sehr niedlich. :)

Dienstag, 5. April 2011

Favela Tour - Santa Marta

Das letzte Wochenende war wechselhaft und hat sich demnach auch gut dem Aprilwetter angepasst: Hoch – Tief – Hoch.
Aber von Anfang an… Am Freitag war Zahltag…juhuuu. Aber Daniel der Finanzbeauftragte und Freund von Anna hat sich damit seine Zeit gelassen. Kurz nach 18 Uhr haben wir alle unsere Laptops zugeklappt und gewartet und gewartet und gewartet und er hat sich einfach nur feiern lassen und sich gegen 19 Uhr dann mal bequemt in die Gänge zu kommen…. Grrrrr! Wie kann man nur so doof sein? Von Personalführung bzw. –motivation hat er sicher noch nichts gehört.

Naja, Annabelle hat mich abgeholt und ab ging es zum Sushi Rodizio. Das ist hier in Rio echt ein Highlight, denn es ist fast doppelt so teuer wie in Fortaleza, aber einmal kann man es sich ja gutgehen lassen. :) Danach wollte ich eigentlich noch nach Lapa (in das Szeneviertel) und mich mit Tricia aus Fortaleza treffen, aber irgendwie konnte ich sie nicht anrufen (ich hatte mich schon mal über die Handynetze hier beschwert, oder?) und Anna hatte auch keine Lust, also bin ich nach Hause gegangen. Noch auf der Straße hat mir Hans eine SMS geschrieben. Hans ist auch aus Deutschland und vor einer Woche hier angekommen und wir haben uns am Donnerstag kurz auf den wohl stärksten Caipirinha aller Zeiten getroffen. Er und seine Freunde wollten auf jeden Fall auch noch weggehen, also hab ich beschlossen mich anzuschließen und zu ihm zu laufen. Das hat sich dann schwieriger herausgestellt als geplant. Seine Hausnummer, die er mir ca. 10mal gesagt hat: 580. Wo war ich? Bei der 580, hab dort mehrmals gefragt ob da ein Hans wohnt: nein. Hm, anrufen konnte ich ihn nicht (wieder das Netzproblem) und anders wusste ich mir nicht zu helfen, also hab ich mich wieder auf den Weg nach Hause gemacht. Auf einmal klingelingeling „hey, es tut mir total leid, ich hab dir die falsche Nummer gesagt.“ Auch schon gemerkt… Naja, am Ende sind wir doch noch in Lapa angekommen, aber Tricia habe ich, selbst nach Treffpunkt ausmachen, absolut nicht gefunden. Dieses Stadtviertel ist einfach immer so voll, das ist Wahnsinn. Und als Frau kann man da echt nicht allein hingehen, was die einen die ganze Zeit anstarren, doof von der Seite anlabern und wenn es ganz gut kommt anfassen, ist nicht gerade spaßig. Aber alles gut, es war trotzdem richtig witzig und als ich beschlossen habe nach Hause zu fahren, hab ich sogar noch andere Bekannte im Van getroffen und musste nicht mal allein durch die Nacht düsen.

Samstag hab ich mir mal wieder einen Buli-Vormittag gegönnt und mich gegen 1 endlich mit Tricia getroffen. Zusammen mit Annabelle haben wir eine Favela-Tour gemacht. Favelas sind die Armenviertel in denen die Bewohner (meist) illegal wohnen und die man generell meiden soll. Rio hat natürlich einige davon. Die Größte heißt Rocinha, dort werden auch die meisten Touren angeboten, aber wir haben uns für Santa Marta entschieden.

Die meisten Favelas haben/hatten kaum die nötigste Infrastruktur, keinen Strom und keine Wasserleitungen. Viele werden von Drogenbanden regiert und vor allem hier in Rio fängt die Regierung nun langsam damit an, in den Favelas „aufzuräumen“. Santa Marta ist eine der Favelas, in denen man die Fortschritte schon recht gut sehen kann. Am „Eingang“ befindet sich direkt ein großes Gebäude der UPP (Polizei) und ein riesiger Wassertank. Die meisten Favelas hier in Rio haben sich an den Bergen angesiedelt und gehen sehr steil nach oben. Wir waren in einer faulen Touristengruppe, also haben wir uns von oben beginnend auf den Weg gemacht. Ganz oben gab es sogar, wen überrascht es, ein Fußballfeld und dort waren gerade irgendwelche Turniere. So ein kleines knuffiges Mädchen, das wahrscheinlich gerade Laufen gelernt hat, hat ihren Ball ausversehen in meine Richtung gespielt und ich hab natürlich zurückgekickt. Daran hat sie dann so viel Gefallen gefunden, dass sie mich nicht mehr in Ruhe gelassen hat. Sie kam hinterher gelaufen und konnte gar nicht verstehen, warum ich sie denn da jetzt einfach so stehen lass. Das war so ein süßes, kleines Ding und man konnte ihr so leicht eine Freude machen. Ich hätte doch, wie es ursprünglich mein Plan war, nebenher noch ein wenig Freiwilligenarbeit machen sollen. Aber 18 Uhr im Dunkeln in zwielichtigen Gegenden rumzulaufen wäre wahrscheinlich auch nicht so gut gewesen. Naja…

Michael Jackson hat in Santa Marta irgendein Musikvideo gedreht und darauf sind die Bewohner verdammt stolz. Es lief seine Musik und nachdem er gestorben ist, haben Sie eine Statue aufgestellt und ein Mosaik an eine Wand gebracht. Das war irgendwie ein wenig irreal inmitten von dem ganzen Durcheinander, aber ok.

Nachdem wir kurz eine kleine Pause gemacht und etwas gegessen haben ging es weiter die Gassen nach unten. Blöderweise ging es mir umso näher wir dem Ende kamen, umso schlechter. Meine Beine haben gezittert und mein Magen einfach nur weh getan. Das musste ja sein. Das kleine Küchlein mit Fleischfüllung war wohl doch keine so gute Idee. Und da haben wir auch schon das Klischee, aber ich bin mir ganz sicher, dass nicht alles in der Favela schlecht ist. :)

Alles in allem war es echt interessant das Leben in Santa Marta, mehr oder weniger, kennenzulernen, aber den Rest des Tages habe ich in meinem Bett verbringen müssen. Zum Glück war nach 17 Stunden Schlaf am Sonntag alles wieder besser. Übertreiben wollte ich es aber trotzdem nicht, also habe ich mich nur mit Tricia und Annabelle in Ipanema getroffen und wir sind dort und in Leblon ein wenig umher gelaufen, waren bei Starbucks und haben das Wochenende in Ruhe ausklingen lassen.

Dienstag, 29. März 2011

Ilha Grande - Ausflug ins Paradies

So, heute mal nur kurz zum Wochenende auf der „großen Insel“ – Ilha Grande.

Ilha Grande war früher mal ein Piratennest, dann eine Leprakolonie und bis 1954 das Gefängnis für Brasiliens Schwerverbrecher. Dadurch ist sie auch noch „relativ“ unberührt, aber es ist so ein schönes Fleckchen Erde, dass ich die Befürchtung habe, dass das nicht lange so bleiben wird. Es gibt keine Autos und keinen Lärm, also einfach perfekt für ein Erholungswochenende.

Am Freitagabend bin ich relativ spontan mit Annabelle aufgebrochen. Eigentlich wollten wir uns wieder eine Stadt anschauen, aber nach dem Wochenende in São Paulo und einer doch recht anstrengenden Woche, haben wir uns kurzfristig gegen die City-Tour und für den Natururlaub entschieden.

Gegen 19 Uhr haben wir mit leichter Verspätung die eigentlich 2 stündige Fahrt begonnen um pünktlich um 22 Uhr die letzte Fähre zur Insel zu kriegen. Blöderweise war nur so viel Verkehr, dass wir ewig nicht aus Rio gekommen sind und dann hat der Bus noch sinnlose Umwege genommen und kurz vor 22 Uhr wurde ich doch langsam nervös. Hab mich aber beruhigt, weil die Fährbetreiber ja wissen, dass da noch Busse aus Rio kommen und sicherlich warten. Naja, 10 nach 10 sind wir dann angekommen und uns wurde direkt gesagt, dass die Fähre (6,95 Reais) weg ist und wir aber für 25 Reais ein Privatboot nehmen können. Hmpf… Ich bin immer noch felsenfest davon überzeugt, dass das abgesprochen war. In diesem Land passiert nie etwas pünktlich… Das Privatboot war dann auch alles andere als toll. Wir sind fast 2 Stunden durch die Nacht geschippert, saßen auf unbequemen Holzbänken, wurden von den Abgasen vergiftet und waren müde… Aber gegen 1 sind wir doch noch in unserer Pousada „Cachoeira“ angekommen und die war richtig super. Wir hatten ein richtig tolles Zimmer mit Wohnbereich und Bad unten und dem Schlafzimmer oben, sehr toll.

Samstagmorgen haben wir uns nach einem ordentlichen Frühstück auf eine knapp 7 km Wanderung gemacht. Ich war da ja anfangs ganz positiv gestimmt und hatte mir schon die 12 km Wanderung für Sonntag ausgeguckt, aber als ich dann feststellen musste, dass die Hälfte der Strecke bergauf ging, habe ich meine Meinung ganz schnell geändert. Mit vollem Magen und Flipflops kommt man irgendwie doch nicht so gut vorwärts, wie man denkt. Die erste Pause haben wir nach ca. 4 km am Praia das Palmas gemacht. Dort standen wir auf einmal vor einer kaputten Brücke und mussten uns an einer Felswand abseilen. Nach der kurzen Badepause war es schwer wieder in die Gänge zu kommen, aber das Ziel war eben noch lange nicht erreicht. Unterwegs haben wir zum Glück kaum Menschen getroffen, so konnten wir ganz beruhigt und ohne Stress weiter wandern. Nach mehreren Stunden sind wir dann auch endlich am Praia Lopes Mendes angekommen. Das ist einer der vielen „schönsten“ Strände in Brasilien. Er war auch wirklich traumhaft schön unser einziges Problem war nur, dass dann die Sonne weg war, aber alles halb so schlimm… wir haben sowieso nur geschlafen und um 5 dann das Boot zurück genommen. Nach einer kurzen Erfrischung in der Pousada waren wir im „Biergarten“ essen, haben uns als Dessert noch einen Crêpe am Strand gegönnt und lagen tatsächlich um 9 schon im Bett…jaja frau wird alt. =)

Da wir Samstag dann doch etwas mehr Zeit mit wandern verbracht haben als geplant, haben wir uns für Sonntag nur eine kleine 2 km Runde vorgenommen. Der erste Stopp hierbei war an der „Poção“, einem sehr kalten, aber schönem Naturpool. Vorbei an mehreren tollen Aussichtspunkten ging es weiter zum Aquädukt der Insel und zu den mit Moos überwucherten Ruinen des alten Gefängnisses. Ziel des heutigen Tages: Praia Preta. Dort haben wir dann einfach nur in der Sonne gelegen, gelesen und uns auf einem Felsen im Wasser gesonnt... einfach traumhaft. Doch leider hat jedes Wochenende einen Sonntagabend, den Zeitpunkt um Abschied zu nehmen. Das war noch mal ein wenig aufregend, da es weder Fähr- noch Bustickets im Voraus zu kaufen gab. Wir waren leicht panisch, dass wir weder das eine noch das andere bekommen, aber am Ende hat alles bestens geklappt und gegen 11 war ich wieder zu Hause.

Das war mal wieder eines dieser Wochenenden, an denen einfach nichts hätte besser sein können…

Dienstag, 22. März 2011

São Paulo – Stadt der Superlative

Die größte Stadt der Südhalbkugel, die meisten verschiedenen ethnischen Gruppen, die größte offene Schwulenszene in Lateinamerika, die größte Gemeinde von Menschen japanischer Herkunft außerhalb Japans, Deutschlands größte Industriestadt außerhalb Europas, Brasiliens größtes Wirtschaftszentrum und und und. All das wird São Paulo nachgesagt und mit dementsprechend hohen Erwartungen habe ich mich am Freitag mit Annabelle auf den Weg in die Metropole gemacht.
Da wir ja beide zur arbeitenden Bevölkerung gehören, mussten wir den 17 Uhr Bus nehmen und sind dann gegen 00:00 Uhr am riesigen Hauptbusbahnhof Tietê angekommen. Etwas verloren und desorientiert haben wir uns gegen das Abenteuer Metro fahren und für das, wie sich im Nachhinein herausstellte, noch viel größere Abenteuer Taxi entschieden. Ziel: Brooklin, die Wohnung von Dani, Annabelles Vermieterin, die nun seit Kurzem in Sampa (SPs Spitzname) arbeitet. Anfänglich war auch noch alles toll und der Taxifahrer witzig, bis wir gemerkt haben, dass er absolut keinen Plan hat, wo genau unsere Zielstraße liegt. Er hat sage und schreibe 4 mal angehalten und sich nach dem Weg erkundigt. Das Taxometer stieg in die Höhe und unsere Laune mindestens genauso, aber eher in die entgegengesetzte Richtung. Am Ende kam es noch zu einer kleinen Diskussion, dass man sich doch bitte, wenn man in so einer Stadt den Beruf des Taxifahrers ausübt, ein Navigationssystem zulegen sollte. Aber dann kam der Punkt, dass wir nicht in Deutschland sondern in Brasilien sind und dem gab es dann irgendwie auch nichts mehr entgegen zu setzen.
Samstagmorgen gegen 10, 2 Stunden später als geplant, haben wir uns dann endlich auf den Weg gemacht die große Stadt zu erkunden. Erstes Ziel: die Galeria dos Pães in Jardins, dem grünsten und schicksten Viertel der Stadt. Um unseren Frühstücks-Delikatessenladen zu erreichen, mussten wir auch nur 4 mal die Metro wechseln und haben dann bei Regen das Tageslicht wieder erblickt. Aber jedes Metrowechseln und jeder Tropfen Regen wurde wieder gut gemacht, als wir vor dem tollen Buffett standen. Ok, es war nicht der perfekt, dafür fehlten einfach Nutella, Lachs und Schwarzbrot, aber es war trotzdem ein Traum. Mit überfülltem Magen und aufgetankten Energien haben wir danach ein wenig die Gegend um Jardins erkundigt und ich muss sagen, das war alles gar nicht mehr richtig Brasilien. Die Geschäfte, die Architektur... das hätte auch in jeder anderen europäischen Stadt sein können. Wir waren im Parque do Ibirapuera, dem angeblichen Central Park Sampas, aber für den Titel fehlt noch einiges. Es gab nur wenige Wege und auch nicht wirklich viel zu sehen. Der Spaßfaktor blieb also leider aus, wobei da der Regen auch keine unwesentliche Rolle gespielt hat.
Später sind wir zur berühmten "Avenida Paulista" gegangen. Früher war das der Bezirk der Kaffeebarone und heute ist es eine große Straße wie jede andere auch mit vielen hohen Bürotürmen. Überraschenderweise war es dort sogar richtig leer, wo man doch sonst so viel davon gehört hat, wie voll die Stadt doch immer sein soll... Als wir uns dann in einem Shopping Center umgeschaut haben, ist uns aufgefallen, dass alle so viele tolle Tüten von irgendeiner Austauschmesse hatten. Die wollen wir auch haben! Gesucht, gefunden... eine Messe für Studenten, die im Ausland studieren wollen. Hm...naja, wir sind schon im Ausland, aber es kann ja nie schaden sich mal anzuschauen was so über das eigene Land gesagt wird. Von Deutschland gab es sage und schreibe einen Stand, an dem auch leider nur 2 grimmige Menschen standen, die unseren Spaß irgendwie nicht verstanden haben. Kein Wunder wo die Vorurteile herkommen... Zum Abschluss unserer Tour waren wir dann noch im Edifício Itália, dem mit 46 Etagen höchsten Gebäude des Zentrums, und haben uns São Paulo bei Nacht von oben angeschaut. Da musste ich mir dann auch eingestehen, dass es tatsächlich verdammt groß ist und man kein Ende sehen kann.
Abends sind wir dann noch mit Dani und ihren Arbeitskollegen weggegangen. Erst wollten wir in einen Club und standen auch schon in der Schlange, bis es Dani dann doch zu doof wurde. Also sind wir in eine Art Pizzeria - Club gefahren. Erst gab es lecker Pizza und dann konnte man im anliegendem Club zu erstaunlich guter Elektromusik die Kalorien wieder abzappeln. :) Wir wollten dann allerdings eher nach Hause und haben den Taxis Sampas noch eine Chance gegeben, aber leider wieder nicht erfolgreich. Mein Rat: nie ein Taxi in São Paulo nehmen, wenn dann nur, wenn man selbst die Karte liest.
Sonntagmorgen haben wir ausgeschlafen, sodass wir auch erst relativ spät das Haus verlassen haben. Nachdem wir heute nur 3 mal die Metro wechseln mussten, haben wir den Tag in Liberdade begonnen. Liberdade ist das Viertel in dem die meisten japanischen Menschen außerhalb Japans wohnen. Es gab einen kleinen Markt und zum ersten Mal in der Stadt richtig viele Menschen. Nachdem wir uns bei einem Japaner gestärkt haben, sind wir noch ein wenig durch die Straßen gelaufen, aber das hat so wenig Spaß gemacht, dass wir unsere Lonely Planet geführte Stadttour begonnen haben.
Jeden einzelnen Punkt zu nennen, wird zu viel und zu langweilig, deswegen erwähn ich nur die Spannendsten. Also, Startpunkt: Praca da Sé, das alte Herz der Stadt. Dort war auch die Catedral da Sé, eine riesengroße und sehr schöne Kathedrale. Danach waren wir am Praca Páteo do Colégio, an dem São Paulo 1554 von Jesuiten gegründet wurde. Auf dem Platz kam auf einmal eine Frau mit Kamera auf uns zu und meinte uns ein paar Fragen zum Thema "Liebe" zu stellen. Nichts "lieber" als das... Aber irgendwie hat sie uns nach ein paar Sätzen stehen lassen, also sind wir weiter gegangen. Bis sie uns Cindy-schreiend hinterher gerannt kam und gefragt hat, ob wir nicht 15 Minuten Zeit haben. Eigentlich nicht, aber ok... Also haben wir ganz brav ihre Fragen beantwortet und auf einmal hat sie ihren Anzug ausgezogen, stand in Kleid vor uns, hat einen Regenschirm rausgeholt und angefangen zu tanzen... okay. Wir haben das einfach mal akzeptiert. Nach ein paar weiteren Fragen hat sie ihre Katzenmaske ausgepackt, sich vor die Kamera gehockt und Katze gespielt und dann kam der Lacher. Nach den letzten Fragen meinte sie, dass Filme ja meistens mit einem Kuss enden und ob wir eine "Häsin" küssen würden... ähm...nein. Dann ist sie schreiend weggelaufen und kam auch nicht wieder. Dieses Mal haben wir uns dann auch etwas schneller entfernt und als ich mich kurz umgedreht habe, stand da tatsächlich eine andere Frau als Häsin verkleidet... Annabelle, Turbo! :-) Merkwürdiges Völkchen da.
Nach dieser kurzen Ablenkung waren wir im Finanzzentrum und an der Börse. Dort gab es auch das Gebäude der BANESPA, welches die Antwort auf das Empire State Building sein soll, es sieht auch ein wenig so aus, ist aber lange nicht so hoch.
Später kamen wir auch am Praca da República, dem eigentlichen Ausgangspunkt der Tour, und dem Chafariz dos Piques Brunnen, der früher die ganze Stadt versorgt hat, vorbei. Nach einer kurzen Mc Flurry Pause wurde es auch schon langsam dunkel und Zeit die Tour zu beenden. Ein letztes Highlight war das Theatro Municipal, ein wirklich tolles und sehenswertes Gebäude.
Dann war es allerdings auch an der Zeit zurückzukehren. Dani und ein Freund von ihr haben uns zum Busbahnhof gefahren und pünktlich 22:15 haben wir uns wieder auf den Weg in die Heimat gemacht und Rio hatte uns gegen 4 Uhr morgens wieder.
Alles in allem in SP echt eine sehenswerte Stadt, auch wenn ich anfänglich ein wenig enttäuscht war. Ich glaube in meinen Gedanken war São Paulo immer ein New York mit Palmen, aber das ist es gar nicht. Es gibt hier und dort "Wolkenkratzer" aber die sind eben nicht auf einer Insel konzentriert, sondern verteilt auf einer sehr großen Fläche. Die Stadt war bis auf Liberdade absolut nicht hektisch, sondern eher leer - ein New York ist auch am Wochenende voll gestopft mit Menschen. Im Zentrum waren nur arme Menschen, das war auf der einen Seite gruselig und auf der anderen Seite einfach nur traurig. Das Wetter war beide Tage nicht so gut. Bei nur 20 Grad war es für uns sogar kalt, aber São Paulo ist wirklich sehr vielseitig und das ist richtig spannend. Das Essen ist super, das Nachtleben auch und wenn man das nötige Kleingeld hat, kann man auch richtig gut shoppen. Also, alles in allem also definitiv einen Besuch wert.
Ich hab jetzt sicher die Hälfte vergessen, aber das wird Annabelle dann als Kommentar ergänzen! :) Achso und Fotos sind leider auch noch auf ihrer Kamera...
Liebe Grüße und bis in 2 Monaten!!!