Ilha Grande war früher mal ein Piratennest, dann eine Leprakolonie und bis 1954 das Gefängnis für Brasiliens Schwerverbrecher. Dadurch ist sie auch noch „relativ“ unberührt, aber es ist so ein schönes Fleckchen Erde, dass ich die Befürchtung habe, dass das nicht lange so bleiben wird. Es gibt keine Autos und keinen Lärm, also einfach perfekt für ein Erholungswochenende.
Am Freitagabend bin ich relativ spontan mit Annabelle aufgebrochen. Eigentlich wollten wir uns wieder eine Stadt anschauen, aber nach dem Wochenende in São Paulo und einer doch recht anstrengenden Woche, haben wir uns kurzfristig gegen die City-Tour und für den Natururlaub entschieden.
Gegen 19 Uhr haben wir mit leichter Verspätung die eigentlich 2 stündige Fahrt begonnen um pünktlich um 22 Uhr die letzte Fähre zur Insel zu kriegen. Blöderweise war nur so viel Verkehr, dass wir ewig nicht aus Rio gekommen sind und dann hat der Bus noch sinnlose Umwege genommen und kurz vor 22 Uhr wurde ich doch langsam nervös. Hab mich aber beruhigt, weil die Fährbetreiber ja wissen, dass da noch Busse aus Rio kommen und sicherlich warten. Naja, 10 nach 10 sind wir dann angekommen und uns wurde direkt gesagt, dass die Fähre (6,95 Reais) weg ist und wir aber für 25 Reais ein Privatboot nehmen können. Hmpf… Ich bin immer noch felsenfest davon überzeugt, dass das abgesprochen war. In diesem Land passiert nie etwas pünktlich… Das Privatboot war dann auch alles andere als toll. Wir sind fast 2 Stunden durch die Nacht geschippert, saßen auf unbequemen Holzbänken, wurden von den Abgasen vergiftet und waren müde… Aber gegen 1 sind wir doch noch in unserer Pousada „Cachoeira“ angekommen und die war richtig super. Wir hatten ein richtig tolles Zimmer mit Wohnbereich und Bad unten und dem Schlafzimmer oben, sehr toll.
Samstagmorgen haben wir uns nach einem ordentlichen Frühstück auf eine knapp 7 km Wanderung gemacht. Ich war da ja anfangs ganz positiv gestimmt und hatte mir schon die 12 km Wanderung für Sonntag ausgeguckt, aber als ich dann feststellen musste, dass die Hälfte der Strecke bergauf ging, habe ich meine Meinung ganz schnell geändert. Mit vollem Magen und Flipflops kommt man irgendwie doch nicht so gut vorwärts, wie man denkt. Die erste Pause haben wir nach ca. 4 km am Praia das Palmas gemacht. Dort standen wir auf einmal vor einer kaputten Brücke und mussten uns an einer Felswand abseilen. Nach der kurzen Badepause war es schwer wieder in die Gänge zu kommen, aber das Ziel war eben noch lange nicht erreicht. Unterwegs haben wir zum Glück kaum Menschen getroffen, so konnten wir ganz beruhigt und ohne Stress weiter wandern. Nach mehreren Stunden sind wir dann auch endlich am Praia Lopes Mendes angekommen. Das ist einer der vielen „schönsten“ Strände in Brasilien. Er war auch wirklich traumhaft schön unser einziges Problem war nur, dass dann die Sonne weg war, aber alles halb so schlimm… wir haben sowieso nur geschlafen und um 5 dann das Boot zurück genommen. Nach einer kurzen Erfrischung in der Pousada waren wir im „Biergarten“ essen, haben uns als Dessert noch einen Crêpe am Strand gegönnt und lagen tatsächlich um 9 schon im Bett…jaja frau wird alt. =)
Da wir Samstag dann doch etwas mehr Zeit mit wandern verbracht haben als geplant, haben wir uns für Sonntag nur eine kleine 2 km Runde vorgenommen. Der erste Stopp hierbei war an der „Poção“, einem sehr kalten, aber schönem Naturpool. Vorbei an mehreren tollen Aussichtspunkten ging es weiter zum Aquädukt der Insel und zu den mit Moos überwucherten Ruinen des alten Gefängnisses. Ziel des heutigen Tages: Praia Preta. Dort haben wir dann einfach nur in der Sonne gelegen, gelesen und uns auf einem Felsen im Wasser gesonnt... einfach traumhaft. Doch leider hat jedes Wochenende einen Sonntagabend, den Zeitpunkt um Abschied zu nehmen. Das war noch mal ein wenig aufregend, da es weder Fähr- noch Bustickets im Voraus zu kaufen gab. Wir waren leicht panisch, dass wir weder das eine noch das andere bekommen, aber am Ende hat alles bestens geklappt und gegen 11 war ich wieder zu Hause.
Das war mal wieder eines dieser Wochenenden, an denen einfach nichts hätte besser sein können…
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