Olá ihr Lieben!

Auf diesem Blog könnt ihr meinen Auslandsaufenthalt in Brasilien hautnah miterleben. Ich bin am 21.07.2010 in Fortaleza angekommen und habe ab August ein Semester an der Universidade Federal do Ceará studiert. Das ist nun seit dem 2. Dezember abgeschlossen.
Nachdem ich im Dezember 3 Wochen lang eine Pause von Brasilien in New York genommen habe, habe ich mich entschieden nach Rio de Janeiro zu gehen. Hier mach ich nun seit Mitte Januar ein Praktikum und lebe und arbeite an der Copacabana. Ich werde versuchen wenigstens wöchentlich ein Lebenszeichen von mir zu
senden, freue mich aber auch ab und an mal etwas von euch zu hören.
Viel Spaß beim Lesen und Kommentare posten!
Té mais,
Cindy!


Mittwoch, 27. April 2011

Ostern ohne Osterhase & Ostereier

Dieses Osterwochenende hatte ich satte 4 Tage frei, genau wie ihr nur schon einen Tag eher beginnend. Ab Donnerstag war also Ostern angesagt, nur davon hab ich davon eigentlich gar nichts gemerkt. Ostern ist ja in Deutschland schon keine sooo große Sache und demnach war es hier ohne Familie und ohne Schokolade eigentlich gar nichts. Aber über 4 freie Tage beschwer ich mich natürlich nie.

Am Donnerstag haben Annabelle und ich also die Zeit genutzt und den Lonely Planet Stadtspaziergang im Centro gemacht. Eigentlich sollte man den nur werktags machen, aber wenn man zur arbeitenden Bevölkerung gehört geht das nun mal leider nicht. Nach beidseitiger Verspätung haben wir uns irgendwann gefunden und unsere Tour am Praca Floriano getroffen. Dort ist auch das Theater und das Kulturzentrum der Justiz, indem wir uns die aktuellen Ausstellungen angeschaut haben. Leider war trotzdem Feiertag und so ziemlich geschlossen. So auch die Nationalbibliothek. Schade. Die hätt ich mir echt gern von innen angeschaut, aber naja. Die erste Pause haben wir in einem Jugendstilcafe gemacht, die zweite nach einem Spaziergang durch Saara (Foto oben), einem libanesischem Viertel, im Campo de Santana Park. Zum Abschluss haben wir uns noch die Metropolitana Kathedrale und ihre tollen Buntglasfenster angeschaut, bevor wir uns auf den Weg zur Bonde gemacht haben. Die Bonde fährt vom Zentrum nach Santa Teresa und ist die einzig übriggebliebene Straßenbahn in der Stadt. Nach ca. 1,5 stündiger Wartezeit konnten wir dann auch endlich losrattern. Die Fahrt an sich war echt spannend, aber in Santa Teresa gab es dann nicht sonderlich viel zu sehen. Es war ganz niedlich, aber mehr auch nicht.

Freitag wollten wir mal wieder dem Feiertagschaos in Rio entfliehen und uns früh auf den Weg nach Cabo Frio, einem kleineren Strandort, machen, nach leichten Kommunikationsschwierigkeiten und dummen Zufällen konnten wir dann allerdings doch erst um 11 losfahren. Angekommen sind wir gegen 14 Uhr und dann hatten wir noch entspannte 3,5 Stunden bis zur Rückfahrt… Als erstes waren wir im Acai-Paradies. Acai ist eine sorbetartige aus den Acai Beeren. Verdammt lecker und das gibt es im ganzen Land eigentlich an jeder Ecke. Danach sind wir ein Stündchen an den tollen, aber sehr überfüllten Strand gegangen bevor wir uns noch ein bisschen die Stadt angeschaut haben und uns wieder in den Bus gesetzt haben… Abends hieß es dann noch ein letztes Mal in Lapa feiern. Zusammen mit Cristina, Maartje und Jessica war ich in einem Funk Club. Auf jeden Fall interessant wie Brasilianer bei verdammt ordinären Texten so feiern können. Das war mal wieder eine neue Erfahrung, aber ich glaube einmal reicht auch.

Samstag hatte ich meinen letzten gemütlichen Bundesliga Vormittag. Danach bin ich mit Cristie an den Praia Vermelha, meinen Lieblingsstrand in der ganzen Stadt gegangen. Da sind viel weniger Touristen als in Copa oder Ipanema, es gibt kaum Wellen und man hat eine tolle Aussicht auf den Zuckerhut. Wenn man dann da so im Sand sitzt, brasilianische Musik der Nachbarn läuft und man so aufs Meer hinausschaut, kann es einem kaum besser gehen. Später waren wir noch im Shopping Center, aber ohne Geld macht das bekanntlich keinen Spaß. Also haben wir uns einfach einen schönen Abend zu Hause gemacht.

Sonntag hab ich mich dann wieder mit Anna getroffen und wir waren am Forte de Copacabana. Dies galt als eine der wichtigsten Verteidigungsanlagen von Rio, die man sich immer noch im Original anschauen kann und von wo aus man einen tollen Blick auf Copa und die Umgebung hat. Danach sind wir zum Strand nach Barra da Tijuca gefahren, ebenfalls um dem Gedränge zu entfliehen. Als wir angekommen sind, hat sich nur leider der Himmel immer mehr zugezogen und es hat auch nicht lange gedauert und es fing an zu regnen…. So viel zum Thema Strandtag.

Das war dann auch schon mein mehr oder weniger unspektakuläres Ostern. Am Freitag hat meine Vermieterin auch beschlossen auszuziehen, wenn wir alle weg sind, das heißt sie hat schon mal angefangen wahllos und als allererstes Geschirr wegzupacken. Ist klar…hätt ich auch als Erstes gemacht. Cristina ist nun schon am Montag ausgezogen und die Mexikanerin heute. Langsam wird es leer und einsam, allerhöchste Eisenbahn also nach Hause zu kommen. Ich freue mich auf jeden einzelnen von euch!

Donnerstag, 21. April 2011

BH & Ouro Preto

Letztes Wochenende hat uns mal wieder die Reiselust gepackt und Annabelle und ich haben uns auf den Weg nach Minas Gerais gemacht. Dies ist der Bundesstaat nördlich von Rio, der durch recht hohe Mineralvorkommen einen ausgeprägten kulturellen und architektonischen Reichtum erlangt hat. Es gibt dort zwar keine Strände, aber dafür gutes Essen.

Freitagabend gegen 22:30 Uhr haben wir uns also mal wieder in einen Bus gesetzt und sind ca. 7 Stunden durch die Nacht gefahren. Unser erstes Ziel: B(elo) H(orizonte). Die Hauptstadt von Minas Gerais, die als Brasiliens erste geplante Stadt erbaut wurde. Dort angekommen sind wir 5 Uhr morgens und eigentlich wollten wir noch in ein Hotel direkt am Busbahnhof einchecken, aber da war leider nichts mehr frei. Leider war es auch noch dunkel und so blieb uns nichts anderes als es und ein wenig im Bahnhof gemütlich zu machen. Irgendwann konnte ich auch eine halbwegs angenehme Schlafposition finden, doch als ich nach 1,5 Stunden Tiefschlaf aufgewacht bin, tat mir alles weh…der Nacken, der Rücken…alles. Naja, kurz nach 7 war dann eine angenehmere Zeit, also kurz auf ins Busbahnhofsgemeinschaftsbad, frisch machen, Rucksäcke den netten Schließfachmännern anvertrauen und BH wir kommen.

Mit leerem Magen macht Sightseeing allerdings nur halb so viel Spaß und wir hatten beide großen Appetit auf ein ordentliches Frühstücksbuffet. Was macht man in solchen Fällen? Ganz klar, man nutzt den Gringa (Weiße)- Vorteil und schleust sich mal eben im 5 Sterne Hotel ein. Paradies! Eier, Wurst, Käse, Säfte, Müsli, Früchte, Jogurt…nur die Nutella hat wie immer gefehlt. Also wie ihr merkt sind wir bei unseren Reisen recht flexibel, ob auf dem Bahnhof schlafen oder im 5 Sterne Hotel frühstücken, wir machen alles mit. ;)

Danach waren wir dann allerdings wirklich bereit uns BH ein wenig näher anzuschauen, aber irgendwie hat die Stadt nicht viel zu bieten. Unsere Hauptbeschäftigung bestand an sich daraus in irgendwelchen Parks zu sitzen und zu entspannen. So waren wir zum Beispiel auf dem Praca da Liberdade in der Nähe vom Palast der Regierung oder im Parque Municipal einem Park mit künstlichen Seen und hauptsächlich konzipiert für Familien mit Kindern. Wir waren auch im Mercado Central, einer großen Markthalle in der so ziemlich alles angeboten wird. Unter anderem auch Tiere, die dort in den engsten Käfigen gehalten werden, das war irgendwie nicht so nett anzuschauen. Um dann gen Ende noch ein wenig Zeit totzuschlagen waren wir noch im alten Bahnhof, der heute ein Museum ist (Foto links). Danach war es allerdings an der Zeit zum Busbahnhof zurückzukehren, Sachen einzusammeln und den Bus nach Ouro Preto zu nehmen.

Ouro Preto ist ca. 2 Stunden von BH entfernt und angeblich die schönste Kolonialstadt im ganzen Bundesstaat. Ouro Preto (Foto ganz unten) ist bekannt als früherer Mittelpunkt für den Goldbergbau und ist ehemalige Hauptstadt.

Das Erste was wir hier feststellen mussten war, dass die Straßen sehr gefährlich sind. Es war teilweise sehr mühsam sich durch die sehr unregelmäßig kopfsteingepflasterten Steigungen und Gefälle zu bewegen, aber zum Glück ist niemand gestürzt. So haben wir dann unser Brumas Hostel bezogen und erst mal geduscht bevor wir uns unter das Volk gemischt haben. Frisch und munter haben wir uns also ein kleines süßes Restaurant gesucht um zu testen ob das Essen in Minas Gerais tatsächlich so gut ist, wie alle behaupten. Und das war es! Lecker und an sich viel zu viel. Danach sind wir noch ein wenig durch die Stadt gelaufen und haben uns an einem Schokoladen-Laden eine Frozen Chocolate gegönnt….hmmm, das war definitiv die Beste in meinem Leben. J Als wir den Laden verlassen haben, sind wir sozusagen mitten in einen Umzug geraten. Der war allerdings irgendwie komisch, da die Kapelle mal gespielt hat und dann war wieder Totenstille… Als am zentralen Platz Jesus und das Kreutz enthüllt wurden, ist uns dann auch klar geworden, dass es eine Prozession war. Es war sehr interessant da mal dabei zu sein, aber irgendwie auch eine komische Stimmung…

Am Sonntagmorgen haben wir uns mit Flo und Christian (2 Deutsche, die wir schon am Tag vorher kennengelernt haben), auf den Weg Richtung Mariana gemacht. Wir 2 sind allerdings an der Mina da Passagem ausgestiegen und haben eine Goldmine besucht. Am Anfang war das alles ein bisschen gruselig und „Horrorfilm-Szenario“, weil da einfach keine Menschenseele war, aber dann kamen zum Glück doch noch ein paar Leute nach uns. Begonnen haben wir also mit einer abwärts führenden Fahrt unter Tage in einer klapprigen alten Kabelbahn. 124 Meter tiefer angekommen, wurden wir ein wenig rumgeführt und Methoden zum Goldabbau wurden erklärt. In der Mine gab es auch einen See, in dem man, wenn man möchte auch tauchen kann. Ich fand das Ganze echt spannend und war einfach mal wieder überrascht wie viele verschiedene Gesichter Brasilien als Land hat. Da dieser ganze Ausflug allerdings doch nicht so lange gedauert hat, wie wir dachten, haben wir uns spontan entschieden auch noch nach Mariana, einer anderen Kolonialstadt, zu fahren. Auf dem Weg zur Bushaltestelle kam mal wieder ein hupendes Auto mit winkenden Insassen an uns vorbei gefahren und ich hätte wetten können, dass sie umdrehen und zurück kommen. So war es auch… Brasilianer sind gaaar nicht durchschaubar. Spontan wie wir sind, sind wir auch einfach mal mitgefahren, so konnten wir den Bus sparen und haben schon eine kleine Tour bekommen. Am Bahnhof haben sie uns dann ohne Probleme raus gelassen und wir haben sie nie wieder gesehen. Das war mal einfach.

In Mariana haben wir uns eigentlich nur 2 Kirchen von außen (Foto oben) und eine Basilika aus der Ferne angeschaut, bevor wir wieder in einem Park saßen und die Menschen beobachtet haben. Am Nachmittag sind wir dann wieder nach Ouro Preto zurück gekehrt, denn die Stadt wollten wir uns ja auch noch bei Tag anschauen. Hauptsächlich gibt es dort auch Kirchen, den zentralen Platz Tiradentes und viele süße Straßen mit kleinen niedlichen Häusern. Als wir an der Igreja NS do Carmo auf der Mauer liegend die letzten Sonnenstrahlen genossen haben (Foto rechts), kamen auch zufällig gerade wieder die Jungs vorbei. Wir haben uns dann noch den Sonnenuntergang angeschaut und uns dann zusammen auf die Suche nach etwas Essbarem gemacht. Komischerweise waren total viele Restaurants geschlossen sodass wir wieder in dem vom Vortag gelandet sind. Als wir dann noch in eine Bar wollten, sind wir wieder direkt in die Prozession geraten und konnten weder vorwärts noch rückwärts. Also haben wir die Menschen vorbei ziehen lassen und das Spektakel beobachtet. Der Kellner meinte, dass das einen Monat lang jeden Abend ist, aber das kann ich mir eigentlich kaum vorstellen… Wer weiß. Eine Bar haben wir dann nicht gefunden, aber dafür gab es im Theater kostenlosen Live Jazz und das war auch eine nette Lösung den Abend und das Wochenende ausklingen zu lassen.

22 Uhr ist unser Bus zurück gefahren, die Jungs sind auch mitgekommen, und pünktlich um 5 waren wir wieder in Rio. Ab nach Hause, noch kurz schlafen und schon war das Wochenende vorbei und man sitzt wieder hinter dem Schreibtisch.

FROHE OSTERN FÜR EUCH ALLE! Und bis in einem Monat.

Mittwoch, 13. April 2011

Ein ganz normales Wochenende

Eingeläutet wurde das Wochenende besonders süß, denn wir haben Lorenas Geburtstag im Büro nachgefeiert. (Auf dem Foto von links: Nathalia, Diana, Jessica, Lorena, Maartje und ich!) Die Torte wurde von Ada Tours gesponsert, durfte aber auch erst nach 18 Uhr gegessen werden. Es hätte ja passieren können, dass wir zu wenig arbeiten... Geschmeckt hat sie aber trotzdem und wir konnten uns alle voll gefuttert ins Wochenende kullern. :)
Zu Hause hab ich Cristie, meine amerikanische Mitbewohnerin (auf dem Foto unten rechts neben mir), getroffen und sie hat mich mit zu einer Einweihungsparty von einer ihrer Bekanntschaften geschleppt. Gegen 10 saßen wir beide im Bus und hatten eigentlich gar keine Lust, aber dann wird es ja bekanntlich immer am besten. Die Einweihungsparty war von Alex. Alex ist Amerikaner und bei der Navy und hat die coolste Wohnung überhaupt. Er wohnt in Ipanema, im 9 Stock hat einen Balkon in jede Richtung, Blick aufs Meer, den Zuckerhut...traumhaft. Auf dem Dach hat er einen Pool mit Bar, sprich man kann im Pool sitzen, Cocktails trinken und die Aussicht genießen. Dafür bezahlt er bzw. die amerikanischen Steuerzahler dann auch nur schlappe 4400 € im Monat. Bei dem Haushaltsloch was die Vereinigten Staaten gerade vorweisen, kann man das ja mal eben machen. Die feierliche Zusammenkunft war auf jeden Fall echt gut und die Leute super nett. Irgendwann sind wir kurz auf das Dach gegangen und wollten eigentlich nur die Aussicht genießen. Da war dann allerdings auch gerade eine Party mit DJ und "Dance Floor", zu der wir dann mal eben eingeladen wurden. Echt witzig...Am Samstag war dann dementsprechend nicht sooo viel mit uns anzufangen. Wir haben uns aber trotzdem mit Annabelle und Hans getroffen und sind ausnahmsweise mal am Tag nach Lapa gefahren. Das war irgendwie total komisch und kaum wiederzuerkennen, hat aber auf jeden Fall auch seinen eigenen Charme. Zuerst haben wir uns die "Escadaria Selarón" angeschaut. Das ist eine Treppe, die mit bunten Mosaiken aus aller Welt geschmückt ist. Und ratet mal wen ich dort auch gefunden habe? Richtig, die Bremer Stadtmusikanten! :)
Danach wollten wir eigentlich noch mit der Bonde (Straßenbahn) nach Santa Teresa fahren, aber die Schlange war so lang, dass wir keine Lust hatten zu warten. Also wieder ab nach Copa, eine Kleinigkeit essen, einen Strandspaziergang in netter Begleitung machen und ab nach Hause ins Bettchen. Samstagabend hingen Cristie und ich dann auch eigentlich nur gammelnd zu Hause rum und sind früh schlafen gegangen.
Sonntag hab ich mich wieder mit Annabelli getroffen und wir sind am Strand entlang nach Ipanema spaziert. Sonntags wird dort immer die eine Fahrspur der Avenida Atlantica gesperrt d.h., dass alle ihre Fahrräder, Inliner und Skateboards rausholen und sich dort ein wenig austoben. Wir waren einfach nur zu Fuß, also echt schon langweilig. In Ipanema haben wir uns ein paar Stündchen im Strand niedergelassen und die Sonne genossen. Das war schon wieder so anstrengend, dass wir fast vor Hunger gestorben sind. Und wo geht man hin, wenn man in Ipanema ist? Genau, ins KebabHouse. Es gab zwar keine Kebabs, sondern nur Wraps aber die waren auch super lecker.
Annabelli hat danach direkt den Bus nach Hause genommen und ich bin noch ein wenig über den Ipanema Hippie Markt geschlendert und dann wieder die 4km nach Hause gelaufen.
Und nun wisst ihr auch wie ein ganz normales Wochenende in Rio aussieht... :)
Und dann gibt es heute noch einen kleinen Kinotipp, wenn ihr demnächst Langeweile habt und das Wetter schlecht ist, dann schaut euch "Rio" an. Sehr niedlich. :)

Dienstag, 5. April 2011

Favela Tour - Santa Marta

Das letzte Wochenende war wechselhaft und hat sich demnach auch gut dem Aprilwetter angepasst: Hoch – Tief – Hoch.
Aber von Anfang an… Am Freitag war Zahltag…juhuuu. Aber Daniel der Finanzbeauftragte und Freund von Anna hat sich damit seine Zeit gelassen. Kurz nach 18 Uhr haben wir alle unsere Laptops zugeklappt und gewartet und gewartet und gewartet und er hat sich einfach nur feiern lassen und sich gegen 19 Uhr dann mal bequemt in die Gänge zu kommen…. Grrrrr! Wie kann man nur so doof sein? Von Personalführung bzw. –motivation hat er sicher noch nichts gehört.

Naja, Annabelle hat mich abgeholt und ab ging es zum Sushi Rodizio. Das ist hier in Rio echt ein Highlight, denn es ist fast doppelt so teuer wie in Fortaleza, aber einmal kann man es sich ja gutgehen lassen. :) Danach wollte ich eigentlich noch nach Lapa (in das Szeneviertel) und mich mit Tricia aus Fortaleza treffen, aber irgendwie konnte ich sie nicht anrufen (ich hatte mich schon mal über die Handynetze hier beschwert, oder?) und Anna hatte auch keine Lust, also bin ich nach Hause gegangen. Noch auf der Straße hat mir Hans eine SMS geschrieben. Hans ist auch aus Deutschland und vor einer Woche hier angekommen und wir haben uns am Donnerstag kurz auf den wohl stärksten Caipirinha aller Zeiten getroffen. Er und seine Freunde wollten auf jeden Fall auch noch weggehen, also hab ich beschlossen mich anzuschließen und zu ihm zu laufen. Das hat sich dann schwieriger herausgestellt als geplant. Seine Hausnummer, die er mir ca. 10mal gesagt hat: 580. Wo war ich? Bei der 580, hab dort mehrmals gefragt ob da ein Hans wohnt: nein. Hm, anrufen konnte ich ihn nicht (wieder das Netzproblem) und anders wusste ich mir nicht zu helfen, also hab ich mich wieder auf den Weg nach Hause gemacht. Auf einmal klingelingeling „hey, es tut mir total leid, ich hab dir die falsche Nummer gesagt.“ Auch schon gemerkt… Naja, am Ende sind wir doch noch in Lapa angekommen, aber Tricia habe ich, selbst nach Treffpunkt ausmachen, absolut nicht gefunden. Dieses Stadtviertel ist einfach immer so voll, das ist Wahnsinn. Und als Frau kann man da echt nicht allein hingehen, was die einen die ganze Zeit anstarren, doof von der Seite anlabern und wenn es ganz gut kommt anfassen, ist nicht gerade spaßig. Aber alles gut, es war trotzdem richtig witzig und als ich beschlossen habe nach Hause zu fahren, hab ich sogar noch andere Bekannte im Van getroffen und musste nicht mal allein durch die Nacht düsen.

Samstag hab ich mir mal wieder einen Buli-Vormittag gegönnt und mich gegen 1 endlich mit Tricia getroffen. Zusammen mit Annabelle haben wir eine Favela-Tour gemacht. Favelas sind die Armenviertel in denen die Bewohner (meist) illegal wohnen und die man generell meiden soll. Rio hat natürlich einige davon. Die Größte heißt Rocinha, dort werden auch die meisten Touren angeboten, aber wir haben uns für Santa Marta entschieden.

Die meisten Favelas haben/hatten kaum die nötigste Infrastruktur, keinen Strom und keine Wasserleitungen. Viele werden von Drogenbanden regiert und vor allem hier in Rio fängt die Regierung nun langsam damit an, in den Favelas „aufzuräumen“. Santa Marta ist eine der Favelas, in denen man die Fortschritte schon recht gut sehen kann. Am „Eingang“ befindet sich direkt ein großes Gebäude der UPP (Polizei) und ein riesiger Wassertank. Die meisten Favelas hier in Rio haben sich an den Bergen angesiedelt und gehen sehr steil nach oben. Wir waren in einer faulen Touristengruppe, also haben wir uns von oben beginnend auf den Weg gemacht. Ganz oben gab es sogar, wen überrascht es, ein Fußballfeld und dort waren gerade irgendwelche Turniere. So ein kleines knuffiges Mädchen, das wahrscheinlich gerade Laufen gelernt hat, hat ihren Ball ausversehen in meine Richtung gespielt und ich hab natürlich zurückgekickt. Daran hat sie dann so viel Gefallen gefunden, dass sie mich nicht mehr in Ruhe gelassen hat. Sie kam hinterher gelaufen und konnte gar nicht verstehen, warum ich sie denn da jetzt einfach so stehen lass. Das war so ein süßes, kleines Ding und man konnte ihr so leicht eine Freude machen. Ich hätte doch, wie es ursprünglich mein Plan war, nebenher noch ein wenig Freiwilligenarbeit machen sollen. Aber 18 Uhr im Dunkeln in zwielichtigen Gegenden rumzulaufen wäre wahrscheinlich auch nicht so gut gewesen. Naja…

Michael Jackson hat in Santa Marta irgendein Musikvideo gedreht und darauf sind die Bewohner verdammt stolz. Es lief seine Musik und nachdem er gestorben ist, haben Sie eine Statue aufgestellt und ein Mosaik an eine Wand gebracht. Das war irgendwie ein wenig irreal inmitten von dem ganzen Durcheinander, aber ok.

Nachdem wir kurz eine kleine Pause gemacht und etwas gegessen haben ging es weiter die Gassen nach unten. Blöderweise ging es mir umso näher wir dem Ende kamen, umso schlechter. Meine Beine haben gezittert und mein Magen einfach nur weh getan. Das musste ja sein. Das kleine Küchlein mit Fleischfüllung war wohl doch keine so gute Idee. Und da haben wir auch schon das Klischee, aber ich bin mir ganz sicher, dass nicht alles in der Favela schlecht ist. :)

Alles in allem war es echt interessant das Leben in Santa Marta, mehr oder weniger, kennenzulernen, aber den Rest des Tages habe ich in meinem Bett verbringen müssen. Zum Glück war nach 17 Stunden Schlaf am Sonntag alles wieder besser. Übertreiben wollte ich es aber trotzdem nicht, also habe ich mich nur mit Tricia und Annabelle in Ipanema getroffen und wir sind dort und in Leblon ein wenig umher gelaufen, waren bei Starbucks und haben das Wochenende in Ruhe ausklingen lassen.