Olá ihr Lieben!

Auf diesem Blog könnt ihr meinen Auslandsaufenthalt in Brasilien hautnah miterleben. Ich bin am 21.07.2010 in Fortaleza angekommen und habe ab August ein Semester an der Universidade Federal do Ceará studiert. Das ist nun seit dem 2. Dezember abgeschlossen.
Nachdem ich im Dezember 3 Wochen lang eine Pause von Brasilien in New York genommen habe, habe ich mich entschieden nach Rio de Janeiro zu gehen. Hier mach ich nun seit Mitte Januar ein Praktikum und lebe und arbeite an der Copacabana. Ich werde versuchen wenigstens wöchentlich ein Lebenszeichen von mir zu
senden, freue mich aber auch ab und an mal etwas von euch zu hören.
Viel Spaß beim Lesen und Kommentare posten!
Té mais,
Cindy!


Donnerstag, 21. April 2011

BH & Ouro Preto

Letztes Wochenende hat uns mal wieder die Reiselust gepackt und Annabelle und ich haben uns auf den Weg nach Minas Gerais gemacht. Dies ist der Bundesstaat nördlich von Rio, der durch recht hohe Mineralvorkommen einen ausgeprägten kulturellen und architektonischen Reichtum erlangt hat. Es gibt dort zwar keine Strände, aber dafür gutes Essen.

Freitagabend gegen 22:30 Uhr haben wir uns also mal wieder in einen Bus gesetzt und sind ca. 7 Stunden durch die Nacht gefahren. Unser erstes Ziel: B(elo) H(orizonte). Die Hauptstadt von Minas Gerais, die als Brasiliens erste geplante Stadt erbaut wurde. Dort angekommen sind wir 5 Uhr morgens und eigentlich wollten wir noch in ein Hotel direkt am Busbahnhof einchecken, aber da war leider nichts mehr frei. Leider war es auch noch dunkel und so blieb uns nichts anderes als es und ein wenig im Bahnhof gemütlich zu machen. Irgendwann konnte ich auch eine halbwegs angenehme Schlafposition finden, doch als ich nach 1,5 Stunden Tiefschlaf aufgewacht bin, tat mir alles weh…der Nacken, der Rücken…alles. Naja, kurz nach 7 war dann eine angenehmere Zeit, also kurz auf ins Busbahnhofsgemeinschaftsbad, frisch machen, Rucksäcke den netten Schließfachmännern anvertrauen und BH wir kommen.

Mit leerem Magen macht Sightseeing allerdings nur halb so viel Spaß und wir hatten beide großen Appetit auf ein ordentliches Frühstücksbuffet. Was macht man in solchen Fällen? Ganz klar, man nutzt den Gringa (Weiße)- Vorteil und schleust sich mal eben im 5 Sterne Hotel ein. Paradies! Eier, Wurst, Käse, Säfte, Müsli, Früchte, Jogurt…nur die Nutella hat wie immer gefehlt. Also wie ihr merkt sind wir bei unseren Reisen recht flexibel, ob auf dem Bahnhof schlafen oder im 5 Sterne Hotel frühstücken, wir machen alles mit. ;)

Danach waren wir dann allerdings wirklich bereit uns BH ein wenig näher anzuschauen, aber irgendwie hat die Stadt nicht viel zu bieten. Unsere Hauptbeschäftigung bestand an sich daraus in irgendwelchen Parks zu sitzen und zu entspannen. So waren wir zum Beispiel auf dem Praca da Liberdade in der Nähe vom Palast der Regierung oder im Parque Municipal einem Park mit künstlichen Seen und hauptsächlich konzipiert für Familien mit Kindern. Wir waren auch im Mercado Central, einer großen Markthalle in der so ziemlich alles angeboten wird. Unter anderem auch Tiere, die dort in den engsten Käfigen gehalten werden, das war irgendwie nicht so nett anzuschauen. Um dann gen Ende noch ein wenig Zeit totzuschlagen waren wir noch im alten Bahnhof, der heute ein Museum ist (Foto links). Danach war es allerdings an der Zeit zum Busbahnhof zurückzukehren, Sachen einzusammeln und den Bus nach Ouro Preto zu nehmen.

Ouro Preto ist ca. 2 Stunden von BH entfernt und angeblich die schönste Kolonialstadt im ganzen Bundesstaat. Ouro Preto (Foto ganz unten) ist bekannt als früherer Mittelpunkt für den Goldbergbau und ist ehemalige Hauptstadt.

Das Erste was wir hier feststellen mussten war, dass die Straßen sehr gefährlich sind. Es war teilweise sehr mühsam sich durch die sehr unregelmäßig kopfsteingepflasterten Steigungen und Gefälle zu bewegen, aber zum Glück ist niemand gestürzt. So haben wir dann unser Brumas Hostel bezogen und erst mal geduscht bevor wir uns unter das Volk gemischt haben. Frisch und munter haben wir uns also ein kleines süßes Restaurant gesucht um zu testen ob das Essen in Minas Gerais tatsächlich so gut ist, wie alle behaupten. Und das war es! Lecker und an sich viel zu viel. Danach sind wir noch ein wenig durch die Stadt gelaufen und haben uns an einem Schokoladen-Laden eine Frozen Chocolate gegönnt….hmmm, das war definitiv die Beste in meinem Leben. J Als wir den Laden verlassen haben, sind wir sozusagen mitten in einen Umzug geraten. Der war allerdings irgendwie komisch, da die Kapelle mal gespielt hat und dann war wieder Totenstille… Als am zentralen Platz Jesus und das Kreutz enthüllt wurden, ist uns dann auch klar geworden, dass es eine Prozession war. Es war sehr interessant da mal dabei zu sein, aber irgendwie auch eine komische Stimmung…

Am Sonntagmorgen haben wir uns mit Flo und Christian (2 Deutsche, die wir schon am Tag vorher kennengelernt haben), auf den Weg Richtung Mariana gemacht. Wir 2 sind allerdings an der Mina da Passagem ausgestiegen und haben eine Goldmine besucht. Am Anfang war das alles ein bisschen gruselig und „Horrorfilm-Szenario“, weil da einfach keine Menschenseele war, aber dann kamen zum Glück doch noch ein paar Leute nach uns. Begonnen haben wir also mit einer abwärts führenden Fahrt unter Tage in einer klapprigen alten Kabelbahn. 124 Meter tiefer angekommen, wurden wir ein wenig rumgeführt und Methoden zum Goldabbau wurden erklärt. In der Mine gab es auch einen See, in dem man, wenn man möchte auch tauchen kann. Ich fand das Ganze echt spannend und war einfach mal wieder überrascht wie viele verschiedene Gesichter Brasilien als Land hat. Da dieser ganze Ausflug allerdings doch nicht so lange gedauert hat, wie wir dachten, haben wir uns spontan entschieden auch noch nach Mariana, einer anderen Kolonialstadt, zu fahren. Auf dem Weg zur Bushaltestelle kam mal wieder ein hupendes Auto mit winkenden Insassen an uns vorbei gefahren und ich hätte wetten können, dass sie umdrehen und zurück kommen. So war es auch… Brasilianer sind gaaar nicht durchschaubar. Spontan wie wir sind, sind wir auch einfach mal mitgefahren, so konnten wir den Bus sparen und haben schon eine kleine Tour bekommen. Am Bahnhof haben sie uns dann ohne Probleme raus gelassen und wir haben sie nie wieder gesehen. Das war mal einfach.

In Mariana haben wir uns eigentlich nur 2 Kirchen von außen (Foto oben) und eine Basilika aus der Ferne angeschaut, bevor wir wieder in einem Park saßen und die Menschen beobachtet haben. Am Nachmittag sind wir dann wieder nach Ouro Preto zurück gekehrt, denn die Stadt wollten wir uns ja auch noch bei Tag anschauen. Hauptsächlich gibt es dort auch Kirchen, den zentralen Platz Tiradentes und viele süße Straßen mit kleinen niedlichen Häusern. Als wir an der Igreja NS do Carmo auf der Mauer liegend die letzten Sonnenstrahlen genossen haben (Foto rechts), kamen auch zufällig gerade wieder die Jungs vorbei. Wir haben uns dann noch den Sonnenuntergang angeschaut und uns dann zusammen auf die Suche nach etwas Essbarem gemacht. Komischerweise waren total viele Restaurants geschlossen sodass wir wieder in dem vom Vortag gelandet sind. Als wir dann noch in eine Bar wollten, sind wir wieder direkt in die Prozession geraten und konnten weder vorwärts noch rückwärts. Also haben wir die Menschen vorbei ziehen lassen und das Spektakel beobachtet. Der Kellner meinte, dass das einen Monat lang jeden Abend ist, aber das kann ich mir eigentlich kaum vorstellen… Wer weiß. Eine Bar haben wir dann nicht gefunden, aber dafür gab es im Theater kostenlosen Live Jazz und das war auch eine nette Lösung den Abend und das Wochenende ausklingen zu lassen.

22 Uhr ist unser Bus zurück gefahren, die Jungs sind auch mitgekommen, und pünktlich um 5 waren wir wieder in Rio. Ab nach Hause, noch kurz schlafen und schon war das Wochenende vorbei und man sitzt wieder hinter dem Schreibtisch.

FROHE OSTERN FÜR EUCH ALLE! Und bis in einem Monat.

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