Olá ihr Lieben!

Auf diesem Blog könnt ihr meinen Auslandsaufenthalt in Brasilien hautnah miterleben. Ich bin am 21.07.2010 in Fortaleza angekommen und habe ab August ein Semester an der Universidade Federal do Ceará studiert. Das ist nun seit dem 2. Dezember abgeschlossen.
Nachdem ich im Dezember 3 Wochen lang eine Pause von Brasilien in New York genommen habe, habe ich mich entschieden nach Rio de Janeiro zu gehen. Hier mach ich nun seit Mitte Januar ein Praktikum und lebe und arbeite an der Copacabana. Ich werde versuchen wenigstens wöchentlich ein Lebenszeichen von mir zu
senden, freue mich aber auch ab und an mal etwas von euch zu hören.
Viel Spaß beim Lesen und Kommentare posten!
Té mais,
Cindy!


Dienstag, 5. April 2011

Favela Tour - Santa Marta

Das letzte Wochenende war wechselhaft und hat sich demnach auch gut dem Aprilwetter angepasst: Hoch – Tief – Hoch.
Aber von Anfang an… Am Freitag war Zahltag…juhuuu. Aber Daniel der Finanzbeauftragte und Freund von Anna hat sich damit seine Zeit gelassen. Kurz nach 18 Uhr haben wir alle unsere Laptops zugeklappt und gewartet und gewartet und gewartet und er hat sich einfach nur feiern lassen und sich gegen 19 Uhr dann mal bequemt in die Gänge zu kommen…. Grrrrr! Wie kann man nur so doof sein? Von Personalführung bzw. –motivation hat er sicher noch nichts gehört.

Naja, Annabelle hat mich abgeholt und ab ging es zum Sushi Rodizio. Das ist hier in Rio echt ein Highlight, denn es ist fast doppelt so teuer wie in Fortaleza, aber einmal kann man es sich ja gutgehen lassen. :) Danach wollte ich eigentlich noch nach Lapa (in das Szeneviertel) und mich mit Tricia aus Fortaleza treffen, aber irgendwie konnte ich sie nicht anrufen (ich hatte mich schon mal über die Handynetze hier beschwert, oder?) und Anna hatte auch keine Lust, also bin ich nach Hause gegangen. Noch auf der Straße hat mir Hans eine SMS geschrieben. Hans ist auch aus Deutschland und vor einer Woche hier angekommen und wir haben uns am Donnerstag kurz auf den wohl stärksten Caipirinha aller Zeiten getroffen. Er und seine Freunde wollten auf jeden Fall auch noch weggehen, also hab ich beschlossen mich anzuschließen und zu ihm zu laufen. Das hat sich dann schwieriger herausgestellt als geplant. Seine Hausnummer, die er mir ca. 10mal gesagt hat: 580. Wo war ich? Bei der 580, hab dort mehrmals gefragt ob da ein Hans wohnt: nein. Hm, anrufen konnte ich ihn nicht (wieder das Netzproblem) und anders wusste ich mir nicht zu helfen, also hab ich mich wieder auf den Weg nach Hause gemacht. Auf einmal klingelingeling „hey, es tut mir total leid, ich hab dir die falsche Nummer gesagt.“ Auch schon gemerkt… Naja, am Ende sind wir doch noch in Lapa angekommen, aber Tricia habe ich, selbst nach Treffpunkt ausmachen, absolut nicht gefunden. Dieses Stadtviertel ist einfach immer so voll, das ist Wahnsinn. Und als Frau kann man da echt nicht allein hingehen, was die einen die ganze Zeit anstarren, doof von der Seite anlabern und wenn es ganz gut kommt anfassen, ist nicht gerade spaßig. Aber alles gut, es war trotzdem richtig witzig und als ich beschlossen habe nach Hause zu fahren, hab ich sogar noch andere Bekannte im Van getroffen und musste nicht mal allein durch die Nacht düsen.

Samstag hab ich mir mal wieder einen Buli-Vormittag gegönnt und mich gegen 1 endlich mit Tricia getroffen. Zusammen mit Annabelle haben wir eine Favela-Tour gemacht. Favelas sind die Armenviertel in denen die Bewohner (meist) illegal wohnen und die man generell meiden soll. Rio hat natürlich einige davon. Die Größte heißt Rocinha, dort werden auch die meisten Touren angeboten, aber wir haben uns für Santa Marta entschieden.

Die meisten Favelas haben/hatten kaum die nötigste Infrastruktur, keinen Strom und keine Wasserleitungen. Viele werden von Drogenbanden regiert und vor allem hier in Rio fängt die Regierung nun langsam damit an, in den Favelas „aufzuräumen“. Santa Marta ist eine der Favelas, in denen man die Fortschritte schon recht gut sehen kann. Am „Eingang“ befindet sich direkt ein großes Gebäude der UPP (Polizei) und ein riesiger Wassertank. Die meisten Favelas hier in Rio haben sich an den Bergen angesiedelt und gehen sehr steil nach oben. Wir waren in einer faulen Touristengruppe, also haben wir uns von oben beginnend auf den Weg gemacht. Ganz oben gab es sogar, wen überrascht es, ein Fußballfeld und dort waren gerade irgendwelche Turniere. So ein kleines knuffiges Mädchen, das wahrscheinlich gerade Laufen gelernt hat, hat ihren Ball ausversehen in meine Richtung gespielt und ich hab natürlich zurückgekickt. Daran hat sie dann so viel Gefallen gefunden, dass sie mich nicht mehr in Ruhe gelassen hat. Sie kam hinterher gelaufen und konnte gar nicht verstehen, warum ich sie denn da jetzt einfach so stehen lass. Das war so ein süßes, kleines Ding und man konnte ihr so leicht eine Freude machen. Ich hätte doch, wie es ursprünglich mein Plan war, nebenher noch ein wenig Freiwilligenarbeit machen sollen. Aber 18 Uhr im Dunkeln in zwielichtigen Gegenden rumzulaufen wäre wahrscheinlich auch nicht so gut gewesen. Naja…

Michael Jackson hat in Santa Marta irgendein Musikvideo gedreht und darauf sind die Bewohner verdammt stolz. Es lief seine Musik und nachdem er gestorben ist, haben Sie eine Statue aufgestellt und ein Mosaik an eine Wand gebracht. Das war irgendwie ein wenig irreal inmitten von dem ganzen Durcheinander, aber ok.

Nachdem wir kurz eine kleine Pause gemacht und etwas gegessen haben ging es weiter die Gassen nach unten. Blöderweise ging es mir umso näher wir dem Ende kamen, umso schlechter. Meine Beine haben gezittert und mein Magen einfach nur weh getan. Das musste ja sein. Das kleine Küchlein mit Fleischfüllung war wohl doch keine so gute Idee. Und da haben wir auch schon das Klischee, aber ich bin mir ganz sicher, dass nicht alles in der Favela schlecht ist. :)

Alles in allem war es echt interessant das Leben in Santa Marta, mehr oder weniger, kennenzulernen, aber den Rest des Tages habe ich in meinem Bett verbringen müssen. Zum Glück war nach 17 Stunden Schlaf am Sonntag alles wieder besser. Übertreiben wollte ich es aber trotzdem nicht, also habe ich mich nur mit Tricia und Annabelle in Ipanema getroffen und wir sind dort und in Leblon ein wenig umher gelaufen, waren bei Starbucks und haben das Wochenende in Ruhe ausklingen lassen.

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