So, nun bin ich schon über eine Woche unterwegs und es ist Zeit für einen Zwischenbericht.
Meine letzten beiden Tage in Rio habe ich dazu genutzt noch einmal alle zu treffen. Montagabend gab es also ein letztes Mal Pizza Rodizio in grosser Runde und danach ging es mit Hans, Florian, Tatjana und Annabelle auf ein Abschiedsbier in eine Bar fast am Strand. Dienstag hiess es nur Sachen packen, nochmal mit allen skypen, Annabelle zum Mittag im anstrengend wuseligen Zentrum treffen und ab zum Flughafen. Die Reise konnte beginnen.
In Salvador angekommen stand ich direkt vor dem ersten Konflikt, dem Taxifahrer Konflikt. Es haben sich sozusagen zwei um mich gestritten, einer meinte er wär offiziell und ich solle nicht mit dem anderen fahren und der andere wurde immer günstiger. Da er mir aber doch ein wenig suspekt war, hab ich mich einfach für die teuere Variante entschieden. Sicher ist sicher. Die erste Nacht habe ich bei Tatjana, einer Freundin von Annabelle, verbracht. Sie war super nett und mein Zimmer war auch perfekt, aber ich war nur einige Stunden da, denn am nächsten Morgen bin ich schon aufgebrochen.
Mein erstes Ziel - Aracaju - habe ich ohne Probleme nach einer 5 stündigen Fahrt erreicht. Aracaju ist die Hauptstadt vom Bundesstaat Sergipe, relativ klein und wuselig. Nachdem ich im Grande Hotel eingecheckt hab, bin ich noch ein wenig durch die Stadt gelaufen, hab im Mercado Central Açai gegessen und mir noch 30 Minuten Internet für 40 ct gegönnt: willkommen im Nordosten.
Beim Frühstück am nächsten Morgen wurde ich von einer Frau angesprochen, die mich unbedingt dazu überreden wollte in Aracaju zu studieren...nein danke. Da es in der Stadt wirklich nichts weiter gab, hab ich nach einem kurzen Spaziergang Sachen gepackt und mich auf den Weg nach Maceió gemacht. Alles in allem war Aracaju aber echt angenehm, es gab keine Touristen und ich wurde erstaunlich wenig angesprochen. So macht das Spass. :)
In Maceió bin ich relativ spät angekommen, also habe ich mir mal wieder ein Taxi gegönnt. Leider hat mich dann mein geliebter Reisebegleiter, der Lonely Planet, zum ersten Mal im Stich gelassen. Ich wollte im Mar Amar Hostel einchecken, aber irgendwie war da niemand. Nach mehrmaligem Sturmklingeln hat dann ein Typ, der gerade noch dabei war sein Hemd zuzuknöpfen und dem kurz später eine Frau gefolgt ist, die Tür geöffnet. Das war mir doch irgendwie suspekt und ich hab mich wieder verabschiedet. Zum Glück hat der Taxifahrer auf mich gewartet und mich dann zum Algamar Hostel gebracht. Er hatte zwar schon einen neuen Gast, aber der ist netterweise wieder ausgestiegen. :)
Am nächsten Tag schien zum ersten Mal richtig die Sonne, klar das es für mich nur ein Ziel gab: Strand. Sehr lange war ich da natürlich nicht allein. Arthur hat mir irgendwann Gesellschaft geleistet, was ja an sich ganz nett ist, aber leider wollen die meist nicht nur reden und dann gehen unsere Interessen schlagartig seeeehr stark auseinander. Blöderweise hat mich dann auch noch eine Qualle angegriffen und einmal meinen Fuss umzingelt...AUTSCH. Nachdem ich genug von Arthur hatte bin ich zurück zum Hostel gegangen um dann noch einen langen Spaziergang durch Maceió zu machen. Eigentlich wollte ich auch ins Zentrum und zum Markt, aber dann wurde es schon langsam dunkel und ich hab mir lieber den Sonnenuntergang am Strand angeschaut. Abends hab ich irgendwelchen Jungs beim Beachvolleyball zugeschaut und bin noch ein wenig umher gelaufen, bis ich wieder von welchen angesprochen wurde und dann den Abend mit denen in einer Strandbar verbracht hab. Maceió ist echt eine tolle Stadt, an sich wie Fortaleza nur ein bisschen schöner. :)
Am Samstag ging es dann zum ersten wirklichen Strandort: Porto de Galinhas. Eigentlich sind die Reisebusse hier in Brasilien echt super, aber das schien ein normaler Bus gewesen zu sein und am Anfang hat mir das so gar nicht gefallen: kein Schlaf, keine Klimaanlage und viel Gewusel. Aber man gewöhnt sich ja bekanntlich an alles und dann hab ich es einfach als eher typische Erfahrung gesehen. Die Landschaft war super schön und verschieden (sonst hab ich das ja immer verschlafen) es gab Berge, Mangrovenwälder, kleine Strohhüttendörfer... In Ipojuca wurde ich dann "aus dem Bus geworfen" und war so ziemlich im Nirgendwo. Der Exotenstatus gehörte mal wieder mir... Irgendwann kam dann aber auch der Bus nach Porto und ich wurde befreit. Im Bus hat man mal wieder gar nicht verstanden warum ich da jetzt allein rumreise und mich gefragt ob ich da Familie habe...klar. :) In Porto angekommen bin ich erstmal ein wenig durch den Ort geirrt bevor ich endlich das La Rocca Hostel gefunden habe. Anfänglich war mir das Hostel ein wenig suspeekt, weil es fast nur Männer gab. Also hab ich erstmal ein wenig den Ort erkundet und war allein im Restaurant Crepes essen. Es war die Hölle, man wird einfach noch dümmer angeschaut und nie, nie wieder werde ich allein den Fuss in ein Restaurant setzen. Irgendwann hab ich mich dann allerdings doch der Situation gestellt und bin wieder ins Hostel gegangen und es war echt nett. Ich hab erstmal 2 Stunden mit dem argentinischen David geredet, mit dem ich die erste Nacht mein Zimmer geteilt hab und dann haben wir noch alle zusammen einen Film geschaut.
Da das Wetter nicht sooo gut war, wollte ich am nächsten Tag eigentlich ein wenig am Strand spazieren, aber dann hat mich der Hostel-Besitzer gefragt ob ich mit schnorcheln möchte und da hab ich natürlich nicht nein gesagt. Porto de Galinhas ist bekannt für seine piscinas naturais (Gezeitenpools) in den Korallenbänken und das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Leider stand ich dann doch vor einer kleinen Herausforderung, denn man musste erstmal zu den Pools schwimmen. Die Wellen waren hoch, das Wasser salzig und meine Augen brannten, sodass ich fast schon aufgegeben hätte, aber aufgeben gibt es ja nicht, also durchbeissen. :) Irgendwann sind wir an den Riffs angekommen und mussten noch ein wenig laufen. "Pass auf, hier gibt es so schwarze Tiere mit Stacheln." Hm, na toll, da waren überall dunkle Flecken woher sollte ich denn jetzt wissen was so ein Tier ist und was nicht, aber zum Glück ist nichts passiert. Am Ende hat sich jede Mühe gelohnt und es war echt toll. Das Riff und gaaaanz viele bunte Fischis, leider habe ich keine Fotos, aber naja. Man kann dort auch mit Booten hinfahren und seine Kamera mitnehmen, aber da hat die kleine Challenge schon mehr Spass gemacht. Nach circa 3 Stunden im Wasser war es dann auch irgendwann genug und wir sind wieder zurück geschwommen. Der Rest des Tages wurde der Hängematte gewidmet und später 3 Filmen im Wohnzimmer.
Leider wurde das Wetter auch am nächsten Tag nicht besser, sodass ich wieder in der Hängematte hing, ein Stündchen mit Annabelli telefoniert hab und fast 5 Stunden am Strand spazieren gegangen bin. Bis auf den Wind und den kontinuierlichen leichten Nieselregen - war bis auf die Palmen fast ein wenig Nordsee-Feeling - war das auch echt schön. Der Strand war echt schön und menschenleer. Als ich nach 4 km am Maracaipe Fluss angekommen bin, hab ich eine kurze Pause gemacht und einfach nur die Ruhe genossen. Auf dem Rückweg gab es so ein paar umherstreunende Hunde, das war etwas beunruhigend, aber ich bin einfach im Wasser gelaufen, denn da trauen sie sich nicht hin. ^^ Später kam sogar doch noch ein wenig die Sonne raus, also hab ich die Zeit genutzt und die Surfer im Sonnenuntergang beobachtet. Dann war ich allerdings doch wieder bereit für ein bisschen Menschen um mich und bin wieder zum Filmabend ins Hostel gegangen.
Am nächsten Tag hat David mir noch so ein lustiges, buntes Hostel gezeigt und dann hab ich mich auf den Weg nach Recife gemacht. Porto de Galinhas wurde angeblich 10mal hintereinander (die Zahlen schwanken) zum schönsten Strand Brasiliens gewählt. Ja, er ist schön, aber ich finde echt, dass es bessere gibt. Vielleicht ist das alles auch nur eine Marketing-Masche, denn dort werden immer mehr Hotels und Resorts gebaut...die müssen ja auch irgendwie gefüllt werden.
In Recife angekommen hat Tulio (ein Freund, der schon in Bremen studiert hat) mich abgeholt und wir sind erstmal zu ihm gefahren. Erster Eindruck: YEAH. Er wohnt noch bei seinen Eltern, im besten Viertel, das Gästezimmer ist mir und das Essen steht immer auf dem Tisch. :) Wir sind dann ein wenig am Strand von Boa Viagem spazieren gegangen und waren im Camarada lecker Shrimps essen und Caipi trinken. So lässt es sich leben.
Morgens hat er immer Uni, also hab ich auf ihn gewartet und in der Zwischenzeit mit seiner Schwester geredet, dann gab es Mittag mit der ganzen Familie und später sind wir ins Zentrum gefahren und haben uns Recife Antigo (das alte Recife) angeschaut. Recife wird dank seiner vielen Flüsse auch als Venedig Brasiliens bezeichnet, also mussten wir natürlich auch eine Bootfahrt machen. Ich hab ja vorher nicht so gute Sachen über die Stadt gehört, aber die Sachen, die ich bisher so gesehen habe, finde ich echt schön. Nach der Bootfahrt sind wir noch ein wenig rumgelaufen, waren etwas essen und dann hatte Tulio wieder Vorlesung und ich hab mich mit Theda (einer Freundin aus Bremen) getroffen. Wir waren in einer Bar und irgendwann kam ihr Freund noch mit Freunden dazu und Tulio auch und es wurde immer lustiger.
Jetzt warte ich gerade wieder auf Tulio und sobald er zurück kommt, fahren wir nach Olinda...
Der Countdown läuft, in 10 Tagen flieg ich los... juhuuu! :-*
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